- 09.06.2014, 11:32:33
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Bewegt euch endlich! MKV Fordert bildungspolitische Reformen
Beim Jahrestreffen des Mittelschüler-Kartell-Verbandes wurde in Villach heiß diskutiert

Utl.: Beim Jahrestreffen des Mittelschüler-Kartell-Verbandes wurde
in Villach heiß diskutiert =
Villach (OTS) - Der Mittelschüler-Kartell-Verband verwandelte dieses
Jahr Villach in ein buntes Farbenmeer. Kartellvorsitzender Mag.
Helmut Kukacka freute sich: "Über 1700 Teilnehmer haben Pfingsten
genutzt um zum Thema Bildung und Wissenschaft konkrete Forderungen zu
erarbeiten." Bei der Delegiertenversammlung wurden fünf Forderungen
zur Schul- und Bildungspolitik beschlossen.
"Wir wollen eine neue Lehrerausbildung, die Schulautonomie stärken,
und verlangen eine Zentralmatura neu, die auch die Schule vor Ort
einbindet! So wie es jetzt läuft, kann es nicht weitergehen." stellt
MKV-Jugendobmann Peter Stellenberger klar. " 'Politik raus aus der
Schule' ist eine Forderung die 2014 aktueller ist denn je:
Direktorenbestellungen laufen nicht transparent ab und
Bildungsdefizite werden vertuscht. Schulen dürfen nicht zur roten
Spielwiese der Bildungsministerin werden." so Stellenberger.
Den Abschluss des dreitägigen Pennälertages bildete ein großer
Festkommers in der Stadthalle Villach. Die Festrede hielt dieses Jahr
der extra aus New York angereiste 34jährige Leo Burchardt mit dem
kritischen Titel "Internationale Karriere - trotzt österreichischem
Bildungssystem?".
Der MKV ist der größte Schüler- und Absolventenverband Österreichs.
Er hat 165 Verbindungen mit insgesamt 20.000 Mitgliedern.
Die Resolution im O-TON:
1. Die beste Ausbildung für zukünftige Lehrer!
Österreichs Konferenzzimmer stehen vor einem Generationenwandel. Um
junge Menschen für den Lehrerberuf motivieren zu können, braucht es
neben einem positiven Image auch attraktive Rahmenbedingungen. Eine
optimale Lehrerausbildung kann aus Sicht des MKV nur
schulartenspezifisch erfolgen, für die höheren Schulen soll sie
jedenfalls an Universitäten absolviert werden müssen.
Mit der Lebenszeit junger Menschen ist sorgsam umzugehen. Daher soll
am Beginn eines Lehramtsstudiums mittels standardisierter Tests die
Eignung und die Begeisterung für den Beruf als Lehrer abgeklärt
werden. Aufbauend auf einer fundierten fachlichen und
fachdidaktischen Ausbildung soll eine Schulung im
pädagogisch-sozialen Bereich mit Schwerpunkt auf Softskills wie
Rhetorik und Konfliktmanagement anschließen, um so junge Menschen
optimal auf den Schulalltag vorzubereiten.
2. Begabungsförderung zum Schwerpunkt machen!
Besondere Talente müssen zur vollen Entfaltung gebracht werden
können, denn Österreichs Wohlstand von morgen ist auf sie angewiesen.
Dazu braucht es nicht nur Lippenbekenntnisse, sondern vor allem auch
speziell für das Erkennen und Fördern von Hochbegabungen ausgebildete
Lehrkräfte sowie die dafür notwendigen Ressourcen. Aber auch junge
Menschen, die besonderen Förderbedarf haben, müssen diese gezielte
Förderung weiterhin erhalten! Auch wenn sie mit deutlich höherem
Personalaufwand verbunden ist. Österreichs Sonderschulwesen leistet
einen wichtigen und unersetzbaren Beitrag, der weder einer
Inklusionseuphorie noch dem Sparstift geopfert werden darf.
3. Schulautonomie stärken!
Österreichs Schulen muss wesentlich mehr Autonomie bei der Verwendung
ihrer Mittel eingeräumt werden. Die ausschließliche Finanzierung des
Schulsystems über "Kopfquoten" ist nicht mehr zeitgemäß, vielmehr
sollen jeder Schule entsprechend ihres sozioökonomischen Hintergrunds
die dafür notwendigen Budgetmittel und Personalressourcen zur
Verfügung stehen. Aber auch in der inhaltlichen Ausrichtung der
Schule muss den Schulpartnern vor Ort mehr Mitspracherecht eingeräumt
werden, insbesondere bei ganztägigen Betreuungsangeboten, der
geplanten Zentralmatura und bei Direktorenbestellungen.
Hochwertige und flexible Betreuungsplätze statt verpflichtender
Ganztagsschule!
Qualität hat auch hier Vorrang vor Quantität. Nicht überall ist der
Bedarf an ganztägigen Schulformen und Betreuungsangeboten gleich,
große Unterschiede werden etwa zwischen Schulen in städtischen und
ländlichen Regionen deutlich. Daher fordert der MKV Wahlfreiheit und
flexible, auf die Bedürfnisse der Eltern Rücksicht nehmende Schul-
und Betreuungsangebote. Voraussetzung dafür ist eine massive
Investition in die bestehende Infrastruktur an vielen Schulstandorten
(Stichwort Schulbau, Stichwort Bewegungsmöglichkeiten).
Mit teilzentraler Matura Schulschwerpunkte berücksichtigen!
Im Zuge der heurigen Zentralmatura, die in einigen Fächern erstmalig
durchgeführt wurde, zeigten sich sowohl im Unterrichtsministerium als
auch im für die Durchführung der Zentralmatura zuständigen BIFIE
organisatorische Pannen und inhaltliche Schwächen der Sonderklasse.
Unter solchen Bedingungen ist an eine Zentralmatura an allen
AHS-Standorten im nächsten Jahr nicht zu denken. Der MKV wiederholt
seine Forderung, dass im Rahmen einer "teilzentralen" Reifeprüfung in
einem ersten Teil der Klausuren Grundkompetenzen bundesweit gleich
abgefragt werden sollen, dass aber darüber hinaus in einem zweiten
Teil für unterschiedliche Schulschwerpunkte unterschiedliche
Fragestellungen möglich sein müssen!
Direktorenbestellungen transparenter machen!
Je breiter die Entscheidungsbasis und je transparenter der
Findungsprozess bei Direktorenbestellungen abläuft, desto besser
können diese im Sinne einer erfolgreichen Schule wirken. Der MKV
fordert daher, dass auch Schülerinnen und Schüler in den Prozess der
Direktorenbestellung eingebunden werden.
4. Politische Bildung als Pflichtfach!
Regelmäßig wird durch Befragungen ein erschreckendes Unwissen im
Bereich der Politik und der Staatsinstitutionen sichtbar. Dem soll
mit einem Pflichtfach "Politische Bildung" Rechnung getragen werden.
In diesem Fach soll das Zusammenwirken der einzelnen Ebenen und
Institutionen von der Gemeinde ausgehend bis zur Europäischen Union
gelehrt werden. Keinesfalls darf aber das Fach "Politische Bildung"
für Ideologisierung oder gar Indoktrinierung missbraucht werden.
5. Bildungsdefizite nicht vertuschen!
Die Unterrichtministerin lässt verlauten, dass sie nun doch die PISA
Studie im Jahr 2015 durchführen möchte, allerdings alle anderen
Studien wie etwa PIRLS und TIMSS am Ende der Volksschule oder die
Bildungsstandards in der 4. Klasse Volksschule und in der 4. Klasse
AHS bzw. NMS/HS weiterhin gestrichen bleiben. Der Grund liegt auf der
Hand: Diese Studien belegen, dass Bildungsdefizite vor allem im
ersten Lebensjahrzehnt entstehen, dass diese aber im Zeitfenster von
10 bis 14 Jahren durch das differenzierte Schulsystem signifikant
verringert werden können. Der MKV fordert daher die
Unterrichtsministerin auf, neben der PISA-Studie auch alle weiteren
internationalen Bildungsstudien durchführen zu lassen!
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