- 11.03.2014, 09:00:32
- /
- OTS0022 OTW0022
Konjunkturerholung im Euro-Raum nach wie vor ohne Schwung
Wien (OTS/WIFO) - Die Expansion der Wirtschaft in den
Schwellenländern liefert weiterhin nur schwach positive Impulse für
die Weltkonjunktur. Während sich das robuste Wachstum in den USA
fortsetzt, verbessert sich die Wirtschaftslage in Europa sehr
zögerlich. In Österreich hält die Erholung an, allerdings bleibt auch
hier die Aufwärtsentwicklung verhalten.
Zur Zeit kommen die entscheidenden Impulse für die Weltwirtschaft
aus den USA. Nach +1% gegenüber der Vorperiode expandierte das BIP im
IV. Quartal 2013 mit +0,6% abermals kräftig. Auch in China wurde mit
+1,8% im IV. Quartal 2013 ein hoher Zuwachs der Wirtschaftsleistung
verzeichnet. Die Dynamik ließ jedoch gegenüber dem Vorquartal (+2,2%)
nach, und die Unternehmensumfragen deuten auf eine weitere
Verlangsamung hin.
In Europa verstärkte sich die Erholung etwas. Das BIP stieg im IV.
Quartal 2013 im Euro-Raum gegenüber der Vorperiode um 0,3% und in der
EU insgesamt um 0,4%. In allen großen Euro-Ländern sowie in Portugal
beschleunigte sich die Expansion. In Griechenland verringerte sich
die Abwärtsdynamik.
Die österreichische Wirtschaft wuchs 2013 nach vorläufigen
Berechnungen um 0,4%. Im IV. Quartal erhöhte sich die
gesamtwirtschaftliche Produktion in Österreich gegenüber der
Vorperiode real um 0,3%. Damit hat sich die seit Mitte 2013
beobachtete Konjunkturerholung etwas verstärkt.
Abbildung 1: Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes - auf der
WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/47160)
Die Ergebnisse des WIFO-Konjunkturtests deuten auf eine
Fortsetzung dieser günstigen Entwicklung hin, jedoch dürfte die
Dynamik verhaltener bleiben als in vergangenen Aufschwungsphasen. Der
WIFO-Frühindikator zeigte im Dezember wie im Jänner eine leichte
Expansion an. Im Februar verbesserte er sich gegenüber der Vorperiode
etwas.
Neben dem Außenhandel gingen in Österreich die Nachfrageimpulse im
IV. Quartal auch von den Investitionen aus. Der Konsum der privaten
Haushalte trug hingegen nach wie vor kaum zum Wachstum bei, die
realen Einzelhandelsumsätze stagnierten.
Übersicht 1: Ergebnisse der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/47160)
Die Inflationsrate sank im Jänner 2014 auf 1,5%, nach 1,9% im
Vormonat. Damit war der Preisauftrieb nach wie vor sehr gering,
jedoch deutlich höher als im Durchschnitt des Euro-Raumes (Jänner
0,8%).
Das Bild einer Zunahme der Arbeitslosigkeit bei anhaltender
Beschäftigungsausweitung blieb auch Anfang 2014 erhalten. Im Februar
erhöhte sich die Zahl der unselbständig aktiv Beschäftigten gegenüber
dem Vormonat um 0,1%. Auch die Zahl der Arbeitslosen stieg
saisonbereinigt um 0,1%, die saisonbereinigte Arbeitslosenquote (nach
österreichischer Berechnungsmethode) verharrte daher bei 7,9%.
Methodische Hinweise und Kurzglossar
Periodenvergleiche
Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Text wird auf "saison- und arbeitstägig bereinigte Veränderungen"
Bezug genommen.
Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.
Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.
Wachstumsüberhang
Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im
unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des
vorangegangenen Jahres (t0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres
(t1). Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres t1,
wenn das BIP im Jahr t1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres t0
(in saisonbereinigten Zahlen) bleibt.
Durchschnittliche Veränderungsraten
Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der
Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate
2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte
jene von 2009 auf 2010.
Reale und nominelle Größen
Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.
Produzierender Bereich
Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D
(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,
Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich
verwendet.
Inflation, VPI und HVPI
Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch
http://www.statistik.at/ ).
Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht
eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die
Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete
Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im
österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2010)
enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der
Kerninflation einbezogen.
WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest
Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit ( http://www.konjunkturtest.at/ ). Die
Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem
der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.
Arbeitslosenquote
Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.
Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).
Definition der Arbeitslosenquote
Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.
Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld
beziehen, sowie Präsenzdiener mit aufrechtem
Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die
Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WFO






