Neues Volksblatt: "Warm anziehen!" (von Manfred Maurer)

Ausgabe vom 13. Mai 2014

Linz (OTS) - Dieser Ohrwurm hat es in sich. Die schön-schmalzige Ballade, mit der Tom Neuwirth alias Conchita Wurst Österreich von 48 Jahren Song-Contest-Frust erlöst hat, wird nicht ohne Folgen bleiben. Auch und vor allem außerhalb der Kulturszene. Denn Wursts Song-Kontext ist kein bloß künstlerischer. Vielmehr dient die Inszenierung dieser homoerotischen Kunstfigur einer gesellschaftspolitischen Mission. Dass dadurch der Triumph von Kopenhagen erst möglich wurde, lässt sich empirisch nicht nachweisen, sehr wohl aber die missionarische After-Show-Penetration der politischen Landschaft: Bundespräsident und Bundeskanzler beklatschten wie Grüne und Neos nicht nur einen künstlerischen Erfolg, sondern auch einen Sieg der Toleranz.
Der geht auch in Ordnung. Aber nicht nur das homophobe Lager wird sich nach diesem Contest warm anziehen müssen. Auch so manche gesellschaftspolitische Position, die nicht zwingend dumpfer Homophobie entspringt, wird durch Wursts bewusstseinsverändernden Triumph nachhaltig erschüttert werden. Das aus verantwortungsethischer Überzeugung resultierende Bekenntnis zum Ideal der Mann-Frau-Ehe und zur Mutter-Vater-Kind-Familie wird wohl nicht der Phönix sein, welcher aus der Asche realer Beziehungsruinen aufsteigen wird.
Die Frage, ob Homosexuelle Kinder adoptieren dürfen sollen oder nicht, muss wohl als entschieden betrachtet werden.
Ist doch eh Wurst, oder?

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