• 18.08.2014, 09:30:17
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Unsere Gene bestimmen, welche Spuren Stress im Gehirn hinterlässt

Wien (OTS) - Es liegt an der individuellen genetischen Voraussetzung,
welche Wirkung Stress auf unsere Emotionszentren hat. Das hat eine
Forschergruppe der MedUni Wien herausgefunden. Denn nicht jeder
Mensch reagiert gleich auf idente belastende Lebensereignisse. Manche
entwickeln sich durch Krisen weiter, andere jedoch zerbrechen daran
und erkranken zum Beispiel an einer Depression. Zu welchem Ausgang es
kommt, wird durch ein komplexes Wechselspiel von
Depressions-Gen-Varianten und Umweltfaktoren bestimmt.

Die Wiener Forschergruppe wies gemeinsam mit internationalen
Kooperationspartnern nach, dass es Wechselwirkungen zwischen
belastenden Lebensereignissen ("Life Events") und bestimmten
Risiko-Genvarianten gibt, die in der Folge das Volumen des
Hippocampus nachhaltig verändern.

Der Hippocampus ist eine Schaltstation in der Emotionsverarbeitung
und gilt als zentrale Schnittstelle in der Stressverarbeitung. Es ist
bekannt, dass er sehr sensibel auf Stress reagiert. Bei Stress, der
als Gefahr für den Organismus interpretiert wird ('Distress'),
verliert er an Volumen, was bei depressiven PatientInnen häufig
beobachtet wird und für einen Teil der klinischen Symptome
verantwortlich ist. Im Gegenzug kann positiver Stress ('Eustress'),
wie er in emotional anregenden sozialen Situationen auftritt, sogar
zu einer Volumenszunahme des Hippocampus führen.

Wie sich belastende Lebensereignisse auf die Größe des Hippocampus
auswirken, hängt laut Studienergebnis nicht ausschließlich von den
Umweltfaktoren ab. Es sind die Gene, die bestimmen, ob ein und
dasselbe Lebensereignis zu einer Zunahme oder Abnahme des
Hippocampusvolumens führt und damit festlegen, ob der Stress gut oder
schlecht für unser Gehirn ist. Je mehr Risko-Gene ein Mensch besitzt,
desto negativer wirken sich "Life-Events" auf die Größe des
Hippocampus aus. Bei keinen oder nur wenigen Risiko-Genen kann sich
dieses Lebensereignis sogar positiv auswirken.

Lebenskrisen abgefragt

Für die Studie wurden an der Univ.Klinik f. Psychiatrie und
Psychotherapie (Leiter: Siegfried Kasper) durch das Studienteam bei
gesunden ProbandInnen belastende Lebensereignisse wie z.B. Todesfälle
in der Familie, Scheidungen, Jobverlust, finanzielle Verluste,
Ortswechsel, schwere Erkrankungen oder Unfälle, quantitativ erfasst.

Weiters wurde eine hochauflösende anatomische
Magnetresonanztomographie durchgeführt (am Exzellenzzentrum
Hochfeld-MR, Abteilung für MR-Physik, Leiter: Ewald Moser). Für die
Genanalysen (COMT Val158Met, BDNF Val66Met, 5-HTTLPR) zeichnet die
Univ. Klinik f. Labormedizin verantwortlich (Harald Esterbauer
gemeinsam mit Kollegen). An der Univ.-Klinik für Psychiatrie und
Psychotherapie wurde durch Erstautor Ulrich Rabl das
Hippocampusvolumen mittels computergestützter Verfahren bestimmt und
mit den Gen- und Umweltdaten analytisch in Beziehung gebracht.
"Personen mit den drei als depressionsfördernd geltenden Genvarianten
besaßen bei einer ähnlichen Anzahl an belastenden Lebensereignissen
einen kleineren Hippocampus als jene mit weniger oder keiner dieser
Genvarianten", beschreibt Studienleiter Lukas Pezawas das Resultat.
Menschen mit nur einem oder gar keinem dieser Risiko-Gene verfügten
hingegen bei ähnlichen Lebensereignissen über einen vergrößerten
Hippocampus.

Die Studie unterstreicht die Bedeutung von
Gen-Umwelt-Wechselwirkungen als bestimmenden Faktor des
Hippocampus-Volumens. "Diese Ergebnisse sind wichtig für das
Verständnis neurobiologischer Vorgänge bei stress-assoziierten
Erkrankungen wie der Depression oder der posttraumatischen
Belastungsstörung. Es sind unsere Gene, die letztlich die Weiche
stellen, ob Stress uns psychisch krank macht oder unsere psychische
Gesundheit fördert.", erklärt Pezawas.

Die im Top-Journal "Journal of Neuroscience" publizierte Studie wurde
mit Mitteln eines Sonderforschungsprojekts des FWF (SFB-35, Leitung:
Harald Sitte) finanziert und als Highlight an der internationalen
Konferenz der "Organization for Human Brain Mapping" vorgestellt.

Service: The Journal of Neuroscience

Additive Gene-Environment Effects on Hippocampal Structure in Healthy
Humans - Ulrich Rabl, Bernhard M. Meyer, Kersten Diers, Lucie
Bartova, Andreas Berger, Dominik Mandorfer, Ana Popovic,Christian
Scharinger, Julia Huemer, Klaudius Kalcher, Gerald Pail, Helmuth
Haslacher, Thomas Perkmann, Christian Windischberger, Burkhard
Brocke, Harald H. Sitte, Daniela D. Pollak, Jean-Claude Dreher,
Siegfried Kasper, Nicole Praschak-Rieder, Ewald Moser, Harald
Esterbauer, and Lukas Pezawas

Medizinische Universität Wien - Kurzprofil

Die Medizinische Universität Wien (kurz: MedUni Wien) ist eine der
traditionsreichsten medizinischen Ausbildungs- und Forschungsstätten
Europas. Mit fast 7.500 Studierenden ist sie heute die größte
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29 Universitätskliniken, 12 medizintheoretischen Zentren und
zahlreichen hochspezialisierten Laboratorien zählt sie auch zu den
bedeutendsten Spitzenforschungsinstitutionen Europas im
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