- 31.07.2014, 22:00:33
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel, Ausabe vom 01.08.2014. Von Christian Jentsch:" Wenn Frieden zu Grabe getragen wird".
Innsbruck (OTS) - Untertitel: In den Trümmern des blutigen
Gaza-Krieges wächst der gegenseitige Hass. Und die Hardliner auf
beiden Seiten, die kein Interesse an einer Friedenslösung im
Nahost-Konflikt haben, verspüren Rückenwind.
Es sind schreckliche Bilder, die uns tagtäglich aus dem heftig
umkämpften Gazastreifen erreichen. Es sind Bilder, die einen
sprachlos zurücklassen. Die jede Hoffnung auf einen Neuanfang im Keim
zu ersticken drohen. Während radikale Palästinenser weiterhin Raketen
auf Israel schießen, schlägt Israels Armee mit voller Wucht zurück.
Es sind bereits fast 1400 Todesopfer zu beklagen, doch menschliche
Tragödien werden als Kollateralschäden beiseitegewischt. Es herrscht
Krieg und im Krieg gibt es für Menschlichkeit keinen Platz. Die
UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, spricht von
Kriegsverbrechen, wenn Spitäler und Schulen der Vereinten Nationen,
in die auch zahlreiche Kinder vor den Kämpfen geflüchtet sind, von
Israel beschossen werden. Und sie spricht von Kriegsverbrechen, wenn
die Hamas Raketen in Schulen, Spitälern oder Moscheen versteckt.
Im Krieg werden Verheerungen und Tote in Kauf genommen, auch wenn
aus den Trümmern des immer blutiger werdenden Konflikts die Mauern
des Hasses und des Misstrauens in den Himmel zu wachsen drohen. Die
Stunde der Hardliner hat geschlagen, die Spirale aus Gewalt und
Gegengewalt sichert ihren Höhenflug. Die damit einhergehende
Radikalisierung der Gesellschaft ist Wasser auf die Mühlen jener, die
für keine Friedenslösung zu haben sind. Doch das Leben im ständigen
Krieg, in ständiger Angst treibt eine Gesellschaft in den Abgrund.
Israelis haben nach dem unvorstellbaren Leid der Schoah das Recht,
endlich einmal eine sichere Zukunft für sich zu beanspruchen. Dafür
stehen auch wir in der Verantwortung. Doch auch die Palästinenser
haben das Recht auf eine selbstbestimmte Zukunft, auf Frieden, auf
die Chance, aus ihrem Elend endlich einmal ausbrechen zu können.
Der weltberühmte Dirigent und Pianist Daniel Barenboim, der
sowohl in Besitz eines israelischen als auch eines palästinensischen
Passes ist, hat erst jüngst in einem Beitrag für die Berliner
Morgenpost erklärt, dass Israelis und Palästinenser nur Seite an
Seite zusammen leben können, aber ganz bestimmt nicht Rücken an
Rücken. Doch alle Bemühungen um eine Friedenslösung im
Nahost-Konflikt wurden zuletzt in den Wind geschlagen. Und die
Stimmen der Mäßigung werden bedenklich leise. Hardliner wollen keinen
Frieden.
Doch der Status quo ist kein tragfähiges Fundament für eine
friedliche Zukunft. Für beide Seiten.
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