- 30.07.2014, 22:00:31
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel, Ausgabe vom 31.07.2014. Von Mario Zenhäusern. "Nachvollziehbarkeit und Transparenz".
Innsbruck (OTS) - Untertitel: Der Eurovision Song Contest ist
unbezahlbare Werbung, kostet aber auch viel Geld: Der ORF kann es
sich deshalb gar nicht leisten - aus welchen Gründen auch immer -,
nicht das beste Angebot zu wählen.
Vom 19. bis zum 23. Mai 2015 findet in Österreich der Eurovision Song
Contest statt. Und zwar in Wien, Graz oder Innsbruck. Die drei Städte
haben sich um die Austragung beworben, die Bewerbungsunterlagen
liegen seit gestern Abend vor. In den nächsten Tagen muss sich
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz entscheiden und bekannt geben,
wer das beste Angebot gelegt hat und damit den Zuschlag für die
Austragung erhält.
Bis jetzt hieß es, alle drei Bewerber hätten nach wie vor intakte
Chancen. Selbst Wrabetz wies unmissverständlich darauf hin, dass "es
keinesfalls als sicher gelten darf, dass Wien den Zuschlag erhält".
Aber natürlich genießt die Bundeshauptstadt einen Bonus. Außerdem
machen die EBU (European Broadcasting Union), deren Vorstandsmitglied
Wrabetz übrigens ist, und Österreichs erster ESC-Gewinner Udo Jürgens
für Wien Stimmung. Aber es gibt Argumente, die für jede der drei
Austragungsstätten sprechen.
Wie immer sich Wrabetz entscheidet, er wird es sich gut
überlegen. Beim Eurovision Song Contest ist viel Geld im Spiel. 180
Millionen Menschen in 40 Staaten saßen vor den TV-Schirmen, als
Conchita Wurst in Kopenhagen wie ein Phönix aus der Asche der vielen
heimischen ESC-Pleiten der letzten Jahre stieg. Unbezahlbare Werbung
also für ein Land wie Österreich, in dem der Tourismus ohnedies die
erste Geige spielt. Künstlerischer Wert der Veranstaltung und Aufwand
für die Durchführung mögen umstritten sein, marketingtechnisch ist
der ESC ein absolutes "Must-have". Schon allein deshalb werden sich
die Verlierer im Städtedreikampf genau anschauen, warum sie das
Nachsehen hatten. Sie werden auf eine nachvollziehbare Entscheidung
pochen und Wrabetz völlige Transparenz abverlangen.
Der ORF-General wird seine Entscheidung aber nicht nur vor den
drei Bewerberstädten, sondern auch vor seiner eigenen Belegschaft
vertreten müssen. Bekanntlich hat er die Landesstudios zu einem
rigorosen Sparkurs verdonnert. Die zu erwartenden Millionenausgaben
für den Song Contest werden diese Belastungswelle nicht reduzieren,
im Gegenteil. Als ORF-Chef hat er zu guter Letzt auch den Auftrag,
mit den Gebühren der Österreicherinnen und Österreicher sorgsamst
umzugehen und nichts unversucht zu lassen, um Schaden vom Unternehmen
abzuwenden.
Wrabetz kann es sich also gar nicht leisten - aus welchen Gründen
auch immer -, einen der drei Austragungsorte zu bevorzugen, statt das
beste Angebot zu wählen.
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