• 06.08.2014, 22:00:34
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Ein liederliches Tauziehen", von Christiane Fasching

Ausgabe vom 7. August 2014

Utl.: Ausgabe vom 7. August 2014 =

Innsbruck (OTS) - Die Entscheidung, wo der 60. Song Contest
stattfindet, ist zum Politikum mit Basar-Charakter verkommen. Mit
seiner Wahl für Wien hat ORF-General Wrabetz Macht demonstriert. Und
Tirols Steuerzahlern Millionen erspart.

Das Rätselraten hat ein Ende: Von 19. bis 23. Mai 2015 blickt das
Song-Contest-Universum nach Wien. Genauer gesagt in die Stadthalle,
wo die größte Musikshow der Welt, die bis zu 180 Millionen Zuschauer
vor die Fernsehschirme lockt, nun über die Bühne gehen wird. Weil der
SPÖ-affine ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz es so wollte. Von
Anfang an machte er keinen Hehl daraus, dass sein Herz in Sachen
Liederstreit für die rote Weltstadt schlägt. Doch Österreich ist
nicht nur Wien - nach Conchita Wursts Sieg in Kopenhagen war das Land
der Berge in Song-Contest-Laune, es gab kaum eine Stadt, die sich
nicht um die Austragung bewarb. Übrig blieben am Ende Wien, Graz und
auch Innsbruck, wo die Stadt mit dem Land Tirol, dem TVB und der
Tirol Werbung an einem Strang zog. Die Olympiaworld hätte zum
ESC-Epizentrum werden sollen, die 60. Auflage des Wettsingens hätte
man sich viel kosten lassen. Zuletzt war gar von zwölf Millionen Euro
die Rede. Und von einem "Rundum-sorglos-Paket", das man für den ORF
geschnürt hätte: Um Security, Verkehr und Catering hätte sich der
öffentlich-rechtliche Sender nicht kümmern müssen.
Noch am Mittwoch brachte sich dann auch noch der Kristallriese
Swarovski ins Spiel - und sicherte ebenfalls ESC-Unterstützung zu.
Ohne Erfolg. Nach mehreren Marathon-Sitzungen ging der Zuschlag am
späten Mittwochnachmittag an Wien. Und das obwohl das dortige
finanzielle Unterstützungspaket weit unter den Angeboten von Graz und
eben auch Innsbruck lag. Doch ORF-Generaldirektor Wrabetz, der auch
im Vorstand der European Broadcast Union (EBU) sitzt, die den Song
Contest austrägt, blieb bei seinem Wien-Wunsch. Und schlug damit
einen anderen Weg als der ÖVP-nahe Finanzdirektor Richard Grasl ein,
der - wie auch der Stiftungsrat - auf die kostengünstigste Variante
für den ORF pochte und Innsbruck damit in die Favoritenrolle brachte.
Aus Sender-Sicht war das taktisch gar nicht unklug: Damit blieben
schließlich alle Möglichkeiten offen und die Bewerber besserten ihre
Angebote bis zuletzt fleißig nach. Wrabetz hat mit seinem Beharren
auf Wien auf alle Fälle Macht demonstriert - und es sich gleichzeitig
für seine Wiederwahl 2016 wohl mit Tirols LH Günter Platter
verscherzt.
Den Tiroler Steuerzahlern hat er aber Millionen erspart. Und
Innsbruck womöglich ein Debakel, wie es gerade Kopenhagen erlebt.
Dort kostete der Song Contest dreimal so viel wie geplant. Apropos:
Was passiert nun eigentlich mit den Tiroler Song-Contest-Millionen?

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

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