- 29.06.2014, 19:43:37
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DER STANDARD-Kommentar "Lässig im Umgang mit Spielsucht" von Petra Stuiber
Der Beirat in Glücksspielfragen ist selbst das Problem, nicht seine Umgehung
Utl.: Der Beirat in Glücksspielfragen ist selbst das Problem, nicht
seine Umgehung =
Wien (OTS) - Lust, Laster, Zaster: So in etwa lautete wohl das Motto
jener Marktanalyse, die das Institut KFP kürzlich angestellt hat.
Demnach beträgt der volkswirtschaftliche Gewinn, den der Staat aus
dem Verkauf von -Zigaretten, Alkohol und den Glücksspielabgaben
zieht, jährlich 1,5 Milliarden Euro netto. Die volkswirtschaftlichen
Kosten der damit zusammenhängenden Suchtkrankheiten sind da bereits
abgezogen.
Durch die aktuelle Vergabe der drei Kasinolizenzen für Wien und
Niederösterreich wird sich diese Bilanz wohl noch verbessern. Allein
für das Palais Schwarzenberg rechnet der deutsche Betreiber mit
Bruttospielerträgen von 378 Millionen Euro in 14 Jahren. Auch der bei
Bruck an der Leitha geplante Novomatic-Spieltempel verheißt
sprudelnde Einnahmen. Dass dabei auch ein schöner Batzen für die
Bundesländer Wien und Niederösterreich abfallen wird, erklärt die
diesbezügliche Engagiertheit der Herren Landeshauptleute im Vorfeld
der Entscheidung - und den Aufschrei der als Bieter unterlegenen
Casinos Austria, die politische Einflussnahme wittert.
Gut möglich, dass sie damit recht hat: Wer österreichische
Innenpolitik auch nur ein bisschen verfolgt, kann das diesbezügliche
Dementi des Beiratsmitglieds Wolfgang Nolz nicht hundertprozentig
glauben: Der pensionierte Sektionschef im Finanzministerium war
jahrzehntelang bekannt für sein delikates Austarieren
unterschiedlicher (partei-)politischer Wünsche. Dass sich die Politik
über eine Beiratsempfehlung hinwegsetzt, ist auch nichts Besonderes:
So hat die Regierung bis dato keine einzige Empfehlung der
mittlerweile sanft entschlafenen Bioethikkommission aufgegriffen.
Das Thema bei den Kasinolizenzen ist ein anderes: Was gedenken die
neuen Lizenzen-Besitzer zum Thema Spielsuchtbekämpfung beizutragen?
Wo sind die Konzepte, um das eigentliche Problem der illegalen
Hinterzimmer-Automaten in den Griff zu bekommen? Was wurde aus dem
nie installierten ressortun-abhängigen "Glücksspiel-Beirat" mit
Suchtexperten, namhaften Juristen, gar Fachleuten aus dem Ausland,
der kommen sollte, als der EuGH das Glücksspielmonopol kippte? Wie
wurden jene zig Millionen Euro aus der Glücksspielabgabe eingesetzt,
die per Gesetz für Präventions- und Therapiemaßnahmen vorgesehen
sind? Hat irgendwer in diesem Land eine Idee, wie man die Zockerei im
Internet in den Griff bekommen kann - ein völlig unerforschtes Feld
finanzieller und psychischer Verheerungen, obwohl dafür öffentliche
Gelder im Finanzministerium bereitlägen.
Transparenz ist auch hier das Thema: Aus welchem Grund wird
monatelang der Geheimnisschleier über die Lizenzvergabe geworfen?
Warum zierte sich das Finanzministerium, die Namen und
Qualifikationen der Mitglieder
des von Nolz geführten ressortinternen █Beirats zu nennen? Vielleicht
aus Angst vor Interventionen? Schwingt da bereits Misstrauen
gegenüber Leuten mit, die man eigentlich eingesetzt hat, um ihrem Rat
zu vertrauen?
In Österreich leben 60.000 Spielsüchtige. Das ist im Vergleich zu
Alkoholsucht ein Klacks: 340.000 Österreicher gelten laut WHO als
alkoholkrank, 735.000 Personen als gefährdet. Dennoch: Laut einer
aktuellen Untersuchung bringt ein Spielsüchtiger im Durchschnitt
sieben weitere Personen in seinem Umfeld in Bedrängnis - so gesehen
ist das Problem erheblich größer. Es ist Aufgabe des Staates, es
nicht noch weiter zu vergrößern.
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