- 16.07.2014, 21:17:51
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TIROLER TAGESZEITUNG
"Leitartikel" vom 17. Juli 2014 von Peter Nindler "Holpr-I-g, aber notwendig "
Utl.: "Leitartikel" vom 17. Juli 2014 von Peter Nindler "Holpr-I-g,
aber notwendig " =
Innsbruck (OTS) - Utl.: Das "Binnen-I" darf kein Alibi dafür sein,
die nach wie vor fehlende Chancengerechtigkeit von Frauen sprachlich
zu ver-schleiern. Trotz holpriger Lesbarkeit gibt es aber keinen
Grund, geschlechtergerechte Formulierungen zu eliminieren.
Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) hat schon Recht, wenn er vor
Sprach-"Önormen" warnt. Aber so lange Frauen in unserer Gesellschaft
nach wie vor strukturell und finanziell benachteiligt werden, braucht
es eine politisch gewollte und nachhaltige Bewusstseinsbildung für
Gleichberechtigung und -behandlung. Und sei es nur das jetzt in
Diskussion geratene "Binnen-I".
Die holprige Lesbarkeit von geschlechtergerechten Formulierungen mag
ein Argument dagegen, darf aber keines für die Abschaffung sein. Das
wäre nämlich ein Rückschritt, der sich geistig schon bei manchen
gesellschaftlichen und politischen Gruppierungen seit dem
misslungenen Auftritt des Alpenrockers Andreas Gabalier in Zeltweg
manifestiert. Er hat die Töchter einfach aus seiner Bundeshymne
gestrichen. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) gab ihm
daraufhin eine Lernhilfe und musste einen herabwürdigenden
"Shitstorm" im Internet erleben. Der vom ehemaligen und höchst
umstrittenen freiheitlichen Nationalrat Karlheinz Klement ausgerufene
"Gender-Wahnsinn" wurde zum Inbegriff des Aufbegehrens gegen die
vermeintliche Überhöhung der Frauen in Hymne und Sprache. Bravo,
Gabalier!
Auf die Sprache umgemünzt prangern die Kritiker des "Binnen-I" jetzt
eben den Gender-Wildwuchs und vom Staat verordnete sprachliche
Zwangsmaßnahmen an. Das stimmt nachdenklich, denn Sprache ist jenes
Instrument, das bewahren, manipulieren und verändern kann.
Tirolerinnen und Tiroler machen Tirol aus. Allein wenn es gelingt,
diese sprachliche Paarform in den Köpfen zu verankern, ist es schon
ein Fortschritt. Sprache kann die Bewusstseinsbildung vorantreiben,
aber auch bremsen. Natürlich schafft das "Binnen-I" noch keine
Gleichberechtigung, keine besseren Aufstiegschancen für Frauen in der
Arbeitswelt oder Akzeptanz in der Politik. Lediglich elf der 36
Abgeordneten im Tiroler Landtag sind weiblich.
Der geschlechtergerechte Sprachgebrauch darf deshalb kein Alibi sein,
das große "Binnen-I" nicht zu einem kleinen Beistrich in
Sonntagsreden und -texten verkommen. Weil es für Frauen noch immer
nicht die Chancengerechtigkeit gibt, diskutiert Österreich heute über
Hymne und Sprache. Das "Binnen-I" oder die Lehrer/innen sind nur die
äußere Hülle. Damit diese aber mit Inhalt, sprich endlich mit
Gleichstellung, gefüllt wird, lohnt es sich, dafür einzutreten und
sprachliche Unebenheiten zu überlesen.
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