• 28.08.2014, 10:12:52
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Grün-Ikonen der Umweltbewegung rufen Tirols Regierung zur Ordnung

Hainburg-Kämpfer befürchten irreversible Zerstörung der Natur

Utl.: Hainburg-Kämpfer befürchten irreversible Zerstörung der Natur =

Wien (OTS) - Die maßlosen Wasserkraft-Ausbaupläne in Tirol waren
Anlass für drei Hainburg-Kämpfer zu einer Mahnung an die
schwarz-grüne Koalition, die ökologischen Werte nicht zu vergessen.
In einer gemeinsamen Pressekonferenz heute im Wiener Presseclub
Concordia, wo 1984 die Pressekonferenz der Tiere gegen den Bau des
Kraftwerks Hainburg stattfand, nahmen die Gründerin der Grünen
Partei, Freda Meissner-Blau, sowie die Universitätsprofessoren und
Hainburg-Kämpfer Bernd Lötsch und Peter Weish Stellung zu den Plänen
der schwarz-grünen Tiroler Landesregierung. 30 Jahre nach der
erfolgreichen Besetzung der Hainburger Au im Dezember 1984 befürchten
die drei Größen der österreichischen Umweltbewegung den Ausverkauf
der Tiroler Flüsse durch die zahlreichen Kraftwerksvorhaben der
TIWAG, und erinnern die schwarz-grüne Koalition in Tirol an die Werte
und den Erfolg von Hainburg.

Freda Meissner-Blau, Parteigründerin der Grünen Alternative und erste
Klubobfrau der Grünen, weist auf das Ausmaß der drohenden
Naturzerstörung durch die TIWAG-Pläne für sechs Großkraftwerke, wie
etwa das Kaunertal-Projekt hin. Sie warnt davor, dass sich diese wie
auch zahlreiche weitere Eingriffe in das Ökosystem des Tiroler
Oberlandes zur breitflächigen Naturzerstörung ausdehnen. "Um das
drohende Desaster zu verhindern, muss die Tiroler Landesregierung
rasch das Maßnahmenpaket überarbeiten. Auch unser Tiroler
Umweltminister Andrä Rupprechter, dessen Natur und Liebe zu Tirol
bekannt ist, sollte gemeinsam mit der Tiroler Landesregierung nach
Lösungsmöglichkeiten suchen und die Einwände ernst nehmen", so Freda
Meissner-Blau. Doch auch in Richtung ihrer parteipolitischen Erben
findet die Grande Dame der österreichischen Umweltbewegung klare
Worte. "Es ist mir als Grüne der ersten Stunde völlig unbegreiflich,
dass sich die Grünen in Tirol auf eine derartige Vereinbarung
einlassen", so die Mahnung von Freda Meissner-Blau.

Ähnlich kritisch zu den Tiroler Plänen der TIWAG äußert sich
Univ.-Prof. Dr. Bernd Lötsch und warnt vor der Rechtfertigung der
Naturzerstörung durch Argumente von Klimawandel bis Atomausstieg:
"Das Tiroler Koalitionsabkommen gefährdet das Regierungsprojekt von
Schwarz-Grün, dem unsere Hoffnung und Sympathie galt, und riskiert,
unwiederbringliche Werte für die Zukunft zu verspielen. Eine
millionenschwere Propaganda der E-Wirtschaft missbraucht den
Klimawandel und den Atom-Ausstieg für die Wasserkraftwerbung. Die
Energiewende beginnt erst mit verbrauchseitigen Strategien aus den
enorm angeschwollenen Energieströmen unserer Zivilisation durch
technische und Management-Intelligenz ein Mehrfaches an
Energiedienstleistungen herauszuholen."

Univ.-Doz. Dr. Peter Weish, Umweltwissenschaftler und Präsident des
Forum Umwelt und Wissenschaft schlägt in dieselbe Kerbe: "Die noch
vorhandenen naturnahen Fließstrecken sind unersetzlich. Man kann die
letzten Alpentäler und Flusskilometer nicht mit der gleichen
Fortschrittseuphorie zubetonieren wie das früher geschah. Vor 30
Jahren hat man behauptet, das Kraftwerk Hainburg sei für den
Umweltschutz erforderlich, weil es Schwefeldioxidemissionen zu
vermeiden hilft und daher ein Beitrag gegen das Waldsterben sei.
Heute erklärt man uns, eine Energiewende erfordere den weiteren
Ausbau der Wasserkraft. Damals wie heute stellen wir klar:
Umweltschutz kann nicht mit Naturzerstörung erkauft werden! Eine
Energiewende erfordert primär die Ausschöpfung der
Einsparpotentiale."

Der Hintergrund für den gemeinsamen Auftritt der drei Kämpfer für die
Umwelt ist das von der Tiroler Landesregierung beschlossene
"Maßnahmenpaket Tirol", in dem sich beide Koalitionsparteien ÖVP und
Grüne zu den umfassenden Ausbauplänen für die Großkraftwerke im
Tiroler Oberland bekennen und den Umweltminister dazu auffordern den
entsprechenden wasserwirtschaftlichen Rahmenplan rasch rechtlich zu
genehmigen. Außerdem wurden im Maßnahmenpaket Tirol zahlreiche
Änderungen des Tiroler Naturschutzgesetzes vereinbart, welche zum
Teil dem Europarecht widersprechen. Dadurch soll der Bau von
Wasserkraftwerken erleichtert werden.

Freda Meissner-Blau ist die Gründerin der Grünen Partei in Österreich
und war auch deren erste Klubobfrau im Parlament. Univ.-Prof. Dr.
Bernd Lötsch ist Lehrbeauftragter für Humanökologie an der
Universität Wien und emeritierter Direktor des Naturhistorischen
Museums und ist aktiv im Österreichischen Naturschutzbund. Univ.-Doz
Dr. Peter Weish lehrte an mehreren Universitäten in Österreich und
ist Vorsitzender des Forums Umwelt und Wissenschaft. Alle drei sind
Ikonen der österreichischen Umweltbewegung der ersten Stunde und
waren auch an vorderster Front engagiert gegen das Kraftwerk
Hainburg.

Hintergrundpapier:
http://www.oekobuero.at/rechtliche_analyse_und_stellungnahme_zum_mass
nahmenpaket_tirol_2014

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