Bundeskanzler Faymann: Gehen wir gemeinsam den Weg der Demokratie

Internationale Konferenz zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg im Parlament in Wien

Wien (OTS) - "Das Jahr 2014 ist ein besonderes Gedenkjahr, das viele schmerzliche Erinnerungen wachruft. Wir gedenken des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren, wir erinnern uns an den Bürgerkrieg in Österreich vor 80 Jahren und an den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren. Diese Anlässe geben uns die Chance, aus der Geschichte zu lernen", sagte Bundeskanzler Werner Faymann bei der internationalen Konferenz: "1914 - The Collapse of a Peace Order: Is Democratic Peace an Alternative?" heute, Montag, im Parlament, bei der auch Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz und Anne Brasseur, die Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, Eingangsstatements hielten.

"Der furchtbare Erste Weltkrieg mit seinen rund 17 Millionen Toten war nicht nur der erste Massenvernichtungskrieg der Weltgeschichte, er war auch eine politische und gesellschaftliche Zäsur. Nach dem Kriegsende haben die Friedensverträge von St. Germain und Versailles die demokratischen Entwicklungen erschwert und den Boden für die Militarisierung der Politik und für den Faschismus aufbereitet. Der Weg zum Faschismus wurde aber auch durch die Weltwirtschaftskrise 1929 begünstigt. Mit der Machtergreifung Hitlers 1933 in Deutschland und der Ausschaltung des Parlaments in Österreich wurden autoritäre Strukturen geschaffen. In Österreich kam es nach dem Bürgerkrieg 1934 zum Austrofaschismus und 1938 zum Anschluss an Nazi-Deutschland", so der Kanzler weiter. Das Erinnern habe aber nur dann einen Sinn, wenn es in einem "Niemals wieder" münde, machte Faymann klar

"Wenn wir heuer an den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erinnern, dann denken wir an die furchtbarsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte, an eine beispiellose Aufhetzung von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religionszugehörigkeit und Nationalität gegeneinander. Daher werden wir im kommenden Jahr 2015, wenn an den 70. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus gedacht werden wird, auch deutlich an die Antwort der zivilisierte Menschheit auf die Gräuel erinnern, nämlich mit dem Bekenntnis zu einem gemeinsamen, friedlichen Europa", betonte Faymann.

"Wir haben aus der Geschichte gelernt: Dass der Faschismus dann seine Chance findet, wenn die Menschen in Not und Armut leben. Die Wirtschaftskrise von 1929 hat zum Zusammenbruch vieler sozialer Systeme, zur Massenverelendung und letztlich zur Ausschaltung der Demokratie geführt. Daher muss es auch heute, gerade nach der Krise von 2008 und 2009, die von vielen Experten als die schlimmste Krise nach 1929 gesehen wurde, für uns von größter Bedeutung sein, Arbeit zu schaffen, Armut zu bekämpfen und in die Zukunft unserer Gesellschaften zu investieren. Wir müssen in Bildung, Wissenschaft, Forschung, Innovation, Technologie, aber auch in Kunst und Kultur investieren und für einen guten Zusammenhalt innerhalb unserer Gesellschaften sorgen", so der Bundeskanzler.

Die zweite große Herausforderung sei gerade wenige Monate vor einer Wahl zum Europäischen Parlament die Bekämpfung jener Strömungen, die den europäischen Weg des Interessensausgleichs verlassen wollen. "Wir müssen uns bewusst machen, dass die Demokratie nicht selbstverständlich ist und dass wir sie immer wieder aufs Neue sichern müssen. Wir müssen den Rechtsstaat schützen und die Menschenrechte, die wir gemeinsam definiert haben, respektieren und weiter entwickeln."

Bundeskanzler Faymann erinnerte abschließend daran, dass nachhaltiger Wohlstand in Europa ohne Frieden und soziale Gerechtigkeit, ohne Freiheit und Rechtstaatlichkeit nicht denkbar seien und sagte: "Gehen wir den Weg des gemeinsamen Europas und gehen wir vor allem gemeinsam den Weg der Demokratie."

Fotos von dieser Konferenz sind über das Fotoservice des Bundespressedienstes, http://fotoservice.bundeskanzleramt.at, kostenfrei abrufbar.

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