- 01.10.2014, 09:10:31
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WIENWOCHE 2014: Erfolgreiche Nachhilfearbeit in Sachen Migration
15 Projekte schärften die Sinne für ermächtigende Aspekte der Migration.
Utl.: 15 Projekte schärften die Sinne für ermächtigende Aspekte der
Migration. =
WIEN (OTS) - Einen fulminanten Ausklang fand WIENWOCHE 2014
vergangenen Sonntag mit dem glamourösen "Gazino Royal Viyana" im
Vindobona. Imran Ayata und Bülent Kullukcu moderierten einen launigen
Streifzug durch die Musikkultur der Gastarbeiter_innen. Auftritte von
Ata Canani, Bahtiyar Eroglu und des Berliner Bauchtänzers Cihangir
setzten nochmals viele Rufzeichen hinter das diesjährige
WIENWOCHE-Motto "Migrazija-yeah-yeah".
Mit dem Gazino ging nach rund zwei Wochen ein facettenreiches
Programm zu Ende. 15 Projekte präsentierten einen Mix aus
Ausstellungen, Musik, Aktivismus, Diskussionen, Doku-Theater und
Film. Sie fokussierten, analysierten und feierten den durch Migration
vorangetriebenen gesellschaftlichen Wandel: kontrovers, ausgelassen,
utopisch. Ein heterogenes Publikum, wie es in Wiens Kulturszene sonst
selten vorzufinden ist, nahm die Impulse auf und schärfte seine Sinne
für die ermächtigenden Aspekte der Migration. Die insgesamt 25
Veranstaltungen erfreuten sich durchwegs eines großen
Besucher_innenzuspruchs, viele der WIENWOCHE-Locations zwischen
Simmering und Ottakring gerieten deshalb an ihre Kapazitätsgrenzen.
Bereits am Samstag, 27. September boten Asylwerber_innen und
Migrant_innen ohne Papiere, Arbeitslose und Menschen in prekären
Lebenssituationen ihre Fähigkeiten beim Tauschmarkt "Migrationale" in
der Brunnenpassage feil. Unter dem Motto "Wir bitten nicht, wir
bieten" experimentierte diese Initiative mit der Möglichkeit,
Tauschnetzwerke als wirtschaftliches Standbein für Personen nutzbar
zu machen, die vom Arbeitsmarkt durch rechtliche oder faktische
Hürden ausgeschlossen bleiben. Besonderes Augenmerk galt dabei der
Ausweitung persönlicher Netzwerke. Gerade Asylsuchende und
Illegalisierte sind mangels institutioneller Angebote oft auf die
Unterstützung ihres Umfelds angewiesen. "Dabei ist längst klar, dass
soziale Mobilität vor allem von der Vielschichtigkeit der verfügbaren
Netzwerke abhängt", sagt Radostina Patulova vom
WIENWOCHE-Leitungsteam.
Unter dem programmatischen Titel "Stay.Love.Resist." stellte das
"Protest Productions Collective" drei Kurzfilme im Schikaneder-Kino
vor. Mit besonderer Begeisterung nahm das Kinopublikum dabei einen
Film des Genres "Sicherheitsanweisungen durch das Flugpersonal" auf.
In dem Clip, der in Kürze auch online verfügbar sein wird, unterweist
eine Flugbegleiterin die Fluggäste in lebensrettende Maßnahmen gegen
eine drohende Abschiebung. Im Abspann werden zahlreiche Fälle
genannt, bei denen es den Betroffenen gelang, die Abschiebung zu
verhindern und in Folge ihr Bleiberecht durchzusetzen.
Das Tabu-Thema Migration und Kriminalität griff die Häfnrevue "Über
Grenzen und Mauern" des Chors "Hor 29 Novembar" im Fluc auf. Eine
Kooperation mit eipcp und dem Institut für Rechts- und
Kriminalsoziologie (IRKS). Sie zeichnete Migration als Bestandteil
einer globalen Verwertungskette nach, die Migrant_innen als
Illegalisierte in Schattenökonomien oder als Verurteilte in den
Gefängnissen ausbeutet. Die Recherchen zu diesem Projekt hält eine
Beilage im "Augustin" und in Kürze auch ein Online-Journal des eipcp
zum Nachlesen bereit. In der Bunkerei im Augarten dominierte hingegen
die Farbe Pink. Die Gäste des Liebesfestes "Love Migration" gaben ein
gemeinsames Bekenntnis zu Liebe und Migration ab. Mit Versatzstücken
einer Hochzeit feierten binationale Partner_innen und NGOs gemeinsam
mit solidarischen Menschen ein Fest und tankten Kraft für den
beschwerlichen Alltag.
Zuvor diskutierten in der Architekten-Kammer Architekt_innen,
Autor_innen und Aktivist_innen die ethischen Grenzen der Planung. Am
Beispiel des Schubgefängnisses in Vordernberg (Stmk.) erörterten die
Diskutant_innen die Gratwanderung zwischen ethischer Verantwortung
und ökonomischen Sachzwängen. Eine Herausforderung, der sich in einer
markdominierten Gesellschaft nicht nur diese Berufsgruppe stellen
muss, so Petja Dimitrova vom WIENWOCHE-Leitungsteam: "Klar wurde,
dass der Planlosigkeit des Marktes Sektor-übergreifende Allianzen
entgegengestellt werden müssen, wenn wir gegen das Recht des
Stärkeren aufbegehren und neue politische Handlungsfähigkeit gewinnen
wollen."
In der Szene Wien präsentierten junge Migrantinnen Musikstücke über
Hindernisse das Alltags, das sie in Workshops über den Sommer
einstudiert hatten. Dass Hip-Hop unter Simmerings Jugendlichen nach
wie vor erste Wahl ist, zeigten die Teilnehmer_innen bereits in der
Bim-Sonderfahrt von der Wiener Börse in die Szene, die ein schönes
Sinnbild für die Verteilung von Lebenschancen zwischen Zentrum und
Peripherie abgab. Barbara Staudingers Intervention "moving museum"
lockte zahlreiche Besucher_innen ins Jüdische Museum Wien, ins
Weltmuseum Wien und ins Wien Museum. Mit einfachen Eingriffen
durchbrach das Projekt die impliziten Identitätskonstruktionen dieser
Gedächtnisorte und irritierte das in den Ausstellungen präsentierte
"Wir".
Den Erfolg sozialer Kämpfe von Gastarbeiter_innen feierte die
szenische Erzählung "Gaygusuz gegen Österreich" im Schauspielhaus;
die queere Szene etablierte mit dem WKR-Ball einen Antifaschismus mit
Augenzwinkern; das Buchprojekt "WIENerWARTEN", präsentiert in der
Wienbibliothek im Rathaus, thematisierte eine migrantische
Grunderfahrung: das Warten. Die von "Proll Positions" verlegte
"Edition 44mm" veröffentlichte mit "Millions of Migrations" 44
utopische Bücher zum Thema Migration, die es noch zu schreiben gilt.
"Migration Messages" im WUK versammelte Perspektiven und Forderungen
Schwarzer Menschen zu einer Werkschau. Im Rahmen der Kampagne "Stell
dich nicht so an - Stell mich an!" des Vereins Goldenes Wiener Herz
informierten als Promoter_innen angestellte Bettler_innen Hunderte
von Wiener_innen auf Augenhöhe über ihre Lebensumstände. Cineastische
Leckerbissen und Diskussionen über Zugänge zur heimischen Filmbranche
bot die zweiteilige Reihe "Heimatfilm vs. World Cinema".
"Unsere Hoffnung ist es, dass eines Tages auch das Burgtheater oder
die Seefestspiele Mörbisch ein derart diverses Publikum wie WIENWOCHE
willkommen heißen", meint Can Gülcü vom Leitungsteam. Er verweist
damit - je nach Blickwinkel - auf die Zwänge oder Chancen, die der
gesellschaftliche Wandel für Kulturinstitutionen aufwirft.
Nach einer kurzen Verschnaufpause wird WIENWOCHE Anfang Dezember den
nächstjährigen Schwerpunkt präsentieren und sich mit einer
Ausschreibung an interessierte Kulturschaffende wenden. Bis dahin
heißt es vom Leitungsteam: "Danke an das ganze Team, an alle
Projektbeteiligten sowie Besucher_innen von WIENWOCHE 2014 für die
spannende Zeit - und noch einmal: Migrazija-yeah-yeah!" [Schluss]
Ein Best-of von Fotos zu WIENWOCHE 2014 finden Sie zum Download in
Druckqualität unter
https://www.flickr.com/photos/wienwoche/sets/72157647754005408/
(Abdruck/Verwendung honorarfrei gegen Urhebervermerk)
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