• 09.05.2014, 11:22:43
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Nie wieder Krieg und trotzdem Kunst

Kulturminister Ostermayer eröffnet Ausstellung im Leopold Museum

http://www.apa-fotoservice.at/galerie/5362 Im Bild
v.l.n.r.: Stefan Kutzenberger (Kurator), Ivan Ristic (Kurator),
Franz Smola (Museologischer Direktor, interim.), Josef Ostermayer
(Bundesminister für Kunst und Kultur), Christian Strasser (Direktor
MuseumsQuartier), Elisabeth Leopold (Kuratorin und Vorstandsmitglied
LPM), Peter Weinhäupl (Managing Director LPM), Diethard Leopold
(Vorstandsmitglied LPM)

Utl.: Kulturminister Ostermayer eröffnet Ausstellung im Leopold
Museum =

Wien (OTS) - "Nie wieder Krieg!". Diesem flammenden Appell von
Ausstellungskuratorin Dr. Elisabeth Leopold stimmten die Besucher des
Leopold Museum anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "TROTZDEM
KUNST!" begeistert zu. Kulturminister Dr. Josef Ostermayer war
persönlich gekommen und hielt eine prägnante Rede anlässlich der den
Schicksalen österreichischer Künstler im Ersten Weltkrieg gewidmeten
Ausstellung.

Im Gedenken an "das traurige 100jährige Jubiläum" erinnerte
Ostermayer an die unterschiedlichen Erfahrungen der Künstler und
aller Menschen im Laufe des Krieges. Den Energien zu Beginn des
Konfliktes, dem Aufleben des Nationalismus folgten bald die
Ernüchterung, eine schwierige Zeit voller Verwirrung und Wut, die
"Enttäuschung des Krieges" wie Sigmund Freud 1915 analysierte. Der
Minister erinnerte an einen der bedeutendsten Gegner des Krieges,
Stefan Zweig, der der Überzeugung war, dass "noch niemals ein
Ereignis so viel kostbares Gemeingut der Menschheit zerstört habe, so
viele der klarsten Intelligenzen verwirrt" wie dieser Krieg.
Ostermayer erinnerte daran "wie wichtig ein friedvoller Umgang von
Menschen und Staaten ist."

Leopold Museum Direktor Franz Smola skizzierte die Ausstellung des
Leopold Museum als eine von mehreren Beispielen das Gedenkjahr 1914
anhand von Kunstausstellungen zu betrachten, wie das auch die
Bundeskunsthalle in Bonn vor kurzem in der Ausstellung "Die
Avantgarden im Kampf" getan hatte. Der Kurator dieser Ausstellung Uwe
M. Schneede, steuerte auch einen wichtigen Artikel im Katalog der
TROTZDEM KUNST! Ausstellung bei. Smola verwies auf das abrupte Ende
der dichten internationalen Beziehungen im Jahr 1914. Und trotz allem
entstand weiterhin bedeutende Kunst. Dem genialen Sammler Prof.
Rudolf Leopold sei es zu verdanken, dass das Museum heute für diese
Ausstellung aus dem Vollen schöpfen könne. Und es sei eine
vordringliche Aufgabe, die Sammlung Leopold II künftig an das Haus zu
binden. Denn aus dieser Privatsammlung der Familie dürfe das Museum
immer wieder großartige Leihgaben für Ausstellungen borgen.

Ausstellungskurator Ivan Ristic stellte im Sinne der
"Ungeschehenen Geschichte" von Alexander Demandt die verlockende
Frage des "Was wäre wenn?" Was wäre, wenn kein Ultimatum an Serbien
gestellt worden wäre, was wäre, wenn die serbischen Nationalisten nur
Tomaten auf Franz Ferdinand geworfen hätten, was wäre, wenn eine
reformierte Donaumonarchie weiter existiert hätte? All diese Fragen
des Ungeschehenen seien Teil unseres Lebens. Nietzsche sprach vom
glatten Eis "ein Paradeis für den, der gut zu tanzen weiß". Sein
besonderer Dank ging an die zeitgenössischen internationalen
Künstler, die mit ihren Arbeiten die Ausstellung bereichern.
Kurator Stefan Kutzenberger konstatierte, dass das Kommen der
hunderten Gäste zeige, dass "die Arbeit nicht umsonst war". Die
Ausstellung sei schön geworden und das sei bei weitem kein Eigenlob,
denn ein solches Projekt sei immer eine Gemeinschaftsarbeit
unzähliger Hände und Köpfe. Die Künstler, die auch im Krieg unbeirrt
weiter arbeiteten, verglich er mit dem tragischen Helden Don
Quichote, der als fahrender Ritter über das Land zog, als es außer
ihm schon längst keine Ritter mehr gab. Manche Künstler trieben auch
im Ersten Weltkrieg ihre Karriere voran. Schiele, ganz Originalgenie
im Sinne der Romantik, versuchte unablässig Ausstellungen zu
organisieren und sein eigens Werk zu vermarkten.

Mit dem eingangs erwähnten Appell "Nie wieder Krieg" sprach
Elisabeth Leopold von einer dezidierten Antikriegsausstellung. Das
Leid, das Gemetzel, die Blinden, Tauben und Krüppel, Resultat eines
unbarmherzigen Krieges und die Millionen Toten habe Albin Egger-Lienz
in seinem epochalen Werk "Finale" auf den Punkt gebracht. Die
konstruktiven Leichenfelder der Gefallenen wären Sinnbild der
entsetzlichen Tragik. Doch bei aller Grausamkeit des Krieges entstand
TROTZDEM KUNST! - der Leitsatz der Schau im Leopold Museum.

Zur Eröffnung kamen mit Bundesminister Dr. Josef Ostermayer Dr.
Florian Schulz und Dr. Sirikit Amann, Referenten für Kunst und
Kultur, Matthias Euler Rolle, der Pressesprecher des Ministers. Sich
die Eröffnung nicht entgehen lassen wollten Sektionschef Dr. Michael
Franz, MQ Direktor Dr. Christian Strasser, KHM Direktorin Dr. Sabine
Haag.

Die Gastgeber, Leopold Museum Managing Director Mag. Peter
Weinhäupl, Leopold Museum Vorstandsvorsitzender Dr. Helmut Moser
sowie die Leopold Museum Vorstandsmitglieder Dr. Diethard Leopold,
Dr. Andreas Nödl und AK Direktor Mag. Werner Muhm unterhielten sich
angeregt mit den anwesenden KünstlerInnen der Ausstellung Paola De
Pietri, Veronika Dreier, Raluca Popa, Franz Kapfer, Dmitri Gutov,
Marko Lulic und Rasa Todosijevic und tauschten sich mit Prof.
Florentina Pakosta, Linde Waber und Gerda Leopold aus. Gekommen waren
auch die Katalogautoren Dr. Carl Kraus und MMag. Stephan Pumberger.
Ebenfalls gesehen wurden Leonore Boeckl, Sammlerin Toyoko Hattori,
Verleger Niki Brandstätter, Restaurator Mag. Manfred Siems und viele
mehr.

Für die wunderbare musikalische Umrahmung sorgte das Hathor
Quintett - Stephanie Ko, Valerie Leopold, Ekaterina Timofeeva, Huan
Lin, Noemi Cavallo - mit dem 3. Satz aus Dmitri Schostakowitschs
Klavierquinttet in g-Moll auf virtuose Weise.

Im Anschluss an die Eröffnung lud Direktor Weinhäupl die
Ehrengäste in das Palais Strudlhof, einst Villa des Grafen Berchtold,
der dort im heute noch original erhaltenen getäfelten Salon das
Ultimatum an Serbien verfasste. Mag. Thomas Just, Direktor des Haus-,
Hof- und Staatsarchivs gab den Gästen eine Einführung zur
historischen Bedeutung des Ortes. Dr. Benedikt Spiegelfeld, Architekt
Markus Spiegelfeld, die Familien Huber und Zimpel, Nachfahren von
Gustav Klimt sowie Ausstellungsarchitekt Arnold Pastl (archiguards)
waren ebenfalls zu Gast.

Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/5362

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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