• 13.03.2014, 12:28:29
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MAK DESIGN LABOR

Von der Kunst zum Alltag und zu neuer Lebensqualität: Zum 150-Jahr-Jubiläum des MAK wird die Studiensammlung komplett neuinterpretiert

MAK DESIGN LABOR. Neugestaltung der
MAK-Studiensammlung / MAK FORUM EOOS, Rendering, 2014

Utl.: Von der Kunst zum Alltag und zu neuer Lebensqualität: Zum
150-Jahr-Jubiläum des MAK wird die Studiensammlung komplett
neuinterpretiert =

Wien (OTS) - Das MAK positioniert sich zu seinem 150-Jahr-Jubiläum
deutlicher denn je als Museum für Kunst und Alltag: Das MAK DESIGN
LABOR, das exakt zum 150. Geburtstag am 12. Mai 2014 eröffnet wird,
rückt die weltberühmte MAK-Sammlung stärker in Lebensnähe und gibt
einen Einblick in den Facettenreichtum der angewandten Kunst. Auf
1.900 Quadratmetern Schaufläche erwarten das Publikum knapp 2.000 neu
aufbereitete, nach gesellschaftlich relevanten Themen arrangierte
Exponate. Partizipative Vermittlungsansätze vertiefen die
Auseinandersetzung mit künstlerisch gestalteten Alltagsobjekten und
der Schlüsselrolle von Design als zentrale Kraft für eine neue
Lebensqualität.

"Unser erklärtes Ziel ist, über den künstlerisch gestalteten
Gebrauchsgegenstand in den Alltag der Menschen zu treten. Mit dem MAK
DESIGN LABOR wollen wir abseits der bisher von vielen Museen
angewandter Kunst angestrebten Opulenz mit einem klaren
Alltagsanspruch neue Besuchergruppen für die angewandte Kunst
gewinnen", so MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein. Ein dem MAK
DESIGN LABOR zugrunde gelegter, umfassender Designbegriff bezieht
weite Teile der angewandten Kunst quer durch die Jahrhunderte bis in
die Gegenwart ein und definiert Design als Motor für einen positiven
Wandel.

Das MAK DESIGN LABOR, mit dem eine radikale Neupositionierung der
ehemaligen MAK-Studiensammlung vorgenommen wurde, versteht sich als
bewusster Gegenentwurf zur MAK-Schausammlung. In Anlehnung an Andy
Warhols Zitat "When you think about it, department stores are kind of
like museums" orientiert es sich an der Dramaturgie eines
Supermarkts. In Zusammenarbeit mit dem renommierten österreichischen
Designteam EOOS und unter kuratorischer Begleitung des IDRV -
Institute of Design Research Vienna entstand ein dynamisches Konzept,
in dem Sammlungsobjekte kontrastiert oder in Bezug gesetzt werden
können. Kunsthistorische und interdisziplinäre Querverbindungen
werden unmittelbar erlebbar.

Während die über 20 Jahre unveränderte MAK-Studiensammlung
materialspezifisch geordnet war, fließen im MAK DESIGN LABOR Themen
und Räume ineinander über. Neu geschaffene Durchgänge und die
Umfunktionierung von Teilen des ehemaligen Flurs zu
Ausstellungsflächen führen zu einem neuen Raumerleben. Mit dem MAK
FORUM steht ein innovativer, flexibel nutzbarer Raum zur Verfügung,
der als Begegnungsort ebenso wie als Experimentierfläche für
Ausstellungen, Präsentationen und Vermittlungsformate genutzt werden
kann. Die MAK-Galerie wurde in die Raumfolge integriert, am 12. Mai
2014 eröffnet dort im Rahmen der in Kooperation mit der Universität
für angewandte Kunst entwickelten Reihe ANGEWANDTE KUNST. HEUTE eine
Einzelausstellung des Wiener ArchitektInnenteams soma architecture.

Schon das Mobiliar schafft Nähe zu den BesucherInnen: So
präsentieren etwa tischhohe Podeste die Objekte in Augenhöhe oder
bieten die Möglichkeit zur aktiven Forschung an "Arbeitsplätzen".
Eine modulare Programmierung der Ausstellungsräume ermöglicht
maximale Flexibilität. Das MAK DESIGN LABOR kann spontan Initiativen
setzen oder aktuellen Entwicklungen und Themen angepasst werden.
Formate wie Carte Blanches, Crowdsourcing und partizipative Projekte
unterziehen es zukünftig einem permanenten Wandel. Das IDRV
kontextualisiert die einzelnen Bereiche mit alltagsnahen
Interventionen zum positiven Wandel hin zu einer zukunftsfähigen
Ge-sellschaft. Mit Themen wie Ökologischer Fußabdruck, Offenes
Archiv, Kreislaufwirtschaft oder 3D-Druck soll eine Brücke zu
wichtigen Zukunftsthemen wie Arbeit, Produktion, Nachhaltigkeit und
offenes Lernen geschaffen werden. Das MAK DESIGN LABOR präsentiert
sich damit als Ort, der sich relevanter Themen für einen positiven
Wandel annimmt.

Eingebettet in diese vernetzte Konzeption erwarten die
BesucherInnen miteinander interagierende Themeninseln zu Kochen,
Tischkultur, Sitzen, künstlerischer Produktion, Industrial Design,
alternativen Produktionsweisen, Schrift und Ornament, aber auch zum
generationenübergreifend inspirierenden Allgestalter Josef Hoffmann
oder zum Modedesigner Helmut Lang.

DICHTER THEMEN-PARCOURS
Nicht zufällig startet der Parcours durch das MAK DESIGN LABOR mit
einem Überblick über unterschiedliche Produktionsweisen. Während
ausgewählte, mit dem Österreichischen Staatspreis für Design
ausgezeichnete Alltagsgegenstände und Technologieprodukte wie Ernst
W. Beraneks "Automatic Toastgrill" (1967) oder der "Camcopter" von
Gerhard Heufler (2005) eine Erzählung über "Produzieren: Industriell"
und Marktdogmen eröffnen, zeigt der Bereich "Produzieren: Alternativ"
neue Wege im Design, die ein verändertes Konsumverhalten, neue Formen
des Wirtschaftens und der Ressourcennutzung sowie einen sozialen
Wandel implizieren. Materialexperimente wie von Studio Formafantasma
oder Tomás Libertiny sind dort ebenso zu sehen wie prototypische
DIY-Haushaltsgeräte im 3D-Druck von Jesse Howards. Demgegenüber
beleuchten im Themenbereich P"roduzieren: Künstlerisch" elf
künstlerische Positionen aus der MAK-Sammlung Gegenwartskunst, wie
von Herbert Bayer, Birgit Jürgenssen, Gerwald Rockenschaub oder Jenni
Tischer, unterschiedliche Fragestellungen zur Ästhetik und zum
Verarbeitungswert von Materialien im Kontext von Geschichte,
ideo-logischen Vorzeichen, kultureller Patina, Gender oder sozialen
Praktiken.

Rund um die 1926 von der Wiener Architektin Margarethe
Schütte-Lihotzky entworfene, weltberühmte "Frankfurter Küche", die
als Prototyp der modernen Einbauküche und Meilenstein der
Küchenentwicklung gilt, spannt der Themenbereich "Kochen" einen
dichten Bogen von Entwürfen von Josef Hoffmann und Edmund Moiret, die
den Auftakt der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema Küche
markieren, über standardisierte Modelle und überraschende
Designlösungen, etwa auch aus dem südostasiatischen Raum, bis hin zu
absoluten Utopie-Objekten, unter anderem von Ettore Sottsass oder
Jerszy Seymour.

Auf eine eindrucksvolle Zeitreise zum gedeckten Tisch in
unterschiedlichen Epochen lädt der Bereich "Essen und Trinken".
Beginnend mit dem Mittelalter, als der Tisch noch keinen fixen Platz
im Raum hatte, über die Renaissance und dem einsetzenden Interesse an
der Dekoration des Essplatzes, das Barock mit der Erfindung des
einheitlichen Services bis hin zur Demokratisierung der
Essensaufnahme in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden alle
Varianten der Tafeldeckung im europäischen Raum durchgespielt.
Sakrale Gefäße oder Schalen des japanischen Teezeremoniells
verdichten das Thema ebenso wie Tischtücher, Servietten oder
Menükarten. Positionen unter anderem von Nina Levitt und den Eat
Artists Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter diskutieren
Tischkultur als Inspirationsquelle für die zeitgenössische Kunst.

Im Laborbereich zur dominierenden Haltung des Alltagslebens,
"Sitzen", geben ausgewählte Sessel und Hocker exemplarisch Einblick
in die vielfältige Typologie der Sitzmöbel und stellen
unterschiedliche Materialien, Funktionsweisen und Entwicklungsstufen
gegenüber. Gezeigt werden auch Sitzhaltungen, die der amerikanische
Anthropologe Gordon W. Hughes in den 1950er Jahren gesammelt und
gezeichnet hat: Sie verweisen auf die kauernden und hockenden
Stellungen in Gesellschaften, die auf Sitzmöbel bislang weitgehend
verzichtet haben.

Dem Höhepunkt im Schaffen von Josef Hoffmann und der Wiener
Werkstätte ist der mittlere Raum, "Hoffmann Geometrisch", im MAK
DESIGN LABOR gewidmet. In einer konzentrierten Schau wird die
sogenannte geometrische Phase Hoffmanns, des einflussreichsten
angewandten Künstlers in der Epoche Wien um 1900, präsentiert und
verständlich gemacht, warum die geometrischen Entwürfe als der
künstlerisch revolutionärste und spannendste Beitrag der angewandten
Kunst der Wiener Moderne gelten. Wie kein zweiter steht Hoffmann -
Gründungsmitglied von Secession, Wiener Werkstätte und
Österreichischem Werkbund sowie Architekt, Ausstellungsgestalter und
Designer von Möbeln, Glas, Porzellan, Keramik, Textilien und Metall -
für die Idee des Gesamtkunstwerks, für die Beschäftigung mit
unterschiedlichen Disziplinen und für Internationalität. Durch die
Beschränkung auf seine wichtigste Schaffensphase soll die Bedeutung
Hoffmanns und seines Umfelds einem breiten Publikum vermittelt
werden. Im Dialog mit Hoffmann widmet sich der anschließende Raum
"Dekorieren" Stoffen aus den Produktionen der Wiener Werkstätte, von
Backhausen & Söhne und Philipp Haas. Gezeigt werden charakteristische
Beispiele namhafter Entwerfer wie Josef Hoffmann, Dagobert Peche oder
Koloman Moser, die den Facettenreichtum der textilen Produktion im
Wiener Kontext vor Augen führen.

Ein eigener Bereich ist Modedesigner Helmut Lang gewidmet, der die
1990er Jahre mit seinem experimentellen und minimalistischen Stil
prägte. Ausgewählte Entwürfe für Kleider und Accessoires
dokumentieren im Raum "Helmut Lang Archiv" die Bedeutung des
konzeptionellen und skulpturalen Entwurfs in seinem Modeschaffen.
Lang, der seit 2006 als Künstler arbeitet, entwarf neben Kleidung den
gesamten Markenauftritt seines Labels. Dem Thema Textil, einem der
Kernbereiche des MAK, widmet sich auch die Präsentation des Archivs
des Technologischen Gewerbemuseums TGM im Raum "Sammeln". Die 1914
ans MAK übergebene, einzigartige Stoffmustersammlung des TGM
dokumentiert nahezu flächendeckend die ungemein reichhaltige
industrielle Textilproduktion (ca. 20.000 Stoffbeispiele) des
Habsburgerreichs in der Biedermeier-Zeit (zirka 1820 bis 1840). Mit
unterschiedlichsten Textilien bestückte Kartontafeln zeigen die
beeindruckende Fülle und Innovationskraft der Produktionen.

Um angewandte Kunst für Hand und Fuß geht es beim Thema "Schützen
und Schmücken". Vielfach erstmals gezeigte Objekte aus Europa,
Amerika und Asien, vom Mittelalter bis zur Gegenwart, thematisieren
die körperlichen Extremitäten als Inspirationsquellen für
Körperschmuck, schützende Accessoires oder künstlerische
Produktionen. Von Schuhen und Handschuhen, Schmuck, Taschen,
Tabatieren, Fächern über Türschnallen, ergometrische Werkzeuge bis
hin zu Kunst- und Designobjekten, darunter Walter Pichlers berühmter
"Fingerspanner" (1967), reicht das Spektrum der Exponate.

Kunstvolle Behälter für alle erdenklichen Objekte aus allen Zeiten
und verschiedenen Kulturen - vom Abfalleimer über Kästen, Kassetten,
Truhen, über Möbelgepäckstücke bis zu (Juwelen-)Schatullen - zeigt
der Bereich "Transportieren". Neben Containern sind hier auch Taschen
aus Europa, Amerika, der islamischen Welt und China, vom
Spätmittelalter bis ins 20. Jahrhundert sowie Beispiele für
Verpackungen zu sehen. Demgegenüber wird das "Ornament" als
gewichtiges Kommunikationsmittel betrachtet. Facettenreichtum,
Bedeutung und Alltäglichkeit von ornamentaler Gestaltung und Schmuck
werden thematisiert, BesucherInnen eingeladen, ihre Vorstellungen von
Ornament beizusteuern.

Der daran anschließende Bereich Kommunizieren erzählt die
Entwicklung der Schrift von der klösterlichen Tradition der
Skriptorien zum Zweck der internen Vervielfältigung religiöser
Schriften über individuelle Neuinterpretationen durch
Schriftgestalter und Drucker wie Aldus Manutius, Johann Neudörffer,
Giambattista Bodoni oder Francois Didot bis zu den
Reformkunstbewegungen eines William Morris und Rudolf von Larisch.
Thematisiert wir auch die Emanzipation der Schrift zum Mittel der
Kunst, wie Beispiele von Lawrence Weiner, Jenny Holzer oder Betty
Leirner zeigen. Plakate dokumentieren in diesem Kontext den weiten
angewandten Kunstbereich Grafik.

Interaktion mit den BesucherInnen
Ein wesentliches Augenmerk des MAK DESIGN LABORs liegt auf
partizipativen Vermittlungsformaten. BesucherInnen sollen vor Ort
durch relevante Alltagsbezüge inspiriert werden. Umgekehrt lässt sich
das MAK DESIGN LABOR von seinen BesucherInnen inspirieren: sie sind
eingeladen, Meinungen und Anregungen zu hinterlassen. Das Museum wird
zu einem öffentlichen Ort der Vielstimmigkeit. Es gibt auch etwas
mitzunehmen: Der OPEN DATA-Strategie entsprechend werden etwa
Stoffmuster aus dem TGM-Archiv zum freien Download zur Verfügung
gestellt. Museumsbestände werden damit zum interkreativen
Allgemeingut. Eine zentrale Rolle im Vermittlungsangebot nimmt das
neu geschaffene MAK FORUM ein, in dem innovative Zugänge zu
ausgewählten Themen des MAK DESIGN LABORS entwickelt werden. Geplant
ist unter anderem eine regelmäßige Zusammenarbeit mit verschiedenen
"Kreativen". Ziel ist, mittels Experimentierens verschiedene
Produktionstechniken greif- und erfahrbar zu machen.

Auch in der Fertigstellungsphase des MAK DESIGN LABORs können
BesucherInnen partizipieren: Ab Ende März werden sich EOOS/IDRV als
MAK-Designers-in-Residence 2014 temporär im MAK DESIGN SPACE
einmieten und unter Einbeziehung interessierter BesucherInnen an der
Finalisierung des Projekts arbeiten. Während die Umbauarbeiten noch
in Gang sind, wird hier geforscht, probiert, diskutiert und
angepasst. Das MAK lädt zum Betatest.

Vertiefende Texte zu den einzelnen Themenkomplexen sowie Bildmaterial
zum MAK DESIGN LABOR werden unter MAK.at/presse zum Download
bereitgestellt.

PRESSEDATEN:

Pressekonferenz: Montag, 12. Mai 2014, 10:30 Uhr
Eröffnung: Montag, 12. Mai 2014, 18:30 Uhr
Ausstellungsort: MAK DESIGN LABOR, MAK, Stubenring 5, 1010 Wien
Ausstellungsdauer: permanent
Öffnungszeiten: Di 10:00-22:00 Uhr, Mi-So 10:00-18:00 Uhr
Jeden Dienstag 18:00-22:00 Uhr Eintritt frei
Gestaltung: EOOS
Kuratorische Beratung: IDRV - Institute of Design Research Vienna
MAK-Eintritt: Euro 7,90 / ermäßigt Euro 5,50 / Familienkarte Euro 11
Eintritt frei für Kinder und Jugendliche bis 19

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MAK

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