- 13.02.2014, 14:04:47
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Salon A - "Monetik darf nicht vor Ethik gehen"

Wien (OTS) - Am 12. Februar luden die Vertreter der Gesellschaft der
österreichischen Apotheker zum ersten Salon A im Jahr 2014 in die
Servitengasse. Unter dem Motto "Daten, Statistik & Sicherheit"
diskutierten diese im Rahmen eines interdisziplinären
Meinungsaustausches mit hochkarätigen Vertretern aus Industrie und
Forschung. Zum gemeinsamen Get-together geladen wurden Dr. Gerald
Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte Österreichs und Mag. Erika
Sander von IMS Health Österreich.
Was bedeutet Sicherheit im Hinblick auf patientenbezogene Daten?
Welche Vorteile ergeben sich durch die Sammlung von Datenmaterial für
die Patienten? Welche Rolle kommt der Apothekerschaft im Hinblick auf
die Erfassung von Patientendaten zu? Diese Fragen erörterten die
Ehrengäste Dr. Gerald Bachinger und Mag. Erika Sander gemeinsam mit
den anwesenden Apothekern beim gestrigen Salon A.
IMS Health, als eines der weltweit größten Markforschungsinstitute
im Gesundheitswesen, ist darauf spezialisiert, Statistiken und
Analysen auf Basis von Daten aus Arztpraxen, Apotheken,
Krankenhäusern und weiteren Leistungserbringern zu erstellen. Diese
dienen in erster Linie der Information für öffentliche Einrichtungen
wie Arzneimittelzulassungsbehörden wie z.B. die EMA, Krankenkassen,
Ministerien und die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auch
Leistungserbringern, kassenärztlichen Vereinigungen,
Pharma-unternehmen und Forschungsinstituten werden die Studien zur
Verfügung gestellt - also all jenen, die für unsere
Gesundheitsversorgung verantwortlich sind. Insbesondere in den
Bereichen Diagnose und medikamentöse Therapie ist die Ärzteschaft für
diese Studien ein wichtiger Partner zur Sammlung von Daten. "Die
Teilnahme an unseren Studien ermöglicht eine unabhängige Auswertung
von Informationen unter anderem zur Versorgungsforschung und leistet
damit einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis von
Krankheitsverläufen und der Wirkung bestimmter Therapien. Oberstes
Ziel ist dabei immer eine optimierte Gesundheitsversorgung der
Patienten", erläuterte Mag. Erika Sander von IMS Health Österreich.
Verbesserung der Versorgungsforschung durch die Erfassung von
Patientendaten
Adäquate Datenerfassung ist für das Gesundheitssystem von großer
Bedeutung und leistet einen wichtigen Beitrag für die
Versorgungsforschung. "Alle Stakeholder im Gesundheitswesen benötigen
Einblicke in den Gesundheitsmarkt. Dieser wird, wie andere Märkte
auch, von Marktforschungsunternehmen bedient. Der wissenschaftliche
Aspekt jedes Projekts steht im Vordergrund und ist in der Regel mit
der Erhebung von Daten verbunden. Die Ergebnisse von Erhebungen
dienen allen Stakeholdern - im Mittelpunkt steht das Wohl der
Patienten", so Mag. Sander. Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der
Patientenanwälte Österreichs, stellte fest, dass die Allokation von
Gesundheitsressourcen in Österreich sehr unstrukturiert, geradezu
zufällig und chaotisch erfolgt: "Es ist äußerst wichtig, dass
Datenerhebungen evidenzbasiert stattfinden und strategisch sowohl als
auch zielgerichtet sind. Bei der Erhebung von Patientendaten muss
mehr Transparenz geschaffen werden." Salon A-Obfrau Mag.pharm. Dr.
Ulrike Mursch-Edlmayr erläuterte die Sichtweise der Apothekerschaft
zu diesem Thema: "Erhebungen sind keineswegs nur ein lukrativer
Wirtschaftszweig. Im Gegenteil, Datenerfassung unterstützt auch aus
Sicht der Apothekerschaft die Verbesserung der Versorgungsforschung.
In weiterer Folge ist diese ein wichtiges Instrument zur tatsächlich
besseren Versorgung der Patienten. Insbesondere aus Daten zu
Compliance und Adherence können Rückschlüsse zum Umgang mit den
Patienten generiert werden, die im Rahmen einer Therapie besonders
wertvoll sind. Dies könnte ein enormer Vorteil für alle Beteiligten
im Gesundheitswesen sein."
Bachinger: "Monetik darf nicht vor Ethik gehen"
Die Experten hinterfragten einen gewerbemäßigen Verkauf von
Arzneimitteln durch die Ärzteschaft. Der Patient ist in hohem Maße
auf das Wissen und die Empfehlung des Arztes als Experte für
Erkrankungen und Anbieter medizinischer Leistungen angewiesen. Dem
Apotheker vertraut er als Experte für Arzneimittel. Dr. Gerald
Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte Österreichs, erläuterte:
"Ethische Reflexionen und Überlegungen sind bei allen individuellen
Behandlungsentscheidungen von grundlegender Bedeutung. Die
Empfehlungen des Arztes müssen sich neben der fachlichen Einschätzung
am Patientenwohl orientieren. Verdient ein Arzt am Verkauf von
Medikamenten mit, können leicht falsche finanzielle Anreize in
Richtung der Verschreibung unnötiger oder zu teurer Medikamente
entstehen. Monetik darf nicht vor Ethik gehen!" Die deutsche
Berufsordnung verbietet, dass Ärzte Medikamentenempfehlungen
aussprechen, damit für Patienten die für sie bestmögliche Therapie
sichergestellt werden kann und zugleich die Unabhängigkeit von Ärzten
erhalten bleibt. "Wir Apotheker erhalten von vielen Patienten
Beschwerden, dass Ärzte Arzneimittelempfehlungen aussprechen und die
Patienten sich dadurch unter Druck gesetzt fühlen. Monetäre
Interessen dürfen nicht auf dem Rücken unserer Patienten ausgetragen
werden. Das Wohl unserer Patienten muss oberste Priorität sein", so
Obfrau-Stellvertreter Mag.pharm. Corinna Prinz-Stremitzer.
Die in dieser Presseinformation verwendeten Personen- und
Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in
einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide
Geschlechter bezogen.
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