Leberkrebs: Neue Forschungsergebnisse zeigen Potential zur Prävention von Lebererkrankungen und Leberkrebs

Wien (OTS) - Schwere entzündliche Erkrankungen wie z.B. Hepatitis oder die Gallenerkrankung Cholestase lassen Leberfibrose (Vernarbung der Leber) entstehen, die bei schwerem Verlauf der Erkrankung bis zur Leberzirrhose führt. Auch können diese entzündlichen Erkrankungen Auslöser für Leberkrebs sein. Ein Forscherteam um Emilio Casanova Hevia des Ludwig Boltzmann Instituts für Krebsforschung hat sich nun mit Prozessen befasst, die zur Entstehung von Leberfibrose führen. Dabei wurde untersucht, ob eine Resistenz gegenüber dem in der Leber aktiven Wachstumshormon zu Leberfibrose führt oder ob die bereits bestehende Leberfibrose diese Resistenz erst auslöst. Die Ergebnisse dieser Studie, die Potentiale für zukünftige präventive Therapien beinhaltet, wurden als "Research Highlight" in der Septemberausgabe der Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology angeführt und werden außerdem in der nächsten Ausgabe des Journal for Hepatology publiziert.

Kausaler Zusammenhang zwischen Wachstumshormon-Resistenz und der Entstehung von Leberfibrose festgestellt:

Bisher wusste man, dass die Resistenz gegen das Wachstumshormon und das Entstehen von Leberfibrose oft gemeinsam vorkommen, aber es war bislang unklar, ob die Resistenz eine Folge der Fehlfunktion von Leberzellen durch Leberfibrose ist, oder ob die Resistenz als Auslöser wirken kann. Anhand von Studien an Mausmodellen konnte festgestellt werden, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen einer solchen Resistenz und der Entstehung von Leberfibrose gibt. Werden die Signalwege des Wachstumshormons unterbrochen, werden die Leberzellen anfälliger für Schädigungen und tragen so zum Fortschreiten der Leberfibrose bei. Ein nächster Schritt in der Forschung wäre Wege zu finden, um die Resistenz gegenüber dem Wachstumshormon zu verhindern. So könnte man die Entstehung von Leberfibrose unterbinden - Patienten, die unter entzündlichen Lebererkrankungen leiden könnte so eine typische Krankheitsprogression, die auch bis zur Erkrankung an Leberkrebs führen kann, erspart bleiben.

Wissenschaftlicher Hintergrund:

Emilio Casanova Hevia und Kollegen vom Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung haben im Rahmen der Studie Mäuse gezüchtet, denen das Gen für den Wachstumshormon-Rezeptor (Ghr -/-) und Phosphatidylcholin Flippase (Mdr2 -/-) fehlt. Ohne GHR sind Mäuse resistent gegen das Wachstumshormon, während der Verlust von MDR2 ein in der Forschung akzeptiertes Mausmodell für entzündliche Cholestase und Leberfibrose darstellt. In Mäusen, denen beide Gene fehlen waren im Blut typische Marker für Leberschäden und Cholestase erhöht, in der Leber konnte eine umfangreiche Proliferation von Cholangiozyten und erhöhte Kollagenablagerung in der Leber festgestellt werden. Dieser Befund legt nahe, dass Resistenz gegen das Wachstumshormon die Leberfibrose verstärkt. Außerdem wurden in Ghr -/- Mäusen vermehrt Leberschäden festgestellt, wenn sie mit 1% Cholsäure gefüttert wurden. In vitro waren Leberzellen von Ghr -/- Mäusen empfindlicher und starben leichter ab, wenn sie mit Desoxycholsäure, transformierenden Wachstumsfaktor Beta (TGF-Beta) oder Tumor Nekrose Faktor Alpha (TNF-Alpha) behandelt wurden. Erstaunlicher weise entwickelten diese Knockout Mäuse, obwohl sie eine starke Leberfibrose aufwiesen signifikant weniger Tumore als Kontrollmäuse (Mdr2-/-). Diese Ergebnisse beweisen, dass Mäuse ohne GHR anfälliger für Schädigung der Leber durch Gallensäuren und andere Stoffe sind, jedoch weniger Tumore entwickeln.

Als nächstes plant das Team die Zusammenhänge zwischen Leberfibrose und der Resistenz gegen das Wachstumshormon noch näher zu untersuchen. Dabei wollen sie diesen Signalweg in verschiedenen Zellen der Leber weiter analysieren.

Original article: Stiedl, P. et al. Growth hormone resistance exacerbates cholestasis-induced murine liver fibrosis. Hepatology doi:10.1002/hep.27408

Über das Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung:

Das Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung (LBI CR), ein Institut der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, konzentriert sich auf die Entwicklung neuer genetisch veränderter Mausmodelle zum Studium von Krebserkrankungen und der Auffindung neuer Therapiemöglichkeiten. Diese Analyse gibt neue Einsichten über die Entstehung und Progression von Krebserkrankungen und wie man sie bekämpfen kann. Das LBI CR führt seine Forschung in enger Zusammenarbeit mit seinen Partnern, dem Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie, der Medizinischen Universität Wien, der Veterinärmedizinischen Universität, der St. Anna Kinderkrebsforschung und TissueGnostics, durch.

Über die Ludwig Boltzmann Gesellschaft:

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ist eine außeruniversitäre Forschungsorganisation mit Sitz in Wien und betreibt 20 Forschungseinrichtungen (Ludwig Boltzmann Institute/LBI) mit rund 550 MitarbeiterInnen in den Bereichen der Humanmedizin / Life Sciences sowie der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Die LBG steht mit ihrem Motto "Nahe am Menschen" für die Behandlung gesellschaftsrelevanter Forschungsfragen.

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