- 16.04.2014, 22:00:19
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Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 17. April 2014; Leitartikel von Anita Heubacher: "Kein Fettnapf wird ausgelassen"
Innsbruck (OTS) - Utl: In der Bildung zu sparen, ist das falsche
Signal. Dabei hätte das österreichische Bildungssystem tatsächlichen
Reformbedarf. Die unterschiedlichen Zuständigkeiten und die
handelnden Akteure ersticken Optimierung im Keim.
Wenn█s läuft, dann läuft█s. Dieser Spruch trifft sowohl auf die
Bildungsministerin als auch auf die rot-schwarze Koalition zu. Ein
Budgetloch, das urplötzlich auf- und dann wieder abtaucht, das
Hypo-Alpe-Adria-Desaster und dafür auf Kosten der Bildung sparen
(sic!). Die österreichische Bundesregierung ist in erster Linie
konsequent: Sie springt von einem Fettnapf in den nächsten und trifft
die falschen Entscheidungen.
Gerade einmal vier Monate im Amt befindet sich die neue rote
Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek auf dem imagemäßigen
Tiefststand ihrer Vorgängerin Claudia Schmied. Zuerst das Aussetzen
des PISA-Tests und jetzt die Sparpläne, wenn das so weitergeht, wird
sich auch die Bildungsministerin am österreichischen Bildungssystem
die Zähne ausbeißen. Das liegt an den handelnden Akteuren und auch an
den Zuständigkeiten zwischen Ländern und Bund. Fast nichts wird
hierzulande so lange, so heftig und so innig diskutiert wie
Bildungsfragen, Lehrerdienstrecht und Ferienregelung. Bewegt hat sich
in den letzten Jahrzehnten allerdings im Vergleich dazu fast nichts.
Wenn es ungemütlich wird, wird das Bildungssystem zum Spielball.
Österreichs Bildungsminister, egal welcher Couleur, können sich
darauf verlassen, dass ihnen früher oder später entweder die
politischen Gegner, die Gewerkschaft, Lehrer, Eltern,
Schülervertreter oder am Ende auch die eigenen Parteifreunde in den
Rücken fallen. Das schwächt den Veränderungswillen der jeweiligen
Minister und das ist schade. Reformen braucht unser Bildungssystem
nämlich. Es kostet acht Milliarden Euro im Jahr und spielt bei der
Effizienz trotzdem nicht im Spitzenfeld mit. Von acht Milliarden Euro
sind die jetzt einzusparenden 57 Millionen Euro gerade einmal 0,75
Prozent. Die hätte sich ÖVP-Finanzminister Michael Spindelegger
lieber woanders holen sollen, denn in der Bildung ist Sparen das
falsche Signal.
Wo bleiben die Perspektiven im Schulsystem? Haben
Bildungsexperten nicht davon gesprochen, dass ein verschränkter
Unterricht Sinn machen könnte, dass es Stützlehrer braucht, dass
Schulpsychologen eine Überlegung wert wären?
Auf Kosten der Bildung zu sparen, rächt sich. Das hätte die
rot-schwarze Bundesregierung wissen müssen. Ministerin Heinisch-Hosek
kann man vorwerfen, dass sie den Finanzminister davon nicht
überzeugen konnte. Wie auch immer, die Regierungsmannschaft hätte
sich einen Fettnapf erspart.
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