OECD-Bericht: Schlechte Noten für psychotherapeutische Versorgung in Österreich

Wien (OTS) - In dem am 17. Juli 2014 veröffentlichten OECD-Bericht zum Thema "Making Mental Health Count" werden erstmals durch psychische Krankheit verursachte Gesamtkosten im OECD-Vergleich quantifiziert dargestellt. Der Bericht begnügt sich nicht nur mit der Darstellung der Milliardenkosten (Gesamtkosten im Ausmaß von über 4% des Bruttoinlandsprodukts, 5 - 18% der Gesundheitskosten sind auf seelische Erkrankungen zurückzuführen), sondern geht in der Analyse, was zur Reduzierung dieser Kosten beitragen könnte, in die Tiefe. Die Problematik der Kostenexplosion psychischer Erkrankungen für die österreichischen Sozialversicherungsträger wurde 2012 in deren Studie bereits dargestellt:

  • 900.000 ÖsterreicherInnen nehmen das Gesundheitswesen wegen psychischer Erkrankungen in Anspruch
  • 840.000 Personen nehmen Psychopharmaka
  • nur 35.000 Personen erhalten kassenfinanzierte Psychotherapie
  • 30.000 Personen finanzieren Psychotherapie aus eigener Tasche und erhalten den seit 1992 nicht wertangepassten Zuschuss von nur Euro 21,80.

Beide Arbeiten unterstreichen aus jeweiliger Sicht zwei Forderungen, die vom Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) immer wieder aufgestellt wurden:

ÖBVP fordert Anti-Stigma Kampagne

"Der Stigmatisierung psychischer Krankheiten muss nachhaltig auf breiter Basis entgegengewirkt werden - Österreich unternimmt in diesem Punkt im OECD-Vergleich als eines von 6 Ländern viel zu wenig", so Maria-Anna Pleischl, Präsidentin des ÖBVP. Die Folgen davon sind, dass Behandlungen psychischer Erkrankungen viel zu spät und teilweise mit ungeeigneten Methoden außerhalb der wissenschaftlich fundierten Psychotherapie erfolgen. Der Erfolg von langfristig angelegten Informationskampagnen wie zum Beispiel "Sicherheit im Straßenverkehr" (die Anzahl der Todesopfer im Straßenverkehr konnte erheblich reduziert werden) ist sehr gut belegt. Der ÖBVP fordert von Bundesregierung und Sozialversicherungsträgern endlich breit angelegte Informationskampagnen zur Hebung und Beachtung der seelischen Gesundheit. Ein Vergleich: 2013 gab es 453 Verkehrstote aber 1.291 Suizidtote in Österreich, was die Bedeutung der seelischen Gesundheit unterstreicht.

Raschen Zugang zu Psychotherapieplätzen sichern

Als weiteren wesentlichen Punkt zur Verbesserung der seelischen Gesundheit empfiehlt die OECD, das Angebot an Psychotherapie von den Sozialversicherungsträgern unterstützt weiter auszubauen bzw. zu entwickeln und vor allem den raschen Zugang im Erkrankungsfall sicher zu stellen. Die Praxis von Kontingentierungen psychotherapeutischer Behandlung als Sachleistung der Sozialversicherung verursacht unverhältnismäßig lange Wartezeiten, die wiederum die Schwere der Krankheit und die Heilungskosten deutlich erhöhen. Gerne unterstützt der ÖBVP mit seiner jahrelang bewährten Kompetenz in allen Fragen der seelischen Gesundheit die Verantwortungsträger bei der Entwicklung eines Zielplanes zur Verbesserung und damit Kostensenkung.

"Der OECD gebührt Dank für die fundierte Aufarbeitung des Themas, durch die die langjährigen Forderungen des ÖBVP unterstützt werden", betont Pleischl.

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Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie
Mag.a Maria-Anna Pleischl,
Präsidentin ÖBVP
M:0664/260 72 06

Mag.a Barbara Zsivkovits, Presse & PR ÖBVP
T: 01/512 70 90-23
E: oebvp.zsivkovits@psychotherapie.at
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