• 29.04.2014, 12:17:47
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Tag der Arbeit: Wer ist fair in der Schokoladeindustrie?

Südwind, PRO-GE, VKI und Greenpeace starten Kampagne "Make Chocolate Fair!"

Utl.: Südwind, PRO-GE, VKI und Greenpeace starten Kampagne "Make
Chocolate Fair!" =

Wien (OTS/ÖGB) - Der Weg von der Kakaobohne zur Schokoladetafel ist
lang und arbeitsintensiv und wird von wenigen international
agierenden Unternehmen gesteuert: Ca. 20 Mio. Menschen leben vom
Kakaoanbau, fünf Konzerne beherrschen den Kakaomarkt weltweit und
drei Viertel der in Österreich verarbeiteten Kakaobohnen stammen aus
Ghana und der Elfenbeinküste. Über zwei Millionen Kinder arbeiten
dort auf den Kakaoplantagen und davon rund ein Zehntel unter
sklavenähnlichen Bedingungen. Kleinbauernfamilien sind oft
ungeschützt den schwankenden Rohstoffpreisen am Weltmarkt ausgesetzt
und LohnarbeiterInnen auf Kakao-Plantagen müssen vielerorts
menschenunwürdigen und gesundheitsgefährdenden Bedingungen in Kauf
nehmen.++++

"Prekäre Arbeit, die einseitig Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
benachteiligt, gibt es aber auch am Ende der Produktionskette, in der
europäischen Schokoladenindustrie häufig in Form von Leiharbeit,
Werkverträgen, Niedriglöhnen und befristeten Arbeitsverhältnissen.
Wir Gewerkschaften fordern auch in diesem Bereich faire Arbeit und
soziale Mindeststandards sowie deren Dokumentation in einem
Sozialsiegel", so Gerhard Riess, Branchensekretär der Gewerkschaft
PRO-GE, heute bei einer Pressekonferenz von "Make Chocolate Fair!" in
Wien und weist darauf hin, dass die OECD Leitsätze für multinationale
Unternehmen hinsichtlich ihrer sozialen Verantwortung aufgestellt
hat. Diese Verantwortung müsse wahrgenommen werden - auch von
kleineren und mittleren Unternehmen in Europa. Faire Preise für
KakaoproduzentInnen würden dazu beitragen, der finanziellen
Spekulation im Kakaosektor entgegen zu treten und können deshalb auch
längerfristig den Rohstoffbereich stabilisieren, sowie mehr
ökonomische Sicherheit für die Unternehmen im Schokoladensektor
bewirken. "Mit fairen Preisen und Löhnen entsteht auch mehr
Sicherheit für die Arbeitsplätze in Europa", so Riess.

"Derzeit sind kaum 5% der Schokoladeprodukte im österreichischen
Handel so zertifiziert, dass man Ausbeutung und soziale Missstände in
der Produktion ausschließen kann" berichtet Bernhard Zeilinger,
Leiter der Südwind-Kampagne "Make Chocolate Fair!".

Zwar gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Gütesiegeln und
Auslobungen, die mit Begriffen wie "nachhaltig", "umweltfreundlich"
oder auch "regional" werben, diese sind aber gesetzlich nicht an die
Einhaltung bestimmter Bedingungen geknüpft. "Die Konsumentinnen und
Konsumenten brauchen Gütesiegel zur Orientierung. Was sie nicht
brauchen, ist eine Unzahl von Gütesiegeln, die das Blaue vom Himmel
versprechen. Ein Gütesiegelgesetz könnte den grassierenden Wildwuchs
eindämmen, sowie dazu beitragen, dass gewisse Standards eingehalten
und allzu vollmundige Versprechungen vermieden werden", stellt Peter
Blazek vom Verein für Konsumenteninformation, VKI, fest.

Der Greenpeace Online-Einkaufsratgeber marktcheck.at hat die in
Österreich erhältlichen Schokolade-Marken unter die Lupe genommen und
im Hinblick auf faire Produktionsbedingungen und biologische
Herstellung bewertet. "Wer Schokolade mit gutem Gewissen kaufen und
genießen will, muss zu Bio-Produkten mit FAIRTRADE-Siegel greifen. In
Maßen konsumiert ist das am besten für Mensch und Umwelt", rät
Greenpeace-Sprecherin Gundi Schachl.

Damit faire Schokolade in Zukunft zum Standard wird, wurde die
europaweite Kampagne Make Chocolate Fair! ins Leben gerufen. Deren
Forderungen können durch eine Petition auf at.makechocolatefair.org
unterzeichnet werden.
"Mit genügend Unterschriften wollen wir in Österreich auch
Marktführer Milka, mit ca. 60% Marktanteil zu einem Umdenken bewegen.
Dass möglich ist, beweisen Nestle und Mars, die einige ihrer Produkte
in Großbritannien bereits durch FAIRTRADE zertifizieren haben
lassen", schließt Zeilinger.

Hintergrundinformationen zum Downloaden:
Elektronische Pressemappe und druckfähiges Bildmaterial:
www.suedwind-agentur.ar/presseaussendungen

INFORMATION
Die Kampagne "Make Chocolate Fair!" setzt sich für fairen Handel in
der Schokoladeproduktion ein. Gemeinsam mit drei Organisationen in
Deutschland, Tschechien und Estland koordiniert Südwind die
europaweite Kampagne in 16 EU-Ländern und wird dabei von zahlreichen
gewerkschaftlichen, kirchlichen und entwicklungspolitischen
Organisationen unterstützt. Die Kampagne wird international von einer
wachsenden Zahl von Menschen und Initiativen aus Europa, Afrika und
Lateinamerika getragen. Die African Cocoa Coalition ist Mitträger der
Kampagne.
"Make Chocolate Fair!" wird von der Europäischen Union und der
Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, sowie der
Dreikönigsaktion gefördert. Die darin vertretenen Standpunkte stellen
in keiner Weise die offizielle Meinung der Fördergeber dar.
Südwind setzt sich als entwicklungspolitische
Nichtregierungsorganisation seit über 30 Jahren für eine nachhaltige
globale Entwicklung, Menschenrechte und faire Arbeitsbedingungen
weltweit ein. Durch schulische und außerschulische Bildungsarbeit,
die Herausgabe des Südwind-Magazins und anderer Publikationen
thematisiert Südwind in Österreich globale Zusammenhänge und ihre
Auswirkungen. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen, Kampagnen- und
Informationsarbeit engagiert sich Südwind für eine gerechtere Welt.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NGB

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