• 22.09.2014, 09:37:03
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Leberkrebs: Neue Forschungsergebnisse zeigen Potential zur Prävention von Lebererkrankungen und Leberkrebs

Wien (OTS) - Schwere entzündliche Erkrankungen wie z.B. Hepatitis
oder die Gallenerkrankung Cholestase lassen Leberfibrose (Vernarbung
der Leber) entstehen, die bei schwerem Verlauf der Erkrankung bis zur
Leberzirrhose führt. Auch können diese entzündlichen Erkrankungen
Auslöser für Leberkrebs sein. Ein Forscherteam um Emilio Casanova
Hevia des Ludwig Boltzmann Instituts für Krebsforschung hat sich nun
mit Prozessen befasst, die zur Entstehung von Leberfibrose führen.
Dabei wurde untersucht, ob eine Resistenz gegenüber dem in der Leber
aktiven Wachstumshormon zu Leberfibrose führt oder ob die bereits
bestehende Leberfibrose diese Resistenz erst auslöst. Die Ergebnisse
dieser Studie, die Potentiale für zukünftige präventive Therapien
beinhaltet, wurden als "Research Highlight" in der Septemberausgabe
der Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology angeführt und werden
außerdem in der nächsten Ausgabe des Journal for Hepatology
publiziert.

Kausaler Zusammenhang zwischen Wachstumshormon-Resistenz und
der Entstehung von Leberfibrose festgestellt:

Bisher wusste man, dass die Resistenz gegen das Wachstumshormon und
das Entstehen von Leberfibrose oft gemeinsam vorkommen, aber es war
bislang unklar, ob die Resistenz eine Folge der Fehlfunktion von
Leberzellen durch Leberfibrose ist, oder ob die Resistenz als
Auslöser wirken kann. Anhand von Studien an Mausmodellen konnte
festgestellt werden, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen
einer solchen Resistenz und der Entstehung von Leberfibrose gibt.
Werden die Signalwege des Wachstumshormons unterbrochen, werden die
Leberzellen anfälliger für Schädigungen und tragen so zum
Fortschreiten der Leberfibrose bei. Ein nächster Schritt in der
Forschung wäre Wege zu finden, um die Resistenz gegenüber dem
Wachstumshormon zu verhindern. So könnte man die Entstehung von
Leberfibrose unterbinden - Patienten, die unter entzündlichen
Lebererkrankungen leiden könnte so eine typische
Krankheitsprogression, die auch bis zur Erkrankung an Leberkrebs
führen kann, erspart bleiben.

Wissenschaftlicher Hintergrund:

Emilio Casanova Hevia und Kollegen vom Ludwig Boltzmann Institut für
Krebsforschung haben im Rahmen der Studie Mäuse gezüchtet, denen das
Gen für den Wachstumshormon-Rezeptor (Ghr -/-) und Phosphatidylcholin
Flippase (Mdr2 -/-) fehlt. Ohne GHR sind Mäuse resistent gegen das
Wachstumshormon, während der Verlust von MDR2 ein in der Forschung
akzeptiertes Mausmodell für entzündliche Cholestase und Leberfibrose
darstellt. In Mäusen, denen beide Gene fehlen waren im Blut typische
Marker für Leberschäden und Cholestase erhöht, in der Leber konnte
eine umfangreiche Proliferation von Cholangiozyten und erhöhte
Kollagenablagerung in der Leber festgestellt werden. Dieser Befund
legt nahe, dass Resistenz gegen das Wachstumshormon die Leberfibrose
verstärkt. Außerdem wurden in Ghr -/- Mäusen vermehrt Leberschäden
festgestellt, wenn sie mit 1% Cholsäure gefüttert wurden. In vitro
waren Leberzellen von Ghr -/- Mäusen empfindlicher und starben
leichter ab, wenn sie mit Desoxycholsäure, transformierenden
Wachstumsfaktor Beta (TGF-Beta) oder Tumor Nekrose Faktor Alpha
(TNF-Alpha) behandelt wurden. Erstaunlicher weise entwickelten diese
Knockout Mäuse, obwohl sie eine starke Leberfibrose aufwiesen
signifikant weniger Tumore als Kontrollmäuse (Mdr2-/-). Diese
Ergebnisse beweisen, dass Mäuse ohne GHR anfälliger für Schädigung
der Leber durch Gallensäuren und andere Stoffe sind, jedoch weniger
Tumore entwickeln.

Als nächstes plant das Team die Zusammenhänge zwischen Leberfibrose
und der Resistenz gegen das Wachstumshormon noch näher zu
untersuchen. Dabei wollen sie diesen Signalweg in verschiedenen
Zellen der Leber weiter analysieren.

Original article: Stiedl, P. et al. Growth hormone resistance
exacerbates cholestasis-induced murine liver fibrosis. Hepatology
doi:10.1002/hep.27408

Über das Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung:

Das Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung (LBI CR), ein
Institut der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, konzentriert sich auf die
Entwicklung neuer genetisch veränderter Mausmodelle zum Studium von
Krebserkrankungen und der Auffindung neuer Therapiemöglichkeiten.
Diese Analyse gibt neue Einsichten über die Entstehung und
Progression von Krebserkrankungen und wie man sie bekämpfen kann. Das
LBI CR führt seine Forschung in enger Zusammenarbeit mit seinen
Partnern, dem Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie, der
Medizinischen Universität Wien, der Veterinärmedizinischen
Universität, der St. Anna Kinderkrebsforschung und TissueGnostics,
durch.

Über die Ludwig Boltzmann Gesellschaft:

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ist eine außeruniversitäre
Forschungsorganisation mit Sitz in Wien und betreibt 20
Forschungseinrichtungen (Ludwig Boltzmann Institute/LBI) mit rund 550
MitarbeiterInnen in den Bereichen der Humanmedizin / Life Sciences
sowie der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Die LBG steht
mit ihrem Motto "Nahe am Menschen" für die Behandlung
gesellschaftsrelevanter Forschungsfragen.

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