- 25.07.2014, 19:00:31
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DER STANDARD - Kommentar: "Verantwortungslose Kulturpolitik" von Thomas Trenkler
Das Bundestheater-Desaster war absehbar, aber das Ministerium schaute nur zu. (Ausgabe vom 26.7.2014)
Utl.: Das Bundestheater-Desaster war absehbar, aber das Ministerium
schaute nur zu. (Ausgabe vom 26.7.2014) =
Wien (OTS) - Mancher Kulturpolitiker scheut das Schließen von
Kultureinrichtungen wie nichts anderes. Denn man befürchtet, dass die
eigene Reputation und jene der Partei sinken würden. Man beschwört
lieber ohne Unterlass, dass Kunst und Kultur "Lebensmittel", ja sogar
"Überlebensmittel" seien. Diese Metapher, die auch Präsidenten und
Bürgermeister gerne bei Festivaleröffnungen gebrauchen (etwa in
Salzburg und Bregenz), ist natürlich dumm. Denn Kunst und Kultur
kosten immenses Geld, sie sind daher immer Luxus. Auch wenn sie für
eine Zivilgesellschaft notwendig sind - "wie ein Bissen Brot", um im
vertrackten Bild zu bleiben.
Das Schließen von Kultureinrichtungen kommt für den Kulturpolitiker
jedenfalls nicht infrage. Es dürfe, warnt man, keinen Sündenfall wie
in Berlin geben, wo einst, vor 21 Jahren, das Schillertheater
geschlossen wurde. Aber auch das Programm dürfe nicht zurückgefahren
werden. Am liebsten wäre dem Kulturpolitiker, wenn alles so bliebe
wie in jenen Zeiten der Kameralistik. Damals gingen die
Karteneinnahmen an den Staat - und der verbeamtete Feudalherr zahlte,
was eben für die Theater zu zahlen ist. Es gab weder Kostenwahrheit
noch Kostenbewusstsein.
Doch es sind andere Zeiten an█gebrochen. Ob sie bessere sind, wird
sich herausstellen. Aber der dauernde Zwang zu Sparmaßnahmen, den
manche schon richtig geil finden, hat längst den Kulturbereich
erreicht. Und zwar flächendeckend. Den kleinen Veranstaltern, den
wackeren Kulturarbeitern, die sich selbst ausbeuten, fehlt
mittlerweile die Kraft zum Jammern über die triste Situation.
Im Gegensatz zur freien Szene haben die Bundestheater unermesslich
viel Geld. Aber die Staatsbühnen geben gut 2440 Menschen Arbeit. Das
kostet nicht nur, das kostet aufgrund der Kollektivverträge jedes
Jahr mehr. Weil die Personalkosten seit der Ausgliederung 1999 um
27,5 Prozent auf 172,9 Millionen Euro gestiegen sind, die Subvention
aber nur um 11,5 Prozent auf 148,9 Millionen Euro ange█hoben wurde,
begann es sich irgendwann nicht mehr auszugehen.
Da konnte Georg Springer als Chef der Bundestheater-Holding warnen,
was er wollte: Die Politik stellte sich taub. Man meinte, es werde
sich doch ausgehen - ohne Schließungen und ohne Programmeinschnitte.
Ja, es ging sich dann doch ein paar Jahre lang aus, weil man
herumtrickste. Die Politik machte nichts, weckte lediglich Hoffnungen
auf demnächst frisches Geld. Und so trickste man gutgläubig weiter.
Wohlgemerkt: Bei den Salzburger Oster- und Sommerfestspielen gab es
Menschen, die in die eigene Tasche wirtschafteten, die Unternehmen im
großen Stil schädigten. Sich bereichert zu haben, wird man aber weder
Georg Springer noch Silvia Stantejsky vorwerfen können: Beseelt vom
Theater, waren sie die Erfüllungsgehilfen der vertröstenden
Kulturpolitiker.
Hinzu kommt, dass Theatermacher eher Narren als Kaufleute sind. Sie
geben das Geld am liebsten mit vollen Händen aus. Denn die Bühne ist
ein Wunderwerk, das glänzen soll. Schon vor Jahren hätte die Politik
Einhalt gebieten müssen. Doch das Kulturministerium unter Claudia
Schmied schaute zu, wie der Tanker auf den Eisberg zusteuerte. Man
ließ die Theater nicht nur im falschen Glauben, dass es mehr
Subventionen geben werde, sondern man vernachlässigte auch die
Kon█trollaufgaben. Und nun verweigert Schmied jede Stellungnahme. Das
ist der Sparsamkeit zu viel.
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