- 08.10.2014, 19:14:03
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DER STANDARD-Kommentar "Die AUA bleibt auf unsicherem Kurs" von Eric Frey
Auch mit dem neuen Kollektivvertrag ist die Airline nicht gegen Krisen gewappnet. ET 09.10.2014
Utl.: Auch mit dem neuen Kollektivvertrag ist die Airline nicht
gegen Krisen gewappnet. ET 09.10.2014 =
Wien (OTS) - Jahrelang haben sie gestritten, einander mit Worten und
Klagen bekämpft. Doch dann haben sie sich zusammengesetzt, jeder hat
etwas nachgegeben, und das Ergebnis ist eine Friedenslösung, mit der
beide Seiten leben können - ein typisch österreichisches Happy End
für die AUA?
Schön wär█s. Dass eine Einigung auf den neuen Kollektivvertrag noch
scheitert, ist zwar unwahrscheinlich. Zu viel hätten Management und
Betriebsrat bzw. die Gewerkschaft dabei zu verlieren._Aber die
rot-weiß-rote Lufthansa-Tochter ist mit diesem Kompromiss sicher
nicht aus allen Turbulenzen heraus.
Die genauen Details sind unter Verschluss. Aber eines ist klar: Die
Personalkosten der AUA_werden zwar niedriger sein als unter dem alten
Kollektivvertrag, aber deutlich höher, als das Management einst durch
dessen Kündigung angepeilt hatte - und mehr als etwa beim lokalen
Konkurrenten Niki. Dank zwei, für sie vorteilhafte
Gerichtsentscheidungen saßen die Arbeitnehmer, allen voran die
Piloten, bei den Verhandlungen am längeren Ast. Denn die
österreichischen und europäischen Richter haben klargestellt, dass
die AUA_aus ihren alten Verpflichtungen nicht so leicht herauskommt,
wie es sich ihr Vorstandschef Jaan Albrecht vorgestellt hatte.
Aus Sicht der Rechtsicherheit waren diese Urteile zu begrüßen, aus
wirtschaftlicher Sicht nicht. Denn die Welt der Luftfahrt wandelt
sich so rasch, dass die alten AUA-Pilotenverträge wie Relikte aus
einer anderen Ära wirken. Netzwerk-Fluglinien mit volatilen Märkten
sind heute kaum noch profitabel zu führen. Die Kunden schätzen zwar
das gute Service und bequeme Verbindungen, sind aber nicht bereit,
dafür mehr zu bezahlen. Auf jeder Buchungswebseite werden sie von
Billig-Airlines mit niedrigeren Personalkosten unterboten. Ein paar
Ausfälle in Osteuropa und Nahost - und schon fliegt die AUA mit ihren
hohen Fixkosten in die Verlustzone.
Vor fünf Jahren wurde die AUA_von der damals noch potenten Lufthansa
gerettet. Doch seither ist auch die Mutter ins Trudeln geraten.
Staatliche Fluglinien aus der Golfregion, die aus politischem Kalkül
betrieben werden, bedrängen sie im einst so profitablen
Langstreckengeschäft.
Amerikanische Fluglinien sind ihrer Kostenfalle durch Insolvenz
entkommen. Doch das europäische Recht kennt kein "Chapter
11";_Konkurs und Neugründung hätten der AUA_nicht nur ihre Flugrechte
gekostet, sondern auch zahlreiche Kunden vertrieben. Der
Betriebsübergang zur Tyrolean war eine Notlösung, die sich
rückblickend als Sackgasse erwiesen hat. Als letzte Hoffnung blieb
der AUA_die Einsicht des Betriebsrates, dass er seine goldene Gans
nicht schlachten darf.
Ob die Zugeständnisse der Belegschaft groß genug waren, um die
AUA_wettbewerbsfähig zu halten, wird man erst später wissen. Dass die
Fluglinie wieder in ihre alternde Flotte investieren kann, ist
jedenfalls ein gutes Zeichen. Denn am Markt kann die AUA_nur mit
Qualität bestehen, und der Standort Wien braucht ein Streckennetz,
das über das einer reinen Lufthansa-Regionaltochter hinausgeht.
Aber den Satz "Die AUA ist saniert" hat man schon zu oft gehört.
Sobald die nächste Krise eintrifft, stellt sich erneut die Frage, ob
Europas kleinere Altfluglinien eine Zukunft haben. Hilfe kann die
AUA_weder von der Lufthansa noch vom Steuerzahler erwarten. Früher
oder später werden sich ihr Vorstand und Betriebsrat wieder am
Verhandlungstisch treffen.
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