TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel, Ausabe vom 01.08.2014. Von Christian Jentsch:" Wenn Frieden zu Grabe getragen wird".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: In den Trümmern des blutigen Gaza-Krieges wächst der gegenseitige Hass. Und die Hardliner auf beiden Seiten, die kein Interesse an einer Friedenslösung im Nahost-Konflikt haben, verspüren Rückenwind.

Es sind schreckliche Bilder, die uns tagtäglich aus dem heftig umkämpften Gazastreifen erreichen. Es sind Bilder, die einen sprachlos zurücklassen. Die jede Hoffnung auf einen Neuanfang im Keim zu ersticken drohen. Während radikale Palästinenser weiterhin Raketen auf Israel schießen, schlägt Israels Armee mit voller Wucht zurück. Es sind bereits fast 1400 Todesopfer zu beklagen, doch menschliche Tragödien werden als Kollateralschäden beiseitegewischt. Es herrscht Krieg und im Krieg gibt es für Menschlichkeit keinen Platz. Die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, spricht von Kriegsverbrechen, wenn Spitäler und Schulen der Vereinten Nationen, in die auch zahlreiche Kinder vor den Kämpfen geflüchtet sind, von Israel beschossen werden. Und sie spricht von Kriegsverbrechen, wenn die Hamas Raketen in Schulen, Spitälern oder Moscheen versteckt.
Im Krieg werden Verheerungen und Tote in Kauf genommen, auch wenn aus den Trümmern des immer blutiger werdenden Konflikts die Mauern des Hasses und des Misstrauens in den Himmel zu wachsen drohen. Die Stunde der Hardliner hat geschlagen, die Spirale aus Gewalt und Gegengewalt sichert ihren Höhenflug. Die damit einhergehende Radikalisierung der Gesellschaft ist Wasser auf die Mühlen jener, die für keine Friedenslösung zu haben sind. Doch das Leben im ständigen Krieg, in ständiger Angst treibt eine Gesellschaft in den Abgrund. Israelis haben nach dem unvorstellbaren Leid der Schoah das Recht, endlich einmal eine sichere Zukunft für sich zu beanspruchen. Dafür stehen auch wir in der Verantwortung. Doch auch die Palästinenser haben das Recht auf eine selbstbestimmte Zukunft, auf Frieden, auf die Chance, aus ihrem Elend endlich einmal ausbrechen zu können. Der weltberühmte Dirigent und Pianist Daniel Barenboim, der sowohl in Besitz eines israelischen als auch eines palästinensischen Passes ist, hat erst jüngst in einem Beitrag für die Berliner Morgenpost erklärt, dass Israelis und Palästinenser nur Seite an Seite zusammen leben können, aber ganz bestimmt nicht Rücken an Rücken. Doch alle Bemühungen um eine Friedenslösung im Nahost-Konflikt wurden zuletzt in den Wind geschlagen. Und die Stimmen der Mäßigung werden bedenklich leise. Hardliner wollen keinen Frieden.
Doch der Status quo ist kein tragfähiges Fundament für eine friedliche Zukunft. Für beide Seiten.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001