Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 6. Oktober 2014; Leitartikel von Peter Nindler: "SPÖ neu kämpft mit alten Verkäufern"

Innsbruck (OTS) - Utl: Neue Inhalte müssen auch attraktiv verkauft werden, daran ist der Tiroler SPÖ-Chef Ingo Mayr bisher gescheitert. Bleibt um Mayr alles beim Alten, wird das frische Gesicht an der Spitze der SPÖ bald ein Ladenhüter sein.

Der Optimismus des neuen SPÖ-Chefs Ingo Mayr in allen Ehren:
Aufbruchstimmung ist bei den Tiroler Sozialdemokraten noch nicht zu spüren, vielmehr hat sich nach der Wahl des Roppener Bürgermeisters eine bekannte rote Lethargie breitgemacht. Es gibt einen neuen Obmann und die anderen können so weitermachen wie bisher. Der viel gelobte Landesparteirat mag eine basisdemokratische Wunderformel sein, doch er macht nur Sinn, wenn jene Funktionäre, die dort mitbestimmen, auch tatsächlich aktiv laufen. Aber daran hapert es in der Tiroler SPÖ. Am liebsten schaut man nämlich zu, wie der Vorsitzende läuft.
Auf Funktionen und Posten sind viele Parteigänger scharf. Haben sie einmal einen ergattert, verteidigen sie das Amt mit Zähnen und Klauen. Ob die SPÖ (auch deshalb) den Bach runtergeht, ist ihnen egal. Hauptsache sie schwimmen mit ihrem Mandat obenauf. Basisdemokratie, klareres Oppositionsprofil, zurück zum Ursprung einer Arbeitnehmerpartei - allein Marketingslogans reichen für den SPÖ-Supermarkt nicht aus. Für neue Inhalte benötigt es attraktive Verkäufer. Will Mayr die Abwärtsspirale stoppen und kein einstelliges Vorarlberger Schicksal erleiden, muss er endlich personelle Weichenstellungen vornehmen. Doch davor scheut er wohlweislich zurück, denn er müsste bei jenen anfangen, die ihn gemacht haben. Klubchef Gerhard Reheis ist ein bemühter Sozialpolitiker, aber ein müdes Auslaufmodell. Parteimanager Georg Dornauer mag als gewiefter Fuchs innerparteilich wichtig sein, ein Gesicht der Erneuerung ist auch er nicht. Die Innsbrucker SPÖ regiert seit zwei Jahren in einer Dreier-Koalition ohne ÖVP mit - leider unter der Wahrnehmungsgrenze. SPÖ-Urgestein und Stadtrat Ernst Pechlaner müsste schon längst für die jüngere Generation Platz machen. In der Regierung mit Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer und den Grünen sieht Pechlaner richtig alt aus. Ohne Innsbruck kommt die SPÖ allerdings nicht in die Erfolgsspur zurück. Das gilt gleichermaßen für die Inntalfurche, für Telfs, Wattens, Hall, Kufstein etc.
Die SPÖ ist nicht Roppen. Es liegt vielfach an den handelnden Personen, weshalb Ingo Mayr gefordert ist. Will der seit 100 Tagen amtierende SPÖ-Chef Profil zeigen, muss er mutige Schritte setzen. Natürlich ist er ein frisches Gesicht, doch ohne wirkliche personelle Erneuerung wird auch Mayr von Woche zu Woche verblassen. Mit Kosmetik lassen sich diese Schwächen dann nicht mehr kaschieren.

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