• 14.06.2014, 10:16:01
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Europäische Seniorenunion: Becker, Karas, Prenner und Van Hecke mit Expertenvorträgen bei Sommerakademie in Wien

"Voneinander lernen für ein besseres Europa" - Senioren-Führungskräfte aus 16 EU-Ländern diskutieren Zukunft der Europäischen Union

Utl.: "Voneinander lernen für ein besseres Europa" -
Senioren-Führungskräfte aus 16 EU-Ländern diskutieren Zukunft
der Europäischen Union =

Wien (OTS) - Am zweiten Tag der Sommerakademie der Europäischen
Seniorenunion für Senioren-Führungskräfte aus 16 EU-Ländern in Wien
standen gestern, Freitag, vor allem Expertenvorträge im Mittelpunkt.
Nach den Berichten der Senioren-Organisationen aus 16 Ländern vom
Vortag wurde mit Experten erarbeitet, wie man die Europäische Union
"besser machen und näher zu den Bürgerinnen und Bürgern bringen
könne".

Die Einleitung des intensiven Arbeitstages übernahm Leif Hallberg
(Schweden), Vizepräsident der Europäischen Seniorenunion. Im folgte
Heinz K. Becker (Österreich), Generalsekretär des Österreichischen
Seniorenbundes und Europas einziger Senioren-Abgeordneter im
Europäischen Parlament.

Zum Thema "Das neue Europaparlament 2014" hielt Becker fest:

"Ich danke allen Landes-, Bezirks- und Ortsgruppen des
Seniorenbundes, von denen die entscheidende Unterstützung geleistet
wurde, dass die ÖVP als Nummer eins die EU-Wahlen gewinnen konnte und
dass ich als Europas einziger Senioren-Abgeordneter meine Arbeit im
Europaparlament im Sinne der Seniorinnen und Senioren weiterhin
fortsetzen kann."

Beckers Wahlkampagne hatte ihn in direkten Kontakt mit mehr als
100.000 Bürgerinnen und Bürgern gebracht - bei Referaten, Gesprächen
und Diskussionen bei mehr als 100 Veranstaltungen. Mit mehrfachen
Kommunikationsimpulsen konnten zudem über 11.000 Menschen über
E-Mail, Newsletter und facebook laufend über Inhalte, Themen und
Termine informiert werden.

Becker definierte zudem seine konkreten Ziele für die neue
Legislaturperiode im EU-Parlament sehr klar:

"Auf Grundlage einer Politik der verpflichtenden
Generationengerechtigkeit werde ich für die sichere soziale Zukunft
von Jung und Alt kämpfen. Ich werde meinen persönlichen Beitrag dazu
leisten, dass ein soziales Europa entwickelt wird - ohne jedoch auf
die nationale Zuständigkeit für die Gestaltung der Pensions-,
Gesundheits- und Pflegesysteme zu verzichten." Ende Juni werde sich
entscheiden, ob Becker neben dem Sozialausschuss auch den Ausschuss
für Sicherheits- und Bürgerrechte besetzen wird. Daneben wird er
parallel in den parlamentarischen Gruppen für Alternsfragen und
Pflegende aktiv tätig sein. Beckers Credo: "Die seniorenpolitischen
Konzepte und Forderungen des Österreichischen Seniorenbundes sind für
mich auch der europäische Arbeitsauftrag!"

Becker will im Herbst "Seniorenpolitische Plattform im
Europaparlament" initiieren

Eine spezielle Initiative von ESU-Präsidentin Dr. An Hermans wird
Becker ab Start der Herbst-Session gezielt aufgreifen:

"Gemeinsam mit den von den ESU-Mitgliedsländern nominierten
Europaabgeordneten dieser Länder will ich eine parlamentarische
Interessengruppe gründen, die künftig als seniorenpolitische
Plattform im Europaparlament die Durchsetzung legitimer
Seniorenanliegen aktiv unterstützten soll. Unser Ziel ist die volle
politische Mitbestimmung der älteren und der jüngeren Generationen in
einem europäischen Jugend- und Seniorenrat nach Österreichischem
Vorbild!"

Nach wichtigen Inputs des ehemaligen ESU-Präsidenten StS a.D. Dr.
Bernhard Worms zur Stärkung der demokratischen Mitsprache der
Bürgerinnen und Bürger Europas, zur Informations- und
Kommunikationspolitik und zur sozialen Sicherheit in Europa,
begrüßten die interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 16
europäischen Ländern Mag. Orthmar Karas, den Vizepräsidenten des
Europäischen Parlaments.

Karas: "Die Adressaten unserer Arbeit sind die Zukunft und die
Menschen. Unser Instrument dabei ist die Verantwortung."

Auch Karas ging einleitend auf die Wahlkampagne in Österreich ein.
Dabei dankte er ausdrücklich dem Senioren-Abgeordneten Heinz K.
Becker für dessen Einsatz: "Neben den Bauern haben die Senioren in
Österreich die erfolgreichste Zielgruppenarbeit geleistet." Auch in
anderen Ländern sei die Arbeit der Senioren-Organisationen besonders
wichtig und erfolgreich gewesen.

Zur laufenden Debatte um die Bestellung des
EU-Kommissionspräsidenten hielt Karas fest: "Was einige Staats- und
Regierungschefs in der aktuellen Situation bieten, ist ein Schlag ins
Gesicht der Menschen und der Bruch eines Wahlversprechens. Man muss
wegkommen von einer EU der Hinterzimmer zu einer EU der Bürgerinnen
und Bürger. Am 26. Juni muss daher Juncker nominiert werden. Dann
entscheidet das Europaparlament - und nicht die einzelnen
Regierungen."

Zur Zukunft der EU betonte Karas: "Wir müssen die EU
handlungsfähiger machen! Die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger an
die EU sind umfassender als die bisherigen EU-Kompetenzen. Die
Menschen wollen eine starke Rolle der EU in der Welt - für Frieden,
für Wachstum, für Sicherheit. Dazu muss die EU eine gemeinsame
Außen-, Sicherheits- und Wachstumspolitik machen dürfen. Unsere
Zukunft ist eng mit der Zukunft der Welt verknüpft. Dort also, wo die
EU handelt muss, braucht sie Kompetenzen und Geld!"

Karas weiter: "Wir müssen die Wettbewerbsfähigkeit der EU stärken.
Aber den Wettbewerb kann man nicht über den Preis gewinnen. Gewinnen
wird man, weil man besser ist. Besser bei sozialen Standards, bei
Gehältern, Umweltstandards und Sicherheit. Wir müssen produktiver,
innovativer und mobiler sein als die anderen. Bei Bildung, Forschung
und Innovation müssen wir Weltmeister werden!"

Karas abschließend: "Die EU ist nicht nur eine Freihandelszone -
sie ist für mich vor allem eine Wertegemeinschaft. Die Adressaten
unserer Arbeit sind die Zukunft und die Menschen. Unser Instrument
dabei ist die Verantwortung!" Die Übernahme von Verantwortung - in
Politik wie im Privaten - sei stärker als Populismus und stärker als
Einzelinteressen. Mit dem Wahltag dürfe die Kommunikations-Tür zu den
Bürgerinnen und Bürgern nicht zugehen, es müsse vielmehr eine neue
Tür der Kommunikation, Zusammenarbeit und Einbindung zu den Bürgern
aufgehen. Dabei sei auch die Arbeit der Senioren-Organisationen
Europas besonders wichtig.

IV-Brenner: "Nur mit genügend Arbeitsplätzen und Wertschöpfung
kann unser System der sozialen Marktwirtschaft erhalten werden!"

Mag. David Brenner, Bereichsleiter für Finanzen, Personal und
Organisation in der Österreichischen Industriellenvereinigung (IV)
betonte die Notwendigkeit "den Lebensstandard in Europa zu erhalten"
als oberstes Ziel. Ausführlich beleuchtete er aktuelle Europa-Zahlen
zu Verschuldung der Staaten, Wettbewerbsdaten und Bürokratieaufwand:

"Die große Krise ist vorbei, aber die Schwierigkeiten bleiben. Es
bleiben hohe Schuldenberge, auch langfristig niedriges Zinsniveau und
weiterhin hohe Arbeitslosigkeit. Doch fest steht: Nur wenn wir in
Europa genügend Arbeitsplätze und genügend Wertschöpfung halten
können, werden wir unser System der sozialen Marktwirtschaft auch
erhalten können", so Brenner weiter.

Auch Brenner plädierte wie seine Vorredner für eine stärkere
Koordinierung in Europa. "Eine gemeinsame Währung kann ohne
politische Union und ohne gemeinsame Fiskalpolitik nicht
funktionieren." Zudem sei eine stärkere Trennung der Banken und
deutlicher Bürokratieabbau für Unternehmen dringend erforderlich.
Auch verlangte er, die EU-Pläne zur "Re-Industrialisierung Europas"
umzusetzen.

Van Hecke analysiert Europa-Wahlen: "Nicht eine Wahl, sondern
28 Wahlen. 54plus in ganz Europa mit größter Wahlbeteiligung."

Prof. Steven Van Hecke (Belgien), Assistenzprofessor an der KU
Leuven, bildete den Abschluss des intensiven Lern- und
Diskussionstages der 5. Sommerakademie der Europäischen Seniorenunion
für Senioren-Führungskräfte in Wien:

Eingangs analysierte er die Wahlen zum Europäischen Parlament an
sich: "In 28 verschiedenen Ländern werden nach 28 verschiedenen
Wahlordnungen an verschiedenen Tagen Wahlen durchgeführt. Dabei
unterscheiden sich die Wahlen hinsichtlich der Bestimmungen zu
Listenerstellung, Wahlpflicht oder eben nicht, Wahlalter - das von 16
in Österreich bis zu 21 in anderen Staaten reicht, sowie hinsichtlich
Mindestgrenzen für einen Einzug in das Europaparlament. Man hat also
nicht eine Wahl, sondern 28 verschiedene Wahlen - daher so genannte
'second order' nationale Wahlen."

Nach einem ausführlichen Vortrag über die Entwicklung der
Europawahlen im Laufe der Jahrzehnte und seiner umfassenden
Einschätzung zu den aktuellen Vorgängen zur Nominierung des neuen
EU-Kommissionspräsidenten, ging Van Hecke ausführlich auf die Analyse
der Wahlbeteiligung ein:

"Insgesamt ist die Wahlbeteiligung in Europa diesmal nicht weiter
gesunken, sondern stabil geblieben. Allerdings zeigt sich ein
deutlich differenziertes Bild, wenn man die Wahlbeteiligung nach
Altersgruppen bewertet. Ab der Altersgruppe der 45- bis 54jährigen
beginnt die Wahlbeteiligung deutlich zu steigen. Ab 55 Jahren liegt
die Wahlbeteiligung in Europa deutlich über 50 Prozent." Dies sei
neben anderen Faktoren gewiss auch der Kommunikationsarbeit der
Senioren-Organisationen Europas zu verdanken, wozu Van Hecke den
Senioren-Führungskräften der teilnehmenden 16 EU-Mitgliedsstaaten
ausdrücklich gratulierte.

Die Experten-Vorträge wurden von umfassenden Diskussionen mit den
Teilnehmerinnen und Teilnehmern begleitet. Am heutigen Samstag endet
die 5. Sommerakademie der Europäischen Seniorenunion für
Führungskräfte in Wien. Gemeinsam werden am letzten Seminartag die
Ergebnisse der intensiven Arbeitstage zusammengefasst und daraus
konkrete Arbeitsprogramme abgeleitet. ESU-Präsidentin em. Prof. Dr.
An Hermans fasste die Ergebnisse zusammen:

"Wir wollen voneinander lernen, um die EU besser zu machen. Wir
Senioren-Organisationen werden noch enger zusammenarbeiten und uns
direkt mit Europa-Abgeordneten unserer Länder verknüpfen. Damit
stellen wir die direkte Verbindung zwischen den Bürgerinnen und
Bürgern und den europäischen Institutionen her. Damit übernehmen wir
unseren Teil der Verantwortung - für ein Europa der Menschen, für die
direkte Mitsprache der älteren Generationen in Europa!

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