Genmais: Ärztekammer appelliert an die Vernunft der EU-Länder

"Erhebliches Risiko für das biologische Gleichgewicht der Natur"

Wien (OTS) - Die Ärztekammer appelliert an die Vernunft der EU-Länder hinsichtlich der Zulassung von Genmais. Rechtsunsicherheiten und formale Gründe auf europäischer Ebene dürften nicht der Anlass für unüberlegte Entscheidungen sein, die nicht mehr rückgängig gemacht werden könnten, betonte der Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien, Piero Lercher. ****

Es gehe dabei nicht nur um die direkten gesundheitlichen Folgen, sondern auch um die indirekten gesundheitlichen Folgen durch Auswirkungen auf die Biodiversität der Ernährung sowie die Beeinflussung der Boden- und Wasserqualität. Sowohl Gentechnik-Befürworter als auch Gentechnik-Gegner müssten eingestehen, dass eine diesbezügliche, definitive Antwort anhand der aktuellen Studienlage bis dato noch nicht möglich sei.

Für Lercher steht das Vorsorgeprinzip an oberster Stelle, "und dieses gilt aus ärztlicher Sicht wohl so lange, bis das Ausmaß und die Art der Gefahren bei der Einwirkung von transgenen Pflanzen endgültig und adäquat eingeschätzt werden kann".

Das aktuelle Beispiel der eklatanten Zunahme der Resistenzentwicklung des so genannten Maiswurzelborers (Diabrotica virgifera) bei gentechnologisch modifizierten Maissorten in den USA zeige eindringlich das hohe Gefahrenpotenzial. Zudem könne im Falle der Genmaissorte "Pioneer 1507" auch eine Gefährdung von Nützlingen wie Bienen, Schmetterlingen oder Regenwürmern nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden.

Lercher: "Gelangen gentechnisch veränderte Organismen in die freie Natur, sind sie kaum zu kontrollieren und nicht mehr rückholbar. Sie stellen damit ein erhebliches Risiko für das biologische Gleichgewicht der Natur dar."

Sollte von der EU-Kommission tatsächlich eine Zulassung der aktuellen Genmaissorte erwirkt werden, fordert Lercher die Erstellung einer Liste aller diesbezüglich verantwortlichen Personen oder Institutionen, die im Zuge etwaiger Schäden oder Schadenersatzansprüche haftbar gemacht werden könnten. Diese müssten sich dann auch zu einer Übernahme der Haftung im Falle etwaiger Schäden verpflichten.

In jedem Fall müsse das Recht auf Gesundheit und nachhaltige Integrität im Sinne einer Generationenverantwortung weit höher stehen als wirtschaftliche Interessen. Lercher: "Wie auch immer die Entscheidung der EU-Kommission ausgehen mag, die Wiener Ärztekammer steht voll und ganz hinter der Entscheidung der österreichischen Bundesregierung und der Mehrheit der Bevölkerung, eine gentechnikfreie Landwirtschaft zu propagieren und zu garantieren." (hpp)

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