• 28.04.2014, 12:50:25
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  • OTS0143 OTW0143

Gemeinnützige: Kostenintensive Qualitätsauflagen im geförderten Wohnbau gefährden leistbares Wohnen

GBV und Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen richten Appell an Wohnungspolitik

Utl.: GBV und Bundesverband deutscher Wohnungs- und
Immobilienunternehmen richten Appell an Wohnungspolitik =

Wien (OTS) - Der Österreichische Verband gemeinnütziger
Bauvereinigungen (GBV) und der Bundesverband deutscher Wohnungs- und
Immobilienunternehmen GdW warnen vor den steigenden kostentreibenden
bautechnischen und energetischen Auflagen. Dadurch gerate nicht nur
leistbares Wohnen zunehmend unter Druck, sondern auch die
Wirtschaftlichkeit von Wohnbauprojekten. Karl Wurm und Alfred Graf,
Obmann und Obmann Stellvertreter des GBV-Verbandes, fordern aus
diesem Anlass in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ingeborg
Esser, Hauptgeschäftsführerin des GdW, einen "Stopp der
Qualitätsspirale" und ein Moratorium bzw. Evaluierung des
energiepolitischen Fahrplans ("Nationalen Plans") zur Umsetzung der
EU-Gebäuderichtlinie bis 2020.

Die Gemeinnützigen stützen ihre Bedenken an den Anforderungen
energieeffizienten Bauens auf eine breit angelegte Untersuchung zu
den Investitions- und Nutzungskosten von energetischen Maßnahmen in
GBV-Wohngebäuden (321 Objekte, 14.220 Wohnungen). Dabei zeigt sich:
Die hohen energetischen Standards im Niedrigstenergie- bzw.
Passivwohnhaus "rechnen" sich nicht. Die aus der schrittweisen
Steigerung der Energieeffizienz resultierenden höheren Bau- und
Bewirtschaftungskosten (Wartung etc.) lassen sich durch die laufende
Energieeinsparung nicht wettmachen. Umgelegt auf eine laufende Miete
kommen die Investitions-und Energiekosten von Passivhaus- und
Niedrigstenergiegebäuden um 300 Euro pro Wohnung und Jahr teurer als
jene von Niedrigenergiegebäuden der Generation "Wohnbauförderung
2010". Ein weiteres zentrales Ergebnis der Studie ist, dass die
Erhöhung der thermischen Standards von Wohngebäuden zwar zu einer
deutlichen Anhebung der Energieeffizienz geführt hat, die
tatsächlichen Energieeinsparungen allerdings deutlich geringer
ausgefallen sind als die theoretisch kalkulierten Werte. Als Ursache
lassen sich das Nutzerverhalten ("Reboundeffekt") und die schwierige
Handhabung einer mangelanfälligen Haustechnik anführen. "Ziel muss
jetzt eine Nachdenk- und Überprüfungsphase des Nationalen Plan zur
Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie sein", betonte GBV-Obmann Wurm mit
Blickrichtung auf die Leistbarkeit von Wohnen. Als Zeitraum für das
Moratorium schlägt Wurm mindestens Ende 2016 vor. "Bis dahin ist
Zeit, unter Miteinbeziehung der Wohnungswirtschaft als Anwender für
eine soziale verträgliche und kostenoptimale Ausgestaltung des
weiteren Umsetzungsprozesses der EU Gebäuderichtlinie zu sorgen",
erklärte Wurm.

Neben den steigenden Anforderungen an die Energieeffizienz haben
auch die in den letzten Jahren schrittweise verschärften
bautechnischen Auflagen und zunehmende Regelungsdichte durch Normen,
Richtlinien und Baugesetze (Barrierefreiheit, Brand- und
Schallschutz, Stellplatzverpflichtung etc.) die Baukosten stark
ansteigen lassen. Allein zwischen 2005 und 2011 haben sie sich um ein
Drittel bzw. über 400 Euro/m2 auf rd. 1.800 Euro/m2 erhöht. Mit gut
50% sind dabei die energetischen Komponenten (höhere Wärmedämmung,
Fenster, Lüftungs- und Klimatechnik, Solaranlagen) die größten
Kostenverursacher. Hinzu kommen Mehrkosten aus zusätzlichen
Anforderung im Bereich der Bauordnungen, ÖNORMEN und OIB-Richtlinien.
Insgesamt hat sich dadurch in diesem Zeitraum ein Anstieg der
GBV-Mieten um 1 Euro/m2 auf 7,2 Euro/m2 ergeben. GBV-Obmann Stv.
Alfred Graf: "Wir müssen den Kosten-Faktor für den Bewohner wieder
stärker in den Blickpunkt des Bauens rücken. Nicht alles, was
technisch machbar ist, hat auch für den Endverbraucher denselben
Stellenwert".

Auch in Deutschland sind die Maßnahmen zur Steigerung der
Energieeffizienz schon weit fortgeschritten. Seit 1990 wurden die
CO2-Emissionen in den Beständen um 50% reduziert. Die steigenden
energetischen Vorgaben erreichen bei den deutschen
Wohnungsunternehmen aber zunehmend ein Ausmaß, führte
GdW-Hauptgeschäftsführerin Ingeborg Esser aus, das sowohl die
Tragfähigkeit als auch die Sozialverträglichkeit für die Mieter
überschreitet. "Wie in Österreich sind wir in Deutschland mit rapide
gestiegenen Baukosten durch energieeffiziente Maßnahmen konfrontiert,
die von 2000 bis 2012 um fast 30% zugelegt haben", so Esser. Auch
bezüglich der Niedrigenergiegebäudestandards gehen die Erfahrungen
des GdW mit den Studienergebnissen der Gemeinnützigen konform.
Unterhalb dieses Standards stellt sich aufgrund der zusätzlichen
Wartungs- und Stromkosten keine Reduktion der Gesamtkosten ein.

Deutschland nimmt sich bis 2017 Zeit, den Fahrplan zur Umsetzung
der EU-Gebäuderichtlinie umzusetzen. Wurm: "So viel Zeit sollten wir
uns in Österreich auch nehmen, um eine wirtschaftlich und
sozialverträgliche Ausgestaltung des 'Nationalen Planes' auf den Weg
zu bringen".

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