• 30.09.2014, 09:42:37
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Living Planet Report 2014: WWF schlägt Alarm für den Planeten

52 Prozent Artenverlust in nur 40 Jahren sagt neuer Weltzustandsbericht

Utl.: 52 Prozent Artenverlust in nur 40 Jahren sagt neuer
Weltzustandsbericht =

Wien/Genf (OTS) - Seit 1970 hat sich die Zahl der Tierpopulationen
auf unserem Planeten mehr als halbiert. Das ist das erschreckende
Ergebnis des "Living Planet Report", dem Zustandsbericht über die
Welt, den der WWF alle zwei Jahre veröffentlicht. Dabei wurden
diesmal mehr als 10.000 Wildtierpopulationen von 3.000
Wirbeltierarten in der ganzen Welt erfasst. Auch der ökologische
Fußabdruck der Menschheit ist weiter gestiegen. Wir verbrauchen
derzeit die Ressourcen von eineinhalb Planeten - das ist mehr als ein
halber Planet zu viel. Auch steigt der Wasserverbrauch rapide an.
Mehr als 200 Fluss-Einzugsgebiete, in denen knapp 2,7 Milliarden
Menschen leben, leiden heute schon mindestens einen Monat im Jahr an
Wasserknappheit. "Wir fällen Bäume schneller als sie nachwachsen,
fischen die Ozeane leer und produzieren doppelt so viel Kohlendioxid,
als die Atmosphäre, die Wälder und die Ozeane zusammen aufnehmen
können", warnt die Umweltschutzexpertin Barbara Tauscher vom WWF. Die
geschätzten Kosten aller Umweltschäden in der Welt betragen mehr als
6.000 Milliarden Euro, das sind mehr als elf Prozent des globalen
Bruttoeinkommens. Dabei tragen die ärmeren Länder die Hauptlast der
katastrophalen Folgen der globalen Umwelt- und Klimakrise, so der
WWF. Im vorliegenden Report weist die Umweltorganisation auch neue
Wege und beschreibt Beispiele wie eine nachhaltig lebende Menschheit
weiter existieren kann.

Dramatische Verluste bei der Artenvielfalt
Die globale Artenvielfalt ist von 1970 bis 2010 um 52 Prozent
zurückgegangen, so der Report. Im Durchschnitt hat sich die Anzahl
der untersuchten Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische
damit halbiert. Am schlimmsten traf es die im Süßwasser lebenden
Tiere. Sie haben um mehr als drei Viertel abgenommen. Die tropischen
Regionen leiden wesentlich mehr am Verschwinden der Arten als die
gemäßigten Zonen. Besonders dramatisch ist die Lage in Lateinamerika,
wo ein Artenverlust von 83 Prozent gemessen wurde. Auch in der
asiatisch-pazifischen Region ist der Verlust enorm. Die Lebenswelt
des Meeres ging um knapp 40 Prozent zurück. Besonders betroffen davon
sind Seevögel, Meeresschildkröten und Haie. In ausgewiesenen
Schutzgebieten, so die gute Nachricht, verschwinden nur halb so viele
Tiere wie in nicht geschützten Gebieten. In Nepal ist die Zahl der
Tiger durch intensive Schutzmaßnahmen sogar um zwei Drittel
gestiegen. Dramatisch hingegen ist die Situation in Südafrika, wo die
Zahl der gewilderten Nashörner von 13 Tieren im Jahr 2007 auf mehr
als 1.000 im Jahr 2013 angewachsen ist.

Der ökologische Fußabdruck der Menschheit
Derzeit verbraucht die Menschheit als Gesamtes die Ressourcenmenge
von eineinhalb Planeten. Das ist über die Hälfte mehr als unsere Erde
an natürlichen Ressourcen produzieren kann. Macht die Menschheit
weiter wie bisher, sind bis 2030 zwei komplette Planeten nötig damit
wir weiter existieren können. Die Folgen dieses Raubbaus sind bereits
heute spürbar: Hungersnöte, Artensterben oder extreme
Wetterkatastrophen nehmen immer dramatischere Ausmaße an. Reiche
Länder wie die arabischen Ölstaaten oder die USA nutzen ein
Vielfaches an Ressourcen im Vergleich zu den armen Ländern des
Südens. Wenn alle Menschen so leben würden wie im Ölscheichtum Kuwait
würden wir fast sechs Planeten oder die US-Amerikaner noch knapp vier
Planeten brauchen. Die Bewohner von Ländern wie Nepal oder Pakistan
verbrauchen hingegen nicht einmal einen halben Planeten. Von allen
Ländern verbraucht China mit 19 Prozent der globalen Ressourcen durch
seine Einwohnerzahl und den steigenden Lebenswandel der Bevölkerung
am meisten Boden, Wasser und Luft unter allen Ländern der Welt. Doch
beim Pro-Kopf-Verbrauch von Natur liegt das Riesenreich nur an 76.
Stelle von 152 untersuchten Ländern. Mehr als 50 Prozent des globalen
ökologischen Fußabdrucks gehen auf die Freisetzung von Kohlendioxid
zurück, das den Klimawandel anheizt und die Meere versauert. Europa
und Nordamerika haben dabei den größten, Afrika und die
Südpazifikregion den geringsten Anteil.

Entwicklungsgrad und Fußabdruck
Länder, die technisch weiter entwickelt sind, haben auch einen
größeren ökologischen Fußabdruck, wie der Report beschreibt. Die
ärmeren Länder, die einen vergleichsweise kleinen Fußabdruck haben,
sind jedoch die am meisten durch die Auswirkungen der
Umweltzerstörung betroffenen. Der Pro-Kopf-Fußabdruck von Ländern mit
einem hohen Einkommensniveau beträgt etwa fünf Mal so viel wie der
von Ländern mit Niedrigeinkommen. In den ärmeren Ländern ist dabei
der Verlust an Artenvielfalt besonders hoch. Drei Viertel der
Weltbevölkerung leben in Ländern mit gravierenden ökologischen
Problemen und gleichzeitig sozialer Not durch niedrige Einkommen.
Zwar zeigt sich, dass die wohlhabenderen Länder eine Zunahme bei der
Artenvielfalt aufweisen. Dies ist jedoch nur möglich, weil sie ihren
Verbrauch von Energie, Rohstoffen und damit ihren eigenen
ökologischen Fußabdruck in die ärmeren Länder auslagern.

Das Wasser wird knapp
92 Prozent des Wassers auf der Erde ist Salzwasser. Der Rest ist
Süßwasser, das aber fast zur Gänze in den Polkappen, Gletschern und
unterirdischen Wasserspeichern gebunden ist. 92 Prozent des
weltweiten Wasserverbrauchs gehen heute zu Lasten der Landwirtschaft.
4,4 Prozent verbraucht die Industrie und weniger als vier Prozent die
Haushalte. Die Länder mit dem höchsten Wasserverbrauch sind China,
Indien und die USA. Heute leben 768 Millionen Menschen weltweit ohne
Zugang zu sauberem Trinkwasser. Und der Verbrauch an Süßwasser wird
bis 2030 um 40 Prozent zunehmen, so der Report. Schon jetzt leiden
mehr als 200 Flusseinzugsgebiete, in denen insgesamt fast 2,7
Milliarden Menschen leben, an einer mindestens einmonatigen
Wasserknappheit im Jahr.

Österreich
Österreich liegt mit seinem Pro-Kopf-Fußabdruck von allen
untersuchten Ländern auf Platz 17. Würden alle Menschen so leben wie
die Österreicher bräuchte die Menschheit 3,1 Planeten um die
Bedürfnisse aller Menschen zu decken. Wir nehmen uns also dreimal so
viel wie uns zusteht. Mehr als die Hälfte des ökologischen
Fußabdrucks Österreichs fällt mit 57 Prozent auf die Freisetzung von
Kohlendioxid, gefolgt vom landwirtschaftlichen Anbau mit 20 Prozent.

Ist die Welt noch zu retten?
Die Entwicklung der Menschheit muss sowohl in den reichen wie auch
den ärmeren Ländern vom steigenden ökologischen Fußabdruck
abgekoppelt werden. "Die Artenvielfalt unseres Planeten ist enorm
wichtig für das Funktionieren der Ökosysteme, von denen unser aller
Leben abhängt", warnt Tauscher. Der Living Planet Report zeigt auch
Beispiele aus mehreren Ländern, wie nachhaltiges Wirtschaften und die
gleichzeitige Bewahrung der Biodiversität wie auch die Steigerung des
Lebensstandards der Menschen möglich ist. Die wichtigsten
Schlussfolgerungen des WWF für eine nachhaltigere Welt sind: "Wir
müssen die Artenvielfalt so gut wie möglich bewahren und neue
Strategien entwickeln wie wir nachhaltiger produzieren und
konsumieren. Außerdem müssen wir die internationalen Finanzströme
umleiten und die vorhandenen Ressourcen gerechter verteilen. Sonst
wird es nicht möglich sein, dass im Jahr 2050 9,6 Milliarden Menschen
ein nachhaltiges Leben führen können", so Tauscher.

Die Forderungen des WWF
Der WWF fordert, dass mindestens zehn Prozent der Weltmeere als
Meeresschutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Heute sind nicht
einmal ein Prozent der Meere unter Schutz gestellt. Im Vergleich dazu
existieren insgesamt derzeit mehr als 100.000 Schutzgebiete, die 14
Prozent aller Landgebiete der Erde schützen. Die Versauerung der
Meere hat durch die Freisetzung von Kohlendioxid seit der
industriellen Revolution heute den höchsten Wert seit 65 Millionen
Jahren erreicht. Nur ein rechtsverbindlicher Weltklimavertrag, der
2015 in Paris beschlossen werden muss, kann noch wirksam
gegensteuern. "Der Wert aller Ökosysteme weltweit beträgt heute bis
zu 145.000 Milliarden US-Dollar. Wenn wir sie zerstören, schaden wir
uns damit selbst", warnt Tauscher.

Hintergrund: Der Living Planet Report
Der Living Planet Report ist die wichtigste Publikation des WWF und
verarbeitet Daten aus 40 Jahren zwischen 1970 und 2010. Der Report
ist eine wichtige Entscheidungsgrundlage für Regierungen, Unternehmen
und die Zivilgesellschaft weltweit. Er erscheint alle zwei Jahre und
wird weltweit in 18 Sprachen präsentiert. Mehr als 120
wissenschaftliche Institutionen arbeiten daran mit, darunter die
Zoologische Gesellschaft von London (ZSL) und das Global Footprint
Network (GFN). 2.337 Datenquellen wurden dabei verwendet. Die Studie
beschreibt den Rückgang der Artenvielfalt, den ökologischen
Fußabdruck in 152 Ländern im Verhältnis zu ihrer Biokapazität sowie
den Wasserfußabdruck der Menschheit. In der vorliegenden zehnten
Ausgabe wurde die Methodik verbessert, der Stickstoffkreislauf
untersucht und die Wirksamkeit von Schutzgebieten auf die Bewahrung
der Artenvielfalt erfasst. Im aktuellen Report wurden im Vergleich
zum letzten Report im Jahr 2012 weitere wissenschaftliche
Institutionen und ihre Forschungsergebnisse integriert und das
Kapitel über die Wege aus der Krise erweitert.

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