• 06.02.2014, 22:00:33
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Freitag, 7. Februar 2014, von Florian Madl: "Putins Angst vor dem Bauchfleck"

Innsbruck (OTS) - Das Prestigeprojekt der ersten Olympischen
Winterspiele in Russland prägt Wladimir Putins politisches Erbe
maßgeblich. Der Präsident investierte alles, um nicht zu scheitern.
Und erhöhte damit sein Risiko, dass das passiert.

Nichts trifft zielgenauer ins Herz von Wladimir Putin als
internationale Kritik. Während der russische Präsident nach außen hin
stets mit versteinerter Miene Gelassenheit demonstriert, ist dem
begnadeten Selbstdarsteller doch nichts mehr Animo als Anerkennung
außerhalb der Landesgrenzen. Bei seinen Unternehmungen wirkt der
61-Jährige deshalb wohl auch wie ein Teenager, der auf dem
Zehn-Meter-Turm eines Schwimmbads steht, um vor versammeltem
Freundeskreis stilvoll im Becken zu landen. Die Winterspiele in
Sotschi sind so ein Sprung, bei dem alles, nur kein Bauchfleck
herauskommen soll.
Die Messlatte für die ersten Olympischen Winterspiele in Russland?
Mit Sicherheit nicht nur die Präparierung der Skipisten, der Zustand
des Eiskanals oder - wie es uns viele Journalisten glauben machen
wollen - der Zustand der Medienhotels. Den Wert Olympischer Spiele
definiert das Erleben während der Wettkämpfe, für das zurückhaltende
Russland die erste Hürde: Bei der Leichtathletik-WM 2013 in Moskau
sprangen vergangenes Jahr zwar die Sportler, aber nicht die Funken.
Claqueure, wie sie Wladimir Putin zeit seiner Polit-Karriere
verpflichtete, können dem Anspruch kaum gerecht werden. Man müsste
wohl allen Kindern Russlands schulfrei geben und diese nach Sotschi
einladen, um das zu kaschieren.
Bleiben die Winterspiele in Sotschi skandalfrei? Das hat Putin,
der Spielemacher, nicht in der Hand. Bleiben sie vom Terror
verschont? Dafür wurde alles getan. Was von den Spielen letztlich
bleibt, ist aber auch das, was nicht bleibt: Athen (Sommerspiele
2004) und Turin (Winterspiele 2006) kämpfen seit dem
Zwei-Wochen-Auftritt mit leer stehenden und verfallenden
Sportstätten. Das gilt auch für Peking (Sommerspiele 2008), nur dort
kann man sich das leisten.
Vancouver (Winterspiele 2010) und vor allem London (Sommerspiele
2012) haben vorgezeigt, wie die Zukunft Olympischer Spiele ausschauen
könnte. Diesen Beweis muss man in Sotschi erst antreten, die
Vorzeichen stehen nicht gut:
Wären die 40 investierten Milliarden Euro großteils in
Notwendigkeiten der strukturschwachen Region Krasnodar geflossen,
müsste sich Putin wohl weniger Kritik gefallen lassen. Das gilt
ebenso für das Internationale Olympische Komitee, das bei der Vergabe
von Spielen stets Dollarzeichen im Augapfel trägt. Ein Scheitern
Sotschis und Putins käme auch einem Scheitern der olympischen
Bewegung gleich.

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