• 18.07.2014, 12:55:34
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Salzburger Soziallandesrat Schellhorn fordert Persönliches Budget für Menschen mit Beeinträchtigungen

Runder Tisch zu Inklusion im Gemeinwesen am IASSIDD-Kongress mit Uni Wien und Lebenshilfe

Utl.: Runder Tisch zu Inklusion im Gemeinwesen am IASSIDD-Kongress
mit Uni Wien und Lebenshilfe =

Wien (OTS) - "Es reicht nicht, Wohneinrichtungen für Menschen mit
intellektueller Beeinträchtigung in der Gemeinde zu bauen, sondern es
muss sich auch das soziale Umfeld ändern", erklärte der Salzburger
Soziallandesrat Heinrich Schellhorn gestern anlässlich eines Runden
Tisches zum Thema "In der Gemeinschaft integriert leben" im Rahmen
der IASSIDD-Konferenz "Wege zur Inklusion". "Ein richtungsweisender
und bahnbrechender Ansatz wäre das Persönliche Budget. Das Geld ginge
dabei nicht wie bisher an die Einrichtungen, sondern die Menschen mit
Beeinträchtigung erhalten selbst das Geld. Damit können sie sich die
Dienstleistungen einkaufen, die sie wollen. Dadurch kann ein
Wettbewerb unter den Einrichtungen entstehen und die Dienstleistungen
werden sich mehr an die Wünsche der Kundinnen und Kunden ausrichten.
Damit das gut funktioniert, muss es eine österreichweit einheitliche
Regelung geben", fordert Schellhorn.

Albert Brandstätter, Generalsekretär der Lebenshilfe Österreich,
stimmte zu: "Ja zum Persönlichen Budget, aber es muss dann so hoch
sein, dass man sich die Unterstützungsleistungen, die man braucht,
auch wirklich leisten kann. Das Persönliche Budget sollte unabhängig
vom Einkommen als Rechtsanspruch zustehen, so wie es Schweden
vorzeigt." Brandstätter fordert eine Abkehr von dem derzeit
undurchschaubaren System an Leistungen des Bundes und der Länder.
"Stattdessen sollten wir ein Zwei-Säulen-Modell entwickeln: Eine
Säule könnte der Sicherung der Existenz, etwa durch Einkommen oder
Mindestsicherung dienen, die zweite Säule zur Abdeckung des
Mehr-Bedarfes aufgrund einer Beeinträchtigung, etwa durch Pflegegeld,
Persönliches Budget, Persönliche Assistenz."

Klaus Brunner, Selbstvertreter der Lebenshilfe Vorarlberg betonte:
"Wahlfreiheit ist wichtig. Jeder muss sich aussuchen können, wie er
wohnt. Gute Unterstützung ist dabei wichtig. Sie muss besser bezahlt
werden, damit diese Arbeit attraktiv ist. Barrierefreiheit ist
wichtig. Ich lebe in Dornbirn, dort gibt es nur zwei Lokale, die ich
mit meinem Rollstuhl besuchen kann. Es müssen auch die Barrieren in
unseren Köpfen abgebaut werden. Ich habe eine Vision, einen Traum:
Menschen mit und ohne Beeinträchtigung wohnen gemeinsam und können
sich gegenseitig unterstützen. Dann wird Inklusion gelebt."

Ingrid Heindorf vom World Future Council in Genf und
Mitarbeiterin am Zero-Project erklärte:

"Es geht darum Kontrolle über das eigene Leben zu haben.
Internationale Studien zeigen: Inklusion ist auf lange Sicht
kostengünstiger als die Fortführung des bisherigen Systems, nicht
weil die Leistungen billiger werden, sondern weil die Menschen mit
Beeinträchtigung sich wohler fühlen, dadurch gesünder sind und auch
Verhaltensauffälligkeiten zurückgehen. Im Rahmen des Zero Projects
suchen wir weltweit nach guten Praxis Beispielen für Inklusion. Diese
können übrigens noch bis zum 20. Juli 2014 eingereicht werden."

Thomas Driessen, Geschäftsführer von alpha nova, forderte von Bund
und Ländern größere Anstrengungen, damit Menschen selbstbestimmt
leben können. "Die Einrichtungen der Behindertenhilfe müssen
umdenken. Wir müssen weg von der Pädagogik hin zur Sozialarbeit. Es
wird auch Zeit, dass die Behinderten-Einrichtungen einen Teil ihrer
Verantwortung wieder an die Gesellschaft abgeben. Dafür braucht es
Pläne und den politischen Willen zur Umsetzung."

Auf den Hinweis, dass die Umsetzung von Inklusion Zeit braucht,
antwortete Selbstvertreter Klaus Brunner entschieden: "Was noch MEHR
Zeit?! Wir Menschen mit Beeinträchtigung haben lange genug gewartet.
Die Politik muss endlich handeln!"

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