• 24.06.2014, 14:26:23
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Leitl: Auch in Zeiten der Krise gilt es, Kontakte und den Dialog zu pflegen

Die EU und Russland stehen vor selben wirtschaftlichen Herausforderungen: Beide Regionen sind jene mit dem schwächsten Wirtschaftswachstum weltweit

Utl.: Die EU und Russland stehen vor selben wirtschaftlichen
Herausforderungen: Beide Regionen sind jene mit dem
schwächsten Wirtschaftswachstum weltweit =

Wien (OTS/PWK424) - Anlässlich der Rede des russischen Präsidenten
Wladimir Putin vor Unternehmensvertretern und Medien im Rahmen seines
Besuchs in Österreich betonte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph
Leitl, dass "die Wirtschaft immer schon Brückenbauerfunktionen
innehatte." Auch in Zeiten der Krise gelte es, Kontakte und vor allem
den Dialog zu pflegen. In diesem Sinne sehe er auch das Treffen von
Bundespräsident Heinz Fischer mit dem russischen Präsidenten. Konkret
seien gute wirtschaftliche Beziehungen auch die Basis für politische
Stabilität. Durch die enge Verflechtung des europäischen mit dem
russischen Wirtschaftsraum sei es daher für beide Seiten wichtig,
diese nicht unbedacht aufs Spiel zu setzen.

Die Europäische Union und Russland stehen zurzeit vor denselben
wirtschaftlichen Herausforderungen. Beide Regionen sind jene mit dem
schwächsten Wirtschaftswachstum weltweit und kämpfen gegen steigende
Arbeitslosenzahlen sowie steigende Budgetdefizite, so Leitl. Gerade
in Hinblick auf diese Probleme gelte es, wirtschaftlich miteinander
und nicht gegeneinander zu arbeiten, um im globalen Wettbewerb nicht
auf der Strecke zu bleiben. Jede negative Maßnahme einer Seite
fordere Gegenmaßnahmen der anderen heraus und letztendlich profitiere
niemand davon, vielmehr schade sie beiden Partnern. Daher sei es umso
wichtiger, über den wirtschaftlichen Dialog wieder zum politischen
Dialog im Sinne der Friedenssicherung zu finden.

In Bezug auf die Debatte über schärfere Sanktionen gegenüber einem
Wirtschaftspartner müsse man sich daher die Frage stellen, ob man
damit den Menschen, ihren Arbeitsplätzen und den betroffenen kleinen,
mittleren, aber auch großen Unternehmen diene oder mehr schade. Das
Handelsvolumen der Europäischen Union mit Russland beläuft sich auf
rund 300 Mrd. Euro, jenes der USA mit Russland macht nur ein Zehntel
davon aus. Daher hätte eine Ausweitung von Sanktionsmaßnahmen viel
weitreichendere Auswirkungen auf die europäische Bevölkerung als auf
die US-amerikanische. Weitblickend gedacht, müsse man daher umso mehr
auf den Dialog setzen. Österreich habe diesbezüglich eine lange
Tradition, die auch schon zu Zeiten des "Kalten Krieges" oder im Zuge
des Umbruchs in Osteuropa vor 25 Jahren erfolgreich vermittelnd
agiert habe.

Die Wirtschaft habe diese Funktion jetzt teilweise übernommen,
weil sie in globalen Dimensionen denke und agiere. Die Politik sei
diesbezüglich noch zu oft in nationalen Interessen gefangen. Daher
sei der Dialog umso wichtiger. "Es wäre ein wichtiger Schritt,
wirtschaftlich das zu verbinden, was politisch noch getrennt ist. Die
Wirtschaft hat Visionen. Wir verhandeln gerade ein
Freihandelsabkommen mit den USA. Was spricht dagegen, auch über ein
solches Abkommen für einen Wirtschaftsraum von Lissabon bis nach
Wladiwostok zu reden?", so Leitl. "Wir ergänzen uns mit unseren
östlichen Nachbarn hervorragend in Punkto Technologie, Ressourcen,
den Talenten seiner Menschen und auch einer ähnlichen Mentalität. In
diesem Sinne steht daher der wirtschaftliche Dialog vor dem Zwist und
ich hoffe, dass diese Begegnung zu mehr Gemeinsamkeit, Verständnis,
Vertrauen und letztendlich zu mehr Frieden führt", so Leitl
abschließend. (BS)

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