Leitartikel - TIROLER TAGESZEITUNG Dienstag, 4.März 2014, von Anita Heubacher: "Der Neue braucht einen langen Atem"

Innsbruck (OTS) - Die SPÖ lässt einen neuen Parteichef zu und zementiert damit auch die alte Riege ein. Das Ergebnis der Reformgruppe ist die Rückbesinnung auf die Arbeitnehmer. Ob das Rezept für einen Wahlsieg reicht, wird sich zeigen.

Es war eine kluge Entscheidung von Gerhard Reheis, sich als SP-Parteichef zurückzuziehen und den Weg für etwas Neues zumindest in der Partei frei zu machen. Klug auch deshalb, weil diese Lösung Reheis den Klubobmann sichert und dem Landtagsabgeordneten Georg Dornauer den Geschäftsführer in der Parteizentrale. Eine Hand wäscht die andere.
Obwohl sich das alte System festbeißt, lässt die Partei mit dem Roppener Bürgermeister Ingo Mayr eine Neuerung zu. Dass der Oberländer gestern vom Landesparteivorstand als Kandidat für die Obmannwahl im Juni empfohlen wurde, erfordert schon taktische Raffinesse. Reheis und Dornauer holten die Gewerkschaft, die Frauen, die Jungen, Innsbruck und Innsbruck-Land mit ins Boot. Eine Phalanx, die etwaigen Gegenkandidaten und den Kritikern vorerst den Wind aus den Segeln genommen hat. Lange Zeit galt Landtagsabgeordneter Thomas Pupp als Hoffnungsträger der Partei. Er hätte alles werden können, hat aber am Ende zu lange gezögert und vor allem das Eigenleben der Partei unterschätzt. Pupp wäre vermutlich nicht mehrheitsfähig gewesen.
Ingo Mayr ist Gerhard Reheis Wunschkandidat und Freund. Das ist eine Voraussetzung dafür, dass die Konstellation Klubobmann und Parteichef überhaupt funktioniert. Bei Regierungsparteien üblich, gilt die Trennung der Funktionen für Oppositionsparteien als Notlösung. Erstens fehlt dem Parteichef die mediale Bühne. Die im Landtag besetzen der Klubobmann und die Abgeordneten und für die in der Innenpolitik ist die SPÖ Tirol zu bedeutungslos. Zweitens zeigt die politische Praxis, dass die Trennung von Klub-obmann und Parteichef oft dazu führt, dass einer den anderen abmontiert.
Die Weichen für die Zukunft der SPÖ wurden also gestellt. Auch wenn Ingo Mayr einen Gegenkandidaten beim Parteitag im Juni erhält, gilt er aufgrund der breiten Phalanx als Favorit. Wird er gewählt, ist Mayr der Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2018. Spät, aber doch kann er dann die Früchte in Form eines bezahlten Mandats ernten.

Bleibt die reformierte Partei. Während Reheis nicht Teil der Reformgruppe war, saß Mayr mit am Tisch. Die SPÖ will sich auf ihre einstige Kernzielgruppe, die Arbeitnehmer, konzentrieren. Und da ist Mayr wohl der passendere Kopf dazu als Pupp. Wenn Mayr Chef wird, braucht er einen langen Atem. So schnell wie von den Roten erhofft wird Schwarz-Grün nicht platzen und vielleicht sogar in Verlängerung gehen.

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