Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 17. April 2014; Leitartikel von Anita Heubacher: "Kein Fettnapf wird ausgelassen"

Innsbruck (OTS) - Utl: In der Bildung zu sparen, ist das falsche Signal. Dabei hätte das österreichische Bildungssystem tatsächlichen Reformbedarf. Die unterschiedlichen Zuständigkeiten und die handelnden Akteure ersticken Optimierung im Keim.

Wenn s läuft, dann läuft s. Dieser Spruch trifft sowohl auf die Bildungsministerin als auch auf die rot-schwarze Koalition zu. Ein Budgetloch, das urplötzlich auf- und dann wieder abtaucht, das Hypo-Alpe-Adria-Desaster und dafür auf Kosten der Bildung sparen (sic!). Die österreichische Bundesregierung ist in erster Linie konsequent: Sie springt von einem Fettnapf in den nächsten und trifft die falschen Entscheidungen.
Gerade einmal vier Monate im Amt befindet sich die neue rote Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek auf dem imagemäßigen Tiefststand ihrer Vorgängerin Claudia Schmied. Zuerst das Aussetzen des PISA-Tests und jetzt die Sparpläne, wenn das so weitergeht, wird sich auch die Bildungsministerin am österreichischen Bildungssystem die Zähne ausbeißen. Das liegt an den handelnden Akteuren und auch an den Zuständigkeiten zwischen Ländern und Bund. Fast nichts wird hierzulande so lange, so heftig und so innig diskutiert wie Bildungsfragen, Lehrerdienstrecht und Ferienregelung. Bewegt hat sich in den letzten Jahrzehnten allerdings im Vergleich dazu fast nichts. Wenn es ungemütlich wird, wird das Bildungssystem zum Spielball. Österreichs Bildungsminister, egal welcher Couleur, können sich darauf verlassen, dass ihnen früher oder später entweder die politischen Gegner, die Gewerkschaft, Lehrer, Eltern, Schülervertreter oder am Ende auch die eigenen Parteifreunde in den Rücken fallen. Das schwächt den Veränderungswillen der jeweiligen Minister und das ist schade. Reformen braucht unser Bildungssystem nämlich. Es kostet acht Milliarden Euro im Jahr und spielt bei der Effizienz trotzdem nicht im Spitzenfeld mit. Von acht Milliarden Euro sind die jetzt einzusparenden 57 Millionen Euro gerade einmal 0,75 Prozent. Die hätte sich ÖVP-Finanzminister Michael Spindelegger lieber woanders holen sollen, denn in der Bildung ist Sparen das falsche Signal.
Wo bleiben die Perspektiven im Schulsystem? Haben Bildungsexperten nicht davon gesprochen, dass ein verschränkter Unterricht Sinn machen könnte, dass es Stützlehrer braucht, dass Schulpsychologen eine Überlegung wert wären?
Auf Kosten der Bildung zu sparen, rächt sich. Das hätte die rot-schwarze Bundesregierung wissen müssen. Ministerin Heinisch-Hosek kann man vorwerfen, dass sie den Finanzminister davon nicht überzeugen konnte. Wie auch immer, die Regierungsmannschaft hätte sich einen Fettnapf erspart.

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