- 27.03.2014, 11:00:37
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Prognose für 2014 und 2015: Konjunktur gewinnt nur langsam an Schwung
Wien (OTS/WIFO) - Gegen Jahresende belebte sich die Konjunktur in
Österreich wie auch in Europa insgesamt. Die Beschleunigung wird
allerdings weiterhin verhalten sein: Viele Länder haben die
Finanzmarktkrise noch nicht überwunden, und die Notwendigkeit der
Konsolidierung der öffentlichen Haushalte dämpft die
Aufwärtsentwicklung. Die österreichische Wirtschaft wird 2014 und
2015 um jeweils 1,7% wachsen - zu wenig, um die Arbeitslosigkeit
zurückzudrängen. Die Inflationsrate ist zwar rückläufig, bleibt aber
im Vergleich mit den anderen EU-Ländern hoch.
Die Wirtschaft der Schwellenländer, die bislang die Weltkonjunktur
stimulierte, entwickelt sich seit dem Vorjahr sehr verhalten,
allerdings mit großen regionalen Unterschieden. In den USA befindet
sich die Wirtschaft hingegen nach wie vor auf einem stabilen,
aufwärtsgerichteten Wachstumspfad und sollte dort 2014 und 2015
verstärkt wachsen.
Im Euro-Raum erholt sich die Konjunktur nur schleppend. Die
Finanzmarktkrise ist nach wie vor nicht überwunden, und die
Fiskalpolitik erfordert in den meisten Mitgliedsländern
Ausgabenzurückhaltung. Nach Überwindung der Rezession im Jahr 2013
ist heuer mit einem geringfügigen Wachstum von rund 1% zu rechnen,
welches sich 2015 leicht auf 1,5% verstärken sollte.
Die für Österreichs Wirtschaft bedeutsamen Märkte in
Ostmitteleuropa entwickeln sich seit 2013 wieder günstiger. Die hohe
Verschuldung des privaten Sektors bremst allerdings die Expansion,
sodass der Aufholprozess schwächer ist als vor der Krise.
In diesem Umfeld mäßiger außenwirtschaftlicher Impulse kann die
exportorientierte heimische Wirtschaft kaum deutliche
Produktionssteigerungen erzielen. Der Warenexport wird zwar 2014 real
mit +5 1/2% doppelt so stark wachsen wie 2013, damit jedoch deutlich
hinter vergangenen Aufschwungphasen zurückbleiben. Obwohl die
Maßnahmen zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte die
Binnennachfrage dämpfen, werden Konsum und Investitionen an Dynamik
gewinnen. Nach einem leichten Rückgang der Konsumausgaben der
privaten Haushalte um real 0,2% im Vorjahr und der
Bruttoanlageinvestitionen um 0,9% ist 2014 wieder mit einem Zuwachs
von 0,8% bzw. 3% zu rechnen. 2015 werden die Konsumausgaben stärker
anziehen, während das Wachstum der Investitionen wieder etwas an
Schwung verlieren wird.
Insgesamt wird die österreichische Wirtschaft 2014 und 2015 um nur
1,7% wachsen und damit zu wenig, um eine Verringerung der
Arbeitslosigkeit zu ermöglichen. 2014 wird sich die Zahl der
Arbeitslosen auf über 300.000 erhöhen, 2015 weiter auf 314.000.
Gleichzeitig wächst das Arbeitskräfteangebot anhaltend, die
Beschäftigung wird ebenfalls ausgeweitet. Die Arbeitslosenquote
steigt in der Folge nach österreichischer Berechnungsmethode heuer
auf 8% und wird sich 2015 abermals leicht erhöhen.
Neue Informationen über Ausmaß und zeitliche Zuordnung der durch
die Stützung der Hypo Alpe-Adria-Bank AG verursachten Belastungen
lassen das Defizit des Gesamtstaates 2014 auf 3% des BIP
emporschnellen. Ohne diese Belastungen würde der Fehlbetrag 2,1%
ausmachen. 2015 ist aus heutiger Sicht mit einem Rückgang der Quote
auf -1,2% zu rechnen, wobei ein beträchtlicher Unsicherheitsspielraum
besteht.
Übersicht 1: Hauptergebnisse der Prognose - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/47183)
Methodische Hinweise und Kurzglossar
Periodenvergleiche
Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Text wird auf "saison- und arbeitstägig bereinigte Veränderungen"
Bezug genommen.
Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.
Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.
Wachstumsüberhang
Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im
unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des
vorangegangenen Jahres (t0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres
(t1). Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres t1,
wenn das BIP im Jahr t1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres t0
(in saisonbereinigten Zahlen) bleibt.
Durchschnittliche Veränderungsraten
Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der
Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate
2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte
jene von 2009 auf 2010.
Reale und nominelle Größen
Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.
Produzierender Bereich
Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D
(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,
Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich
verwendet.
Inflation, VPI und HVPI
Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch
http://www.statistik.at/ ).
Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht
eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die
Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete
Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im
österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2010)
enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der
Kerninflation einbezogen.
WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest
Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit ( http://www.konjunkturtest.at/ ). Die
Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem
der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.
Arbeitslosenquote
Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.
Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).
Definition der Arbeitslosenquote
Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.
Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld
beziehen, sowie Präsenzdiener mit aufrechtem
Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die
Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".
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