- 27.05.2014, 11:00:36
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Täglich rund 5 Verletzte!

Wien (OTS) - Jahr für Jahr kommt es in Österreich zu folgenschweren
Grill-Unfällen. Die meisten lassen sich durch einfache
Sicherheitsvorkehrungen vermeiden. Die Experten des KFV (Kuratorium
für Verkehrssicherheit) und der österreichischen
Brandverhütungsstellen zeigen Gefahren auf und informieren über den
richtigen Umgang für ein sicheres Grillvergnügen.
Mit den ersten warmen Frühlingstagen hat die Saison für Grillfans
in Österreich längst wieder begonnen. Leider endet Österreichs
beliebtestes Freizeitvergnügen aber allzu oft nicht mit einem
Festessen, sondern im Krankenhaus. Rund 900 Österreicher verletzen
sich jedes Jahr beim Grillen so schwer, dass sie im Krankenhaus
behandelt werden müssen. Umgerechnet auf die Grillsaison von April
bis September sind das rund fünf Personen, die sich pro Tag beim
Grillen verletzen. Mehr als jeder zweite spitalsreif verletzte
Hobbygriller (56 Prozent) zieht sich dabei Verbrennungen zu, oft
deshalb, weil aus Ungeduld zu Spiritus oder Benzin als Zündhilfen
gegriffen wird. "Fehlendes Wissen, Leichtsinn und ungeeignete
Grillausrüstung verursachen Jahr für Jahr folgenreiche Unfälle mit
schwerwiegenden Folgen", erläutert Dr. Armin Kaltenegger, Leiter des
Bereiches Recht & Normen im KFV.
Neben Verbrennungen kommt es vor allem auch zu Schnitt- und
Sturzverletzungen: 24 Prozent der Verletzten ziehen sich offene
Wunden zu. Klassische Verletzung dabei ist der Schnitt mit dem Messer
bei den Vorbereitungsarbeiten. Aber auch Stichverletzungen mit
Grillgabeln sind keine Seltenheit. Zu Knochenbrüchen (10 Prozent),
Sehnen- und Muskelverletzungen (3 Prozent) kommt es häufig dann, wenn
Grill-Liebhaber über scheinbar harmloses Grill-Zubehör oder das
Grillgerät stolpern. Der Kohlensack, Holzstöße oder Gartenmöbel
werden dann zur Stolperfalle.
Grillen ist Männersache - Grillunfälle auch!
Dass das Grillen in Österreich noch immer fest in männlicher Hand
ist, bestätigt eine aktuell durchgeführte Umfrage des KFV: "Das
tatsächliche Grillen übernimmt bei uns der Mann", sagen rund 90
Prozent der Teilnehmer der Umfrage, während die Vorbereitungen zum
Grillen von Frauen erledigt werden (74 Prozent). Nicht verwunderlich
also, dass Grillunfälle auch eine Männerdomäne darstellen: Rund 80
Prozent der Verletzten sind Männer, etwa die Hälfte davon (46
Prozent) ist zwischen 20 und 40 Jahre alt. "Oft sind es Ungeduld und
Übermut, die nicht selten mit Alkoholkonsum eine explosive Mischung
beim Grillen ergeben. Wie Untersuchungen zeigen, wird das Grillen als
Ursache für schwere Verletzungen unterschätzt und zu wenig beachtet.
Unsere aktuelle Erhebung zeigt, dass rund 60 Prozent der Befragten
nur von einer sehr geringen bis mittelmäßigen Verletzungsgefahr beim
Grillen ausgehen", erkennt Kaltenegger die fehlende
Risikoeinschätzung in der Bevölkerung.
Dementsprechend leichtfertig ist auch der Umgang mit
Schutzmaßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen: Nur rund jeder zehnte
Befragte stellt beim Grillen Löschmaterial in Form einer Löschdecke
oder Feuerlöschern bereit. Immerhin mehr als 56 Prozent der befragten
verwenden für das Anzünden des Feuers Sicherheits-Grillanzünder.
Finger weg von flüssigen Brandbeschleunigern!
Auch aus Sicht der österreichischen Brandverhütungsstellen steht
bereits zu Beginn der Grillsaison fest, dass es im laufenden Jahr
wieder zu zahlreichen Grillunfällen kommen wird. Obwohl die Mehrzahl
davon glimpflich endet, münden viel zu viele davon in Bränden. Die
Ursachen sind vielfältig, fast immer sind jedoch Leichtsinn und
mangelnde Vorsicht im Umgang mit dem Griller mit im Spiel, wie Dr.
Arthur Eisenbeiss, Direktor der BVS-Brandverhütungsstelle für OÖ und
Sprecher der österreichischen Brandverhütungsstellen, erklärt: "Die
Erfahrungen aus der Brandursachenermittlung zeigen, dass der
Funkenflug aus Grillgeräten und die unsachgemäße Entsorgung der
Grillkohle in diesem Zusammenhang die häufigsten Brandursachen
darstellen." Auch durch zu geringe Sicherheitsabstände und umkippende
Grillgeräte würden immer wieder Brände verursacht.
Lebensgefährliche Verbrennungen durch Stichflammen und
Rückzündungen!
Eine ebenso große Gefahr wie das Auslösen von Brandgeschehen sind
beim Grillen auch die Brandverletzungen. "Die gefährlichsten
Situationen beim Grillen entstehen fast immer durch die Verwendung
von flüssigen Brandbeschleunigern", weiß Eisenbeiss: "Wenn das
Anzünden der Grillkohle besonders schnell gehen soll, folgt oftmals
der Griff zur Spiritusflasche oder zum Benzinkanister. Beidemale
handelt es sich um flüchtige Stoffe, die bereits während des
Wegstellens der Flasche zu verdunsten beginnen und dabei
hochexplosive Dämpfe bilden. Beim Anzünden kommt es dann zum
explosionsartigen Abbrand, durch die Stichflamme wird nicht selten
die Kleidung umstehender Personen entzündet."
Mindestens genauso gefährlich sind sogenannte Rückzündungen, die
beim Nachschütten brennbarer Flüssigkeiten auf die Grillkohle
auftreten können. Letzteres führe laut Eisenbeiss zu meterhohen
Stichflammen, die sich blitzschnell ausbreiten und dabei auch die
Dämpfe des in der Flasche verbleibenden Brandbeschleunigers entzünden
können. Besonders dramatisch werden diese Szenarien, wenn statt
Brennspiritus Benzin zur Anwendung kommt. "Die Benzindämpfe sind
schwerer als Luft und breiten sich rund um den Griller am Boden aus.
Kommen sie durch einen Zündfunken zur Explosion, steht der
"Grillmeister" innerhalb von Sekundenbruchteilen in einem Flammensee.
"Solche Situationen bedeuten dann höchste Lebensgefahr", warnt der
Brandschutzexperte. Alleine in das Zentrum für
Brandverletztenbehandlung am Unfallkrankenhaus in Linz werden jedes
Jahr zwei bis drei Opfer von Grillunfällen eingeliefert. Selbst wenn
durch moderne Behandlungsmethoden heute gute Chancen bestehen,
Schwerbrandverletzten das Leben zu retten, so bleiben sie dennoch
zumeist ihr Leben lang gezeichnet.
Nur Anzündriegel, Trockenspiritus oder Sicherheitsbrennpaste
verwenden!
BVS-Direktor Dr. Arthur Eisenbeiss rät daher eindringlich, auf die
Verwendung von flüssigen Brandbeschleunigern zu verzichten und zum
Anzünden der Grillkohle ausschließlich Sicherheitsbrennpasten oder
feste Anzündhilfen wie z.B. Anzündriegel und Trockenspiritus zu
verwenden. Sicheres Grillen beginne aber bereits beim Aufstellen des
Grillgeräts und ende erst beim Ablöschen der Grillkohle: "Der Griller
selbst muss stabil bzw. standsicher sein und mit ausreichendem
Abstand zu brennbaren Materialien aufgestellt werden. Wenn der
Griller unter einer Überdachung angeheizt wird, sollte diese so hoch
sein, dass sie auch bei Funkenflug nicht in Brand geraten kann.
Garagen sind als Unterstand nicht geeignet, weil sie im Regelfall nur
auf einer Seite geöffnet sind und daher die Gefahr einer
Kohlenmonoxid-Vergiftung besteht", warnt Eisenbeiss: "Nach dem
Grillen sollte die Kohle gänzlich mit Wasser geflutet werden, weil
sich andernfalls selbst in einem scheinbar ausgekühlten Griller bis
zu 72 Stunden lang noch Glutreste darin halten können."
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