• 28.07.2014, 22:00:16
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel, Ausgabe vom 29.07.2014, Von Wolfgang Sablatnig: "Zu wichtig für das reflexhafte Nein"

Innsbruck (OTS) - Utl: Ob Crash-Kurs oder Vorbereitungsklasse: Wie
die Sprachförderung für junge Zuwanderer heißt, ist egal, solange
sich die zuständigen Minister endlich einigen, wie das Motto "Deutsch
vor Schuleintritt" sichergestellt werden kann.

Das Anliegen von Integrationsminister Sebastian Kurz ist bekannt:
Kinder und Jugendliche, die (meist mit ihren Eltern) nach Österreich
zuwandern, sollen zuerst Deutsch lernen, damit sie später in einer
Regelklasse dem Unterricht folgen können. Neu ist die Antwort aus dem
Unterrichtsministerium: Wo die frühere Ressortchefin Claudia Schmied
reflexartig vor "Ghetto-Klassen" gewarnt hat, lässt die amtierende
Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek zumindest Gesprächsbereitschaft
signalisieren.
Diese Reaktion lässt auf eine Lösung hoffen. Jedes Jahr kommen
7300 Kinder und Jugendliche aus nicht-deutschsprachigen Ländern nach
Österreich. Wenn sie zwischen 6 und 15 Jahre alt sind, müssen sie in
die Schule, egal ob sie dem Unterricht folgen können oder nicht.
Lernen sie nicht schnell genug Deutsch, werden sie als
außerordentliche Schüler geführt - und das ist oft eine Sackgasse
ohne Zugang zu weiteren Bildungschancen und damit zu beruflichem und
sozialem Erfolg.
Einfache Antworten auf dieses Problem sind nicht möglich. Wie
lange soll der Crash-Kurs dauern, in dem die Kinder und Jugendlichen
Deutsch lernen? Sollen sie in dieser Zeit nur in der
Vorbereitungsklasse sein - oder sollen sie bereits die Regelschule
besuchen? Wer soll in diesen Deutschklassen unterrichten? Und wie
lassen sich die Kurse außerhalb der Städte abwickeln, wenn nur
vereinzelt Kinder und Jugendliche Deutsch lernen müssen und der Weg
zum nächsten Kurs weit ist?
Der Expertenrat listet Beispiele von Hamburg bis Kanada auf und
trifft die zentrale Feststellung, dass Vorbereitungsklassen so kurz
wie möglich dauern sollen. Auch im Regierungsprogramm findet sich der
Punkt "Deutsch vor Schuleintritt" - ohne allerdings konkret zu
werden.
Kurz und Heinisch-Hosek müssen diesen Rahmen der Experten und des
Regierungsprogramms mit Inhalten füllen. Gleichzeitig müssen sie das
vom Integrationsrat eingeforderte Gesamtkonzept liefern, um während
der Pflichtschulzeit für alle Kinder - Inländer wie Zuwanderer - die
beste Sprachförderung zu garantieren.
Vor allem aber müssen Kurz und Heinisch-Hosek rasch arbeiten -
nicht nur, um den jungen Zuwanderern eine Lebensperspektive zu
bieten, sondern im Interesse der gesamten Gesellschaft, die gut
ausgebildete Menschen braucht. Zeit verloren hat Österreich so wie in
anderen Bereichen der Integrationspolitik in den vergangenen Jahren
und Jahrzehnten schon genug.

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