Auch neuer Pendlerrechner bringt realitätsferne Ergebnisse Kalliauer: Statt weiter herumzudoktern endlich Förderung ändern

Linz (OTS) - Die heftige Kritik der Arbeiterkammer zeigte Wirkung:
Das Finanzministerium hat vor einigen Tagen eine überarbeitete Version des Pendlerrechners online gestellt. Erste Abfragen zeigen jedoch: Die gröbsten Mängel der ersten beiden Versionen wurden zwar beseitigt, der Rechner liefert aber weiterhin abstruse Ergebnisse. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer pocht auf eine grundlegende Änderung der Pendlerförderung: "Die Pendlerentschädigung soll sich nur mehr nach der Entfernung richten und nicht nach dem Einkommen. Das wäre wesentlich gerechter und die Berechnung wesentlich einfacher." Der Freibetrag müsste dazu nur in einen Absetzbetrag umgewandelt werden. Die AK wird weiter Druck machen.

Chaos, Tohuwabohu und Pflanz rund um den Pendlerrechner: Zuerst wurde der Rechner wochenlang nicht in Betrieb genommen. Deshalb haben viele Unternehmen das Pauschale bei der Lohnverrechnung ausgesetzt. Dann ging der Rechner endlich in Betrieb, lieferte aber bei vielen Arbeitswegen kuriose Ergebnisse. Das Finanzministerium lenkte ein und stellte jetzt den neuen Pendlerrechner ins Netz. Erste Tests zeigen:
Die schlimmsten Mängel sind weg, aber der Rechner gibt noch immer absurde Strecken an.

Ein Beispiel: Viele Pendler/-innen aus dem nördlichen Bezirk Gmunden, die nach Linz zur Arbeit fahren, nehmen dazu den Zug ab Attnang-Puchheim. Dorthin gelangen sie mit dem Auto (Park&Ride-Parkplatz). Mit dem Pendlerrechner werden sie in vielen Fällen zu anderen Bahnhöfen (z.B. Schwanenstadt) oder Haltestellen (z.B. Wankham) geschickt. Was in der Realität abstrus ist: Wankham zum Beispiel hat keinen offiziellen Parkplatz. Mit der "Destination" Schwanenstadt fährt man genau in die entgegengesetzte Richtung und damit "mit der Kirche ums Kreuz". Und noch absurder: Mögliche Busverbindungen (z.B. Laakirchen - Attnang-Puchheim) zeigt der Rechner in diesen Fällen gar nicht an.

"Mit dem neuen Pendlerrechner wurde bestenfalls das Chaos der vergangenen Monate beseitigt, die Pendlerförderung selbst bleibt kompliziert und voller Ungerechtigkeiten", sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer und fordert: "Weg mit dem Pendlerrechner und der jetzigen Förderung. Her mit einem kilometerabhängigen Pendlergeld als steuerlichem Absetzbetrag, der die Pendler wirklich entlastet." Der Absetzbetrag würde einfach von der zu bezahlenden Steuer abgezogen. Der derzeit geltende Freibetrag hingegen verringert die Steuerbemessungsgrundlage und begünstigt damit Höherverdienende weit mehr als Geringverdiener/-innen - eine eklatante Ungerechtigkeit. In Zukunft soll sich also die Pendlerentschädigung nur mehr nach der Entfernung richten und nicht nach dem Einkommen.

Eine solche neue Regelung würde nicht nur den Pendlern/-innen helfen, sondern auch dem Staat Kosten ersparen. Statt eines sündteuren Pendlerrechners, der wahrscheinlich auch nach der zehnten Überarbeitung noch nicht wirklich funktionieren wird, genügt ein einfacher Routenplaner im Internet.

Wichtige AK-Tipps zum neuen Pendlerrechner

- Neue Abfrage: Egal ob man den alten Pendlerrechner schon benutzt hat oder nicht: Eine neue Abfrage kann sich in vielen Fällen auszahlen. Heuer gilt jedenfalls das für die Pendlerin / den Pendler bessere Ergebnis der Abfragen.

- Lohnabrechnung: Wer Pendlerpauschale und Pendlereuro bei der monatlichen Lohnabrechnung berücksichtigen lässt, muss den (neuen) Ausdruck des Pendlerrechners bis spätestens 30. September 2014 bei der Arbeitgeberin / beim Arbeitgeber abgeben. Tun Pendler/-innen das nicht, so können sie das Pauschale und den Pendlereuro im Zuge der Arbeitnehmerveranlagung 2015 geltend machen.

- Verschlechterung durch neuen Rechner: Kommt es durch den neuen Pendlerrechner im Einzelfall zu einer Verschlechterung gegenüber dem alten Pendlerrechner, kann bis Ende 2014 der Ausdruck des alten Pendlerrechners weiterberücksichtigt werden. Ab dem Jahr 2015 ist aber dann der Ausdruck des neuen Pendlerrechners zu verwenden.

- Falsche Ergebnisse: Wenn auch der neue Pendlerrechner völlig falsche oder gar keine Ergebnisse liefert, kann man zumindest im Wege der Arbeitnehmerveranlagung das zustehende Pendlerpauschale und den zustehenden Pendlereuro beantragen. Aber Achtung: "Falsch" im Sinne des Pendlerrechners ist ein Ergebnis nicht schon dann, wenn es nicht mit der tatsächlichen Routenwahl der Pendlerin oder des Pendlers übereinstimmt. Nur wenn etwa die errechneten Fahrtzeiten überhaupt nicht den tatsächlichen Fahrtzeiten entsprechen oder wenn errechnete Fahrtstrecken in keinerlei Zusammenhang mit den tatsächlichen Kilometern stehen, ist es ein "falsches" Ergebnis.

- Unstimmigkeiten: Die Arbeiterkammer wird auch weiterhin am Thema "Pendlerrechner" dranbleiben. Melden Sie sich, wenn Ihnen beim neuen Pendlerrechner noch immer etwas "faul" vorkommt. Mail an lohnsteuerberatung@akooe.at genügt.

Rückfragen & Kontakt:

Arbeiterkammer Oberösterreich, Kommunikation
Mag. (FH) Wolfgang Spitzbart
Tel.: (0664) 85 00 545
mailto: wolfgang.spitzbart@akooe.at
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