Greenpeace-Report: Neue Ära des Risikos durch alternde AKW

Greenpeace startet Petition gegen Laufzeitverlängerungen - Europäische Energiewende ist das einzig probate Mittel, um die Gefahr, die von Atomkraft ausgeht, für immer zu bannen

Paris/Wien (OTS) - Der heute von Greenpeace veröffentlichte Bericht "Alternde Atomreaktoren: Eine neue Ära des Risikos" macht das Gefahrenpotenzial alternder Atomkraftwerke in Europa zum Thema. Mit einem Durchschnittsalter von 29 Jahren bei einer ursprünglich geplanten Laufzeit von 30 oder 40 Jahren, wird die Reaktor-Alterung in vielen europäischen Ländern zu einer immer unkalkulierbareren Gefahr. Auch Österreich ist durch grenznahe, überalterte AKW in Ungarn, Tschechien, Slowenien und der Slowakei einem massiven Sicherheitsrisiko ausgesetzt. "Das Motiv für die Laufzeitverlängerung von alten, sich in schlechtem Zustand befindlichen AKW ist klar: Weil Atomkraftwerke viel teurer sind als zuvor angenommen, setzen die Betreiber alles daran, ihre Kraftwerke unverantwortlich lange am Netz zu halten. Dass damit das Risiko von nuklearen Unfällen um ein Vielfaches steigt, ist in ihrer Rechnung kein Faktor", erklärt Julia Kerschbaumsteiner, Energiesprecherin von Greenpeace.

Der neue Bericht unterstreicht das technische Gefährdungspotenzial und macht die wirtschaftlichen und politischen Motive, die den Laufzeitverlängerungen zugrundeliegen, zum Thema. Der Report verdeutlicht, dass sich trotz technischer Aufrüstungen und Ausbesserungen der Zustand von Atomreaktoren über einen langen Zeitraum massiv verschlechtert. Für die Sicherheit wesentliche Komponenten, wie etwa Druckbehälter in den Reaktoren und das Reaktorgebäude können nicht ersetzt werden. Die Wahrscheinlichkeit eines nuklearen Unfalls oder möglicher Komplikationen steigt damit kontinuierlich. Dennoch beeinflussen wirtschaftliche und politische Argumente die Entscheidung über Laufzeitverlängerungen von alten Reaktoren, deren Kosten bereits amortisiert sind.

Der Report wurde mitten in der "heißen Phase" der Verhandlungen um die europäischen Klima- und Energieziele für das Jahr 2030 vorgestellt. "Die europäische Energiewende ist das einzig probate Mittel, um die Gefahr, die von Atomkraft ausgeht, für immer zu bannen. Die Entscheidungsträger müssen nun die Gelegenheit ergreifen und das Ende der Ära des Risikos einleiten, indem sie ein ambitioniertes und verbindliches Paket aus CO2-Reduktion, Ausbau der Erneuerbaren und Energieeffizienz schnüren", fordert die Energiesprecherin.

Greenpeace fordert die umgehende Schließung von AKW, deren ursprüngliche Laufzeit beendet ist und ruft Regulationsbehörden in Europa dazu auf, keine weiteren Verlängerungen mehr zu genehmigen. Auf der neuen Website http://out-of-age.eu/?lang=de bietet Greenpeace allen BürgerInnen die Möglichkeit, aktiv gegen Laufzeitverlängerungen zu werden, indem sie eine Petition unterstützen.

Um die Risiken, die von europäischen alternden AKW ausgehen aufzuzeigen, haben 240 AktivistInnen von Greenpeace an Aktionen in Frankreich, Schweden, Belgien, Spanien, Niederlande sowie der Schweiz teilgenommen. Mit der Aktion fordern sie ihre Regierungen auf, Lizenzen für die Verlängerung der Laufzeit zu stoppen und stattdessen in erneuerbare Energien zu investieren. Die Staaten sind aufgerufen, sich für ein europäisches Ausbauziel für Erneuerbare von 45 Prozent einzusetzen.

Rückfragen & Kontakt:

Julia Kerschbaumsteiner, Energiesprecherin bei Greenpeace, Tel.: +43 (0)664 857 4596
Florian Schweitzer, Pressesprecher Greenpeace, Tel.: +43 (0)664 612 6718

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