• 10.03.2014, 10:59:22
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Greenpeace: Drei Jahre nach Fukushima ist Situation nach wie vor außer Kontrolle

EU-Richtungskampf für Energiezukunft droht gefährliche Wendung

Utl.: EU-Richtungskampf für Energiezukunft droht gefährliche Wendung =

Tokio/Wien (OTS) - Drei Jahre nach der verheerenden Atomkatastrophe
in Fukushima ist die Situation in und um die havarierten Reaktoren 1
bis 4 nach wie vor nicht unter Kontrolle. Besonders das vergangene
Jahr war geprägt durch den Austritt zehntausender Tonnen
kontaminierten Wassers in den pazifischen Ozean, Leckagen an
Verbindungsrohren und der Verstrahlung von Arbeitern, die bis heute
versuchen, 340 Millionen Liter an kontaminiertem Wasser sicher zu
verwahren. "Dass die japanische Regierung nichts aus der nuklearen
Katastrophe gelernt hat, zeigen die Pläne des Ministerpräsidenten
Shinzo Abe, der ankündigte, einige der 48 stillgelegten Reaktoren
wieder hochfahren zu wollen. Derzeit ist kein Reaktor in Japan in
Betrieb", stellt Julia Kerschbaumsteiner, Atomsprecherin von
Greenpeace klar.

Hauptbetroffene der Katastrophe sind nach wie vor jene Menschen, die
durch das Reaktorunglück ihre Häuser verlassen mussten. Bis heute
können 160.000 Menschen nicht in ihre Wohnungen zurück, etwa 100.000
Menschen leben in Übergangsbehausungen. Internationale
Haftungsregimes sehen zudem vor, dass AKW-Betreiber nur für einen
Bruchteil der wahren Folgekosten eines nuklearen Unfalls aufkommen
müssen. Die Konventionen sehen eine Übernahme der Haftung im
Schadensfall zwischen 350 Millionen und 1,5 Milliarden Euro vor. "Die
Folgekosten der Katastrophe von Fukushima liegen bei rund 160 - 180
Milliarden Euro. Diese Konventionen schützen nicht die Menschen,
sondern die Atomindustrie", ist die Greenpeace-Sprecherin überzeugt.

Umso zynischer mutet an, dass auch vor den Toren Österreichs ein
Kampf um das Weiterbestehen der Atomkraft entfacht ist. Derzeit wird
auf EU-Ebene an der Energiezukunft bis 2030 gearbeitet. Länder wie
Großbritannien, Frankreich, aber auch Tschechien stellen sich aktuell
um Förderungen für neue AKW in Europa an. "Es herrscht derzeit ein
Richtungskampf in der EU. Jetzt entscheidet sich, ob die
Todestechnologie Atomkraft auch in der Zukunft Teil des europäischen
Energiemix ist", betont Kerschbaumsteiner. Während sich Deutschland
für eine ambitionierte und verbindliche Zieltrias von CO2-Reduktion,
Ausbau der erneuerbaren Energie und Energieeffizienz einsetzt,
schraubte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner beim vergangenen
Energieministerrat die Erwartungen zurück. "Österreich war in der
Vergangenheit ein Vorreiter für erneuerbare Energie und gegen
Atomkraft. Die Abkehr Österreichs von drei ambitionierten und
verbindlichen Zielen wäre eine gefährliche Wendung und würde
bedeuten, dass wir den Briten, Franzosen und Tschechen das Feld
überlassen. Wir wissen, was dies bedeutet: weitere brandgefährliche
Atomkraftwerke in Europa", ist Kerschbaumsteiner besorgt. Um dies zu
verhindern benötige es neben der Verfolgung von ambitionierten und
verbindlichen Klima- und Energiezielen auch "das konsequente
Vorantreiben von Allianzen mit starken Verbündeten wie Deutschland",
nur so könne die Renaissance der Atomkraft in Europa und ein
möglicher Reaktorunfall wie in Fukushima vor drei Jahren
ausgeschlossen werden.

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