• 26.05.2014, 12:14:23
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Militärexperte Karner: Energiewende fördert den Frieden

Schweden dank Massivholzprodukten und energetischer Biomasse-Nutzung klimaneutral

Utl.: Schweden dank Massivholzprodukten und energetischer
Biomasse-Nutzung klimaneutral =

Wien (OTS) - Zur Veranstaltung "Nachhaltiger Klimaschutz;
unverzichtbar - unaufschiebbar - erneuerbar" am 26. Mai lud der
Österreichische Biomasse-Verband zahlreiche Experten aus dem In- und
Ausland nach Wien ein. Neben den Themenblöcken Klimaschutz und dem
Beitrag der aktiven Waldbewirtschaftung stand auch die Auswirkung des
Klimawandels auf die Sicherheitspolitik auf der Vortragsagenda.

Umfrage: Neun von zehn Europäern halten Klimawandel für
ernstes Problem

Die in den vergangenen Jahrzehnten beobachtete Beschleunigung des
Klimawandels ist eine Herausforderung für die Klimapolitik. Die
Klimafolgen sind bereits spürbar: Erwärmung der Atmosphäre sowie der
Meere, Eismassenabbau, Hitzewellen und Hochwässer in Europa. "Ohne
zusätzliche Maßnahmen erwärmt sich die Erde bis 2100 um bis zu 4,8
GradC. Das 2-GradC-Ziel ist zwar noch erreichbar, jedoch bedarf es
sofortiger und radikaler Maßnahmen: Die Verringerung der
Treibhausgas-Emissionen um 40 bis 70 % bis 2050 und annähernde
Klimaneutralität bis 2100", erklärte Univ.-Prof. Martin Jänicke von
der Freien Universität Berlin, der als Review Editor am 5.
Weltklimabericht mitwirkte. Lösungsansätze sind: Erhöhung der
Energieeffizienz, Vervierfachung des Anteils kohlenstofffreier und
-armer Energieerzeugung und Landnutzungsänderungen, wie
beispielsweise Aufforstungen. "Technisch ist das Problem lösbar.
Klimapolitisch muss noch einiges getan werden, um die Prozesse
mittels Fördermaßnahmen zu beschleunigen", so Jänicke. "Die Kosten
dafür sind vergleichsweise gering - zwischen 0,04 bis 0,14 % des
jährlichen Zuwachses der Konsumausgaben für Güter und
Dienstleistungen. Es ist nun Zeit zu handeln!". Das sehen auch die
Europäer so: Neun von zehn gaben bei einer Umfrage der EU-Kommission
im März an, dass sie den Klimawandel für ein ernstes Problem halten -
69 % für ein "sehr ernstes". 80 % stimmten zu, dass Klimaschutz und
effiziente Energienutzung die Wirtschaft ankurbeln und Jobs schaffen
können.

EU-Energieversorgung zeigt deutliche Verwundbarkeit auf

Der Klimawandel und seine potenziellen Folgen sowie die
Energiesicherheit sind globale Herausforderungen mit enormer
sicherheitspolitischer Relevanz. Stabilität und Sicherheit im Sinn
einer friedlichen Entwicklung stehen in direktem Zusammenhang mit der
Energieproduktion. Die gegenwärtige Struktur des globalen
Energieverbrauchs, die nach wie vor stark von der Nutzung fossiler
Energieträger geprägt ist, hat daher nicht nur gravierende
Auswirkungen auf das globale Klima, sondern auch eine außen- und
sicherheitspolitische Dimension. "Die Energieversorgung der EU weist
bereits jetzt, u.a. durch die zunehmende relative Knappheit von Erdöl
und Erdgas, eine deutliche Verwundbarkeit auf", analysierte
Sicherheitsexperte Gerald Karner, Aventus GmbH. "Erschwerend kommt
hinzu, dass sich die Importabhängigkeit der EU28 bis 2030 von rund 47
auf 68 % erhöhen wird." Eine Energiewende stellt somit nicht nur ein
umweltpolitisches Erfordernis dar. Energieversorgungssysteme zählen
zu den kritischen Infrastrukturen in einem Staat und weisen
unterschied-liche Verwundbarkeiten auf - Atomkraftwerke zum Beispiel
eine hohe. Ein systematischer Ausbau erneuerbarer Energien (möglichst
verbrauchernah) kann einen Beitrag zur inneren Sicherheit darstellen.
Ferner ist laut Karner durch den massiven Rückgang an fruchtbaren
Böden und der Wasserverfügbarkeit als Folge des Klimawandels auch das
verstärkte Auftreten von regionalen Ressourcenkonflikten zu
befürchten. Durch die enge Beziehung zwischen Entwicklungen im
Energiesektor und dem Ausmaß des Klimawandels bildet sich ein
sicherheitspolitischer Klima-Energie-Komplex heraus, für den
integrierte Lösungsansätze zu suchen sind. "Werden diese nicht
schnell genug umgesetzt, drohen nicht nur lokal begrenzte
Ressourcenkonflikte, sondern auch überregionale.
Energieversorgungssysteme, die auf der Nutzung erneuerbarer Energien
beruhen, können bei einem systematischen und durchdachten Ausbau
neben einem ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen auch einen
friedenspolitischen Beitrag leisten", stellte Karner klar.

Aktive Waldbewirtschaftung ist unser Ass im Ärmel

"Durch die nachhaltige Waldbewirtschaftung und den Einsatz von
Holzprodukten sowie Bioenergie aus der schwedischen Forst- und
Holzwirtschaft konnten 2012 70 Mio. Tonnen THG-Emissionen eingespart
werden. Diese Menge entspricht dem gesamten THG-Ausstoß des Landes.
Um die schwedische CO2-Bilanz weiter zu optimieren, sollte sich die
Holznutzung auf Massivholzprodukte und Bioenergie konzentrieren. Die
Holzverwendung in Form von Papier und Zellstoff sollte nicht forciert
werden", kommentierte Horst Jauschnegg, Vorsitzender des
Österreichischen Biomasse-Verbandes, die im März vorgestellte Studie
"Potential Roles of Swedish Forestry in the Context of Climate Change
Mitigation". Veröffentlicht wurde diese von Waldbauprofessor Tomas
Lundmark, Schwedische Universität für Agrarwissenschaften (SLU) in
Umea. Durch eine stärkere Holzverwendung könnten die Einsparungen an
THG-Emissionen in Schweden auf 100 Mio. Tonnen THG pro Jahr
gesteigert werden. Der Beitrag zum globalen Klimaschutz würde dadurch
deutlich erhöht. Voraussetzung dafür ist eine verstärkte Substitution
fossiler Brennstoffe und energieintensiver Materialien durch Holz.
"Betrachtet man den Klimaschutz global und langfristig, ist die
aktive nachhalti-ge Waldbewirtschaftung unser Ass im Ärmel.

Werden bewirtschaftete Wälder aber großflächig 'außer Nutzung'
gestellt, fehlen Holzprodukte und der Rohstoff für Bioenergien. Diese
müssten durch zusätzlichen Einsatz von Kohle, Öl und Gas kompensiert
werden, was enorme CO2-Emissionen zur Folge hätte", so Jauschnegg.

Reserven des US-Schieferölgebietes Monterey um 96% gekürzt

Eine Kopie des strittigen US-amerikanischen Fracking-Booms ist für
Europa nahezu unmöglich. Schiefergas und -öl werden keinen
entscheidenden Beitrag zur Reduktion der fossilen
Energieimportabhängigkeit leisten können. Ihre Nutzung ist sowohl mit
ökologischen wie auch mit wirtschaftlichen Risiken verbunden - das
waren die Kernaussagen von Strategie-Berater Georg Günsberg. "Die
erhöhte Öl- und Gasproduktion der USA ist enorm, aber die Kernfrage
ist: Wie lange kann sie auf diesem hohen Niveau gehalten werden und
zu welchem Preis?", erklärte Günsberg. Der deutliche Anstieg des
US-Gaspreises in den vergangenen beiden Jahren zeigt, dass das
geringe Preisniveau auf Dauer nicht haltbar sein wird, denn auch die
Kosten für Fracking sind entsprechend hoch. Die sogenannten "Low
Hanging Fruits" sind bald geerntet. "Wie lange der Boom dauert, ist
generell fraglich", so Günsberg. "Vor wenigen Tagen erlebte
beispielsweise Kalifornien einen herben Rückschlag. Die
US-Energiebehörde EIA musste die Schätzung für förderbare Reserven
des wichtigsten Schieferöl-Gebietes Monterey um 96 % herunterstutzen.

Der kalifornische Traum des billionenschweren Öl-Geschäfts ist
damit vorerst geplatzt. Eine Strategie, die auf dem fossilen Boom
aufbaut, bietet sowohl für Regierungen und investierende Unternehmen
als auch für den Kapitalmarkt enorme Unsicherheiten." Der einzige
nachhaltige Weg, die Last hoher fossiler Importkosten im Sinne von
Klimaschutz, Versorgungssicherheit und eines wettbewerbsfähigen
Standortes zu reduzieren, ist der Ausbau erneuerbarer Energien und
die Verringerung des Energieverbrauchs.

Weitere Informationen, die Langfassungen aller Vorträge kompakt im
PDF-Format und Abbildungen sowie eine deutsche Übersetzung der
zitierten schwedischen Studie:
http://www.ots.at/redirect/klimaschutz

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