• 03.07.2014, 11:00:32
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Spitzenforscher auf den Spuren des Heiligen Wolfgang. Mediziner, Philologen, Archäologen liefern Beiträge für archäologisches Projekt

Josef Pröll, Präsident der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG), präsentierte bemerkenswerte Forschungs- und Evaluierungs- ergebnisse der neuen Ludwig Boltzmann Institute (LBI)

Utl.: Josef Pröll, Präsident der Ludwig Boltzmann Gesellschaft
(LBG),
präsentierte bemerkenswerte Forschungs- und Evaluierungs-
ergebnisse der neuen Ludwig Boltzmann Institute (LBI) =

Wien (OTS) - Im Rahmen eines Projekts des LBI für Archäologische
Prospektion und Virtuelle Archäologie (LBI ArchPro) - haben sich das
Wiener LBI ArchPro sowie das Grazer LBI für Lungengefäßforschung (LBI
LVR) und das Innsbrucker LBI für Neulateinische Studien (LBI
Neulatein) über Fachgrenzen hinweg zusammengetan, um am Falkenstein
bei St.Gilgen - auf dem Wallfahrtsweg nach St. Wolfgang im
Salzkammergut, der viertgrößten Wallfahrtsstätte Europas - das Leben
und Leid der Einsiedler und Pilger im Spätmittelalter zu erforschen.
Josef Pröll, Präsident der LBG, präsentierte im Rahmen einer
Pressekonferenz die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit sowie die
hervorragenden Resultate der Zwischenevaluierung, die in den letzten
Monaten bei diesen drei LBI durchgeführt wurde. Die positiven
Ergebnisse der Zwischenevaluierung bewirken, dass die drei LBI für
weitere drei Jahre mit einem Gesamtvolumen von 7,8 Mio. Euro durch
die Ludwig Boltzmann Gesellschaft finanziert werden.

Auf den Spuren des Heiligen Wolfgang - das gemeinsame Projekt:

Über Fachgrenzen hinweg haben das LBI ArchPro, das LBI LVR und das
LBI Neulatein für ein archäologisches Projekt ihre Expertise
gebündelt. Für Josef Pröll ist dieses Projekt "ein Beispiel für die
starke Interdisziplinarität der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, die
sich auch über einzelne Ludwig Boltzmann Institute erstreckt".
"Gerade weil die LBG mit ihren Instituten neue Themenfelder
aufgreift, können solche Formen der Zusammenarbeit entstehen. Das
sind wichtige Merkmale der LBG", so Pröll bei der Vorstellung des
Projekts.

Wallfahrtsboom und Quecksilber in der Latrine

Im Jahre 2009 entdeckten Forscher des LBI ArchPro mit modernsten
hochauflösenden Bodenradarsystemen auf der Lichtung unterhalb der
Kirche auf dem Falkenstein die im Boden verborgenen Fundamente einer
Klause. Der Legende nach weilte bereits der Heilige Wolfgang selbst
als Eremit im 10. Jahrhundert an diesem zurückgezogenen Ort, der ab
dem 14. Jahrhundert am Weg zur Wallfahrtsstätte St. Wolfgang im
Salzkammergut gelegen, jährlich von Tausenden Pilgern besucht wurde.
Im 17. Jahrhundert wurde die Klause als einfache Holzhütte für
Einsiedler zur Betreuung des Falkensteins und der vorbeiziehenden
Pilger errichtet und über 150 Jahre bewohnt.

Stefan Tilg, Leiter des LBI Neulatein, lieferte anhand von
lateinischer Literatur zum Heiligen Wolfgang den historischen Kontext
zur Einsiedlerklause am Falkenstein. Die damals zeitgenössischen
Texte zum Wirken des Heiligen Wolfgang am Falkenstein deuten auf die
Popularität der Pilgerstätte St. Wolfgang im Salzkammergut hin und
passen zum "Boom" des Wallfahrtswesens im Spätmittelalter und im
Barock. Die Einsiedler am Falkenstein kümmerten sich um die
vorbeiziehenden Pilger, die die Klause als "Zwischenstation" am Weg
nach St. Wolfgang nutzten.

Die Expertise von Andrea Olschewski, Leiterin des LBI LVR, war
gefragt, als überraschende Funde von Quecksilber in den Latrinen der
Einsiedlerklause das Archäologen Team vor Rätsel stellte. Olschewskis
Einschätzung nach belegt dieser Fund eindrucksvoll die Medikation der
damaligen Volksseuche Syphilis. Diese wurde damals primär durch die
orale Einnahme von Quecksilber behandelt, welches in fast
unveränderter Form vom Körper wieder ausgeschieden wird.

Mehr zum Projekt unter: http://www.lbg.ac.at/de/pressemappe-pk-372014

Ergebnisse der Zwischenevaluierung: Finanzierung für weitere
drei Jahre gesichert

Die drei LBI wurden im Herbst/Winter 2013 und im Frühjahr 2014
jeweils von unterschiedlichen FachexpertInnen eines internationalen
Gutachterpanels evaluiert. Begleitet wurden alle drei Evaluierungen
von Verena Kremling, stellvertretende Referatsleiterin des
Senatsausschusses Evaluierung der deutschen Leibniz Gemeinschaft, die
bei der Pressekonferenz ebenfalls anwesend war. LBI sind zeitlich
befristet eingerichtet und werden im vierten Jahr ihres Bestehens
zwischenevaluiert. Ziel einer Zwischenevaluierung ist die
Feststellung der Finanzierungswürdigkeit eines LBI für die nächsten
drei Jahre aufgrund der bisherigen Forschungsleistung.

Pröll und Mitterlehner erfreut über die Ergebnisse

Alle drei Evaluierungen führten zu hervorragenden Ergebnissen. Für
Josef Pröll "ein Zeichen dafür, dass der hochkompetitive
Auswahlprozess der LBG dazu geführt hatte, dass nur solche Institute
gefördert wurden, deren Konzepte höchste Qualitätsansprüche erfüllt
haben". Darüber hinaus zeichnen sich alle drei LBI durch eine klar
definierte Mission und angemessene Zielsetzungen aus. Laut Verena
Kremling "fällt auf, dass alle begutachteten Institute von starken,
integrativen Führungspersönlichkeiten geleitet werden, die nicht nur
wissenschaftlich voll überzeugt haben, sondern auch hinsichtlich
ihrer Management- und Führungskompetenzen."

Besonders betont wurden die Partnerbeziehungen aller drei LBI, die
als tragfähig und konstruktiv eingeschätzt wurden. Die
Partnerbeziehungen der LBI sind vor allem dem obligatorischen
Partner-Konzept der Ludwig Boltzmann Gesellschaft zu verdanken,
welches nach Kremling "maßgeblich zum Erfolg der neuen Generation von
Ludwig Boltzmann Instituten beiträgt". Das Partner-Konzept der LBG
gibt vor, dass ein LBI im Verbund mit mindestens einem universitären
und einer forschungsanwendenden Organisation gegründet wird. Somit
gelingt der LBG die Sicherung einer hohen Qualität und starken
Profilierung der Forschung außerhalb von Universitäten bei
gleichzeitiger intensiver Kooperation mit den Universitäten.

"Im internationalen Wettbewerb wird die Kooperation verschiedener
Disziplinen und Institutionen für heimische
Wissenschaftseinrichtungen immer wichtiger. Die Synergien, die sich
durch dieses Partnerschaftsmodell der Ludwig Boltzmann Gesellschaft
ergeben, sind äußerst dynamisch und ermöglichen die Bearbeitung
komplexer Fragestellungen an der Schnittstelle von
Grundlagenforschung und angewandter Forschung", so Wissenschafts-,
Forschungs- und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner zu den
Ergebnissen der Zwischenevaluierung.

Kremling präsentierte die Ergebnisse der Zwischenevaluierung
und zitierte aus den Evaluierungsberichten:

LBI Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie:
Die geniale Verbindung von ingenieurwissenschaftlicher Expertise und
Innovationskraft mit archäologischen Fragestellungen.

Das Wiener LBI für Archäologische Prospektion und Virtuelle
Archäologie überzeugte durch die Originalität seines methodischen
Ansatzes, der ingenieurwissenschaftliche Expertise und
Innovationskraft in genialer Weiser mit archäologischen
Fragestellungen verbindet. Die hier betriebene Forschung weist
zahlreiche reizvolle Anschlussmöglichkeiten für verwandte
Forschungsfelder auf. Die technischen und ingenieurwissenschaftlichen
Komponenten erleichtern die Identifikation von Partnern, die sich
auch finanziell angemessen beteiligen können.

LBI Lungengefäßforschung:

Großes Interesse aus der Pharmaindustrie zeigt außerordentlich
hohe Relevanz der Lungengefäßforschung.

Die in Graz betriebene Lungengefäßforschung am LBI für
Lungengefäßforschung ist von außerordentlich hoher Relevanz, da der
Lungenhochdruck mit seinen Neben- und Folgeerscheinungen noch immer
wenig verstanden wird und eine vergleichsweise hohe Mortalität
aufweist. Besonders beeindruckend ist das Gesamtkonzept, das
Grundlagenforschung in überzeugender Weise mit anwendungsorientierter
klinischer Forschung verbindet und innovative methodische Ansätze
integriert. Als Qualitätsausweis kann auch das große Interesse aus
der Pharmaindustrie gewertet werden.

LBI Neulateinische Studien:

Innovativer methodischer Ansatz wirft neues Licht auf den
Entwicklungsprozess der europäischen Identität.

"Neu" ist beim Innsbrucker LBI für Neulateinische Studien nicht
nur das erforschte Latein, sondern innovativ ist auch der methodische
Ansatz, der weit über eine rein philologische Betrachtung hinausgeht
und kulturwissenschaftliche Methoden und Fragestellungen integriert.
So wirft die hier betriebene Erforschung der lingua franca, die von
der Renaissance bis in die Neuzeit zentrales Medium politischer,
religiöser, philosophischer und kultureller Darstellungen war, auch
ein neues Licht auf den Entwicklungsprozess der europäischen
Identität. Als Institut der geisteswissenschaftlichen
Grundlagenforschung hat es dieses LBI ungleich schwerer finanzstarke
Partner am Konsortium zu beteiligen.

Elektronische Pressemappe:

Weitere Informationen zum Projekt sowie die Ergebnisse der
Zwischenevaluierung finden Sie in der elektronischen Pressemappe
unter: http://www.lbg.ac.at/de/pressemappe-pk-372014
Fotos zur Pressekonferenz sind am 3.7.14 ab 12 Uhr online.

Über die Ludwig Boltzmann Gesellschaft:

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ist eine außeruniversitäre
Forschungsorganisation mit Sitz in Wien und betreibt 20
Forschungseinrichtungen (Ludwig Boltzmann Institute/LBI) mit rund 550
MitarbeiterInnen in den Bereichen der Humanmedizin / Life Sciences
sowie der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Die LBG steht
mit ihrem Motto "Nahe am Menschen" für die Behandlung
gesellschaftsrelevanter Forschungsfragen: Ausgewählte
LBI-Forschungsprojekte können auf der Crowdfunding-Plattform
www.inject-power.at mit individuellen Spendenbeträgen, die steuerlich
absetzbar sind, finanziell unterstützt werden.

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