• 03.03.2014, 22:00:34
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Leitartikel - TIROLER TAGESZEITUNG Dienstag, 4.März 2014, von Anita Heubacher: "Der Neue braucht einen langen Atem"

Innsbruck (OTS) - Die SPÖ lässt einen neuen Parteichef zu und
zementiert damit auch die alte Riege ein. Das Ergebnis der
Reformgruppe ist die Rückbesinnung auf die Arbeitnehmer. Ob das
Rezept für einen Wahlsieg reicht, wird sich zeigen.

Es war eine kluge Entscheidung von Gerhard Reheis, sich als
SP-Parteichef zurückzuziehen und den Weg für etwas Neues zumindest in
der Partei frei zu machen. Klug auch deshalb, weil diese Lösung
Reheis den Klubobmann sichert und dem Landtagsabgeordneten Georg
Dornauer den Geschäftsführer in der Parteizentrale. Eine Hand wäscht
die andere.
Obwohl sich das alte System festbeißt, lässt die Partei mit dem
Roppener Bürgermeister Ingo Mayr eine Neuerung zu. Dass der
Oberländer gestern vom Landesparteivorstand als Kandidat für die
Obmannwahl im Juni empfohlen wurde, erfordert schon taktische
Raffinesse. Reheis und Dornauer holten die Gewerkschaft, die Frauen,
die Jungen, Innsbruck und Innsbruck-Land mit ins Boot. Eine Phalanx,
die etwaigen Gegenkandidaten und den Kritikern vorerst den Wind aus
den Segeln genommen hat. Lange Zeit galt Landtagsabgeordneter Thomas
Pupp als Hoffnungsträger der Partei. Er hätte alles werden können,
hat aber am Ende zu lange gezögert und vor allem das Eigenleben der
Partei unterschätzt. Pupp wäre vermutlich nicht mehrheitsfähig
gewesen.
Ingo Mayr ist Gerhard Reheis Wunschkandidat und Freund. Das ist
eine Voraussetzung dafür, dass die Konstellation Klubobmann und
Parteichef überhaupt funktioniert. Bei Regierungsparteien üblich,
gilt die Trennung der Funktionen für Oppositionsparteien als
Notlösung. Erstens fehlt dem Parteichef die mediale Bühne. Die im
Landtag besetzen der Klubobmann und die Abgeordneten und für die in
der Innenpolitik ist die SPÖ Tirol zu bedeutungslos. Zweitens zeigt
die politische Praxis, dass die Trennung von Klub-obmann und
Parteichef oft dazu führt, dass einer den anderen abmontiert.
Die Weichen für die Zukunft der SPÖ wurden also gestellt. Auch
wenn Ingo Mayr einen Gegenkandidaten beim Parteitag im Juni erhält,
gilt er aufgrund der breiten Phalanx als Favorit. Wird er gewählt,
ist Mayr der Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2018. Spät, aber
doch kann er dann die Früchte in Form eines bezahlten Mandats ernten.

Bleibt die reformierte Partei. Während Reheis nicht Teil der
Reformgruppe war, saß Mayr mit am Tisch. Die SPÖ will sich auf ihre
einstige Kernzielgruppe, die Arbeitnehmer, konzentrieren. Und da ist
Mayr wohl der passendere Kopf dazu als Pupp. Wenn Mayr Chef wird,
braucht er einen langen Atem. So schnell wie von den Roten erhofft
wird Schwarz-Grün nicht platzen und vielleicht sogar in Verlängerung
gehen.

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