- 04.04.2014, 10:41:01
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Europäischer Strahlentherapie-Kongress: Patienten gefährdende Wartezeiten in Österreich
Experten fordern dringend nötigen Ausbau der Versorgung von Krebspatienten
Utl.: Experten fordern dringend nötigen Ausbau der Versorgung von
Krebspatienten =
Wien (OTS) - "Dass Europas größter Kongress zum Thema
Strahlentherapie und Radioonkologie (ESTRO) in Wien stattfindet, ist
auch eine Auszeichnung für die Leistungen von Österreichs
Strahlentherapie. Allerdings sollten die eindrucksvollen Fortschritte
unseres Faches in angemessener und zeitnaher Weise auch allen
Krebs-Patientinnen und -Patienten zu Gute kommen, die davon
profitieren können, und davon sind wir in Österreich leider noch
immer weit entfernt." Das sagt Karin Kapp (MedUni Graz), Präsidentin
der Österreichischen Gesellschaft für Radio-Onkologie, Radiobiologie
und Medizinische Radiophysik (ÖGRO) anlässlich des ESTRO, bei dem von
4. bis 8. April in der Messe Wien mehr als 5.000 aktive Teilnehmer
aus mehr als 80 Ländern zusammen kommen.
"In der strahlentherapeutischen Versorgung haben wir in Österreich
unverändert die Patienten gefährdende Wartezeiten", so Robert
Hawliczek (SMZ Ost), Obmann der Bundesfachgruppe Strahlentherapie der
Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). "Dass wir in sehr vielen Fällen
keine zeitgerechte Behandlung anbieten können, bedeutet, dass sich
die Prognose der davon betroffenen Krebspatientinnen und -patienten
verschlechtert. Das ist ein medizinisch und ethisch unerträglicher
Zustand."
Der Hintergrund: Es gibt in Österreich schlicht zu wenige
Strahlentherapie-Geräte. Die Richtwerte des Österreichischen
Strukturplanes Gesundheit (ÖSG) liegen bei einem
strahlentherapeutischen Großgerät pro 100.000 bis 140.000 Bewohner.
Kapp: "Demnach müsste es in Österreich mindestens 64 Geräte geben,
tatsächlich gibt es 43. Damit fällt Österreich gegenüber west- und
nordeuropäischen Ländern deutlich ab. Für eine Million Einwohner
stehen hierzulande durchschnittlich fünf Linearbeschleuniger zur
Verfügung, in Westeuropa sind es sieben."
Innerhalb Österreichs gibt es bei den Geräten ein Ost-West-Gefälle,
so Kapp: "Während sich zum Beispiel Vorarlberg eher an die
ÖSG-Vorgaben hält, ist das in Wien, Niederösterreich und der
Steiermark nicht der Fall. In der Steiermark ist die
Geräteausstattung am schlechtesten, in Wien sind die Wartezeiten am
längsten. Außerdem sind viele Geräte in Wien nicht auf dem neuesten
Stand." Die Strahlentherapie habe sehr gute technische Möglichkeiten,
Menschen mit Krebs zu helfen, "doch wird das offensichtlich von der
Politik nicht zur Kenntnis genommen". Eine ausreichende Zahl an
Geräten, ausgestattet mit den neuesten Technologien, steht in
Österreich nicht zur Verfügung.
Erforderlich sei deshalb, so Hawliczek, das systematische Erfassen
des aktuellen und zukünftigen Bedarfes an strahlentherapeutischen
Behandlungen: "Auf der Grundlage dieser Zahlen brauchen wir dann eine
Neuberechnung des Versorgungsbedarfs, eine überregionale Planung der
strahlentherapeutischen Versorgung und deren konsequente Umsetzung."
Patientenanwälte seien hier bereits aktiv geworden und hätten von der
Politik eine Studie gefordert, um eine objektive Basis für die
künftige Versorgungsplanung zu schaffen, so Hawliczek: "Aber leider
gibt es für diese Studie noch immer keinen Auftrag." (bk)
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