- 06.02.2014, 09:16:42
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Lungenkrebs: "Selbstschutz" von Tumorzellen kann blockiert werden
Wien (OTS) - Die Autophagie hilft Tumorzellen, etwa bei einer
Chemotherapie, länger zu überleben, indem sie sozusagen auf einen
Energiesparmodus umschalten, um sich selbst zu schützen.
ForscherInnen des Klinischen Instituts für Pathologie der MedUni Wien
und des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) haben nun ein Gen
identifiziert, das an diesem Selbstschutz der Zelle bei Lungenkrebs
beteiligt ist. Gleichzeitig wurde gezeigt, dass es zu einer Blockade
der Autophagie kommt, wenn man dieses Gen ausschaltet und damit ein
wesentlich längeres Überleben bei Lungenkrebs möglich wird. Das Paper
wurde nun im Top-Journal "Nature Communications" veröffentlicht.
Die Autophagie ist ein "Recyclingprogramm" der Zelle. Dabei werden
unter anderem zelleigene Proteine verdaut und wiederverwertet. Die
Zelle "frisst sich zum Teil selbst". Das passiert besonders in
Stress-Situationen und bei mangelnder Nährstoffversorgung. Dieser
Mechanismus dient der Zelle dazu, auch bei geringer Energiezufuhr am
Leben zu bleiben und sichert in schnell wachsenden Tumoren das
Überleben der Krebszellen.
Bei Krebs spielt die Autophagie eine doppelte Rolle - zum einen
bietet sie eine Schutzfunktion, um Tumor-Nekrose und Entzündung zu
begrenzen, zum anderen mildert sie Genomschäden in den Tumorzellen
als Reaktion auf metabolischen Stress.
Die ForscherInnen fanden nun im Tiermodell heraus, dass die vom Gen
Atg5 gesteuerte Autophagie an der Progression von Lungenkrebs
maßgeblich beteiligt ist. Schaltet man dieses Gen aus, wird dieser
lebensrettende Energiesparmodus der Zelle blockiert und führt dazu,
dass sich die Überlebenszeit deutlich verlängert. In dieser Situation
könnte z.B. eine Chemotherapie wesentlich besser wirken.
"Ziel ist es nun, Substanzen zu finden, die diese Autophagie
blockieren können. Danach könnten die klinische Studien starten",
sagt Lukas Kenner vom Klinischen Institut für Pathologie der MedUni
Wien und vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Krebsforschung.
Josef Penninger, Direktor am IMBA und Letztautor der Studie, ergänzt:
"Unsere Daten zeigen, dass man eventuell am Prozess der Autophagie in
der Tumortherapie ansetzen kann. Wir haben jedoch auch entdeckt, dass
das Abschalten von Autophagie in frühen Tumoren dazu führt, dass
sogar mehr Zellen zu Lungenkrebszellen werden. Daher hat Autophagie
eine zweifache Rolle in der Krebsentstehung. Shuan Rao, Postdoc in
meiner Gruppe, hat auch entdeckt, dass die Rolle von Autophagie in
unserem Lungenkrebsmodell von anderen Tumorsuppressoren, im
speziellen von p53, abhängt". Weitere Studien zur Untersuchung dieser
Zusammenhänge sollen folgen.
Höchste Mortalität bei Lungenkrebs
Lungenkrebs ist die häufigste Krebs-Art. Rund 20.000 Menschen sterben
jährlich in Österreich an Krebs, davon rund 3.600 in Folge eines
Lungenkarzinoms. Der größte Risikofaktor für Lungenkrebs ist das
Rauchen. Kenner: "Schon nach zehn Zigaretten ist eine genetische
Tabak-Signatur erkennbar." Weitere Risiken: Feinstaub, Passivrauchen,
Berufe in der Schwerindustrie (Asbest, Staub, Dämpfe, etc.),
Vererbung und Ernährung. "Studien haben gezeigt, dass ausreichender
Verzehr von Antioxidantien wie z.B. Obst und Gemüse das Krebsrisiko
senken kann", so der MedUni Wien-Forscher.
Service: Nature Communications
"A dual role for autography in a murine model of lung cancer." Shuan
Rao, Luigi Tortola, Thomas Perlot, Gerald Wirnsberger, Maria
Novatchkova, Roberto Nitsch, Peter Sykacek, Lukas Frank, Daniel
Schramek, Vukoslav Komnenovic, Verena Sigl, Karin Aumayr, Gerald
Schmauss, Nicole Fellner, Stephan Handschuh, Martin Glösmann, Pawel
Pasierbek, Michaela Schlederer, Guenter P. Resch, Yuting Ma, Heng
Yang, Helmuth Popper, Lukas Kenner, Guido Kroemer & Josef M.
Penninger. Nature Communications, 20 Jan. 2014. DOI:
10.1038/ncomms4056.
Web-Link:
www.nature.com/ncomms/2014/140120/ncomms4056/full/ncomms4056.html
Medizinische Universität Wien - Kurzprofil
Die Medizinische Universität Wien (kurz: MedUni Wien) ist eine der
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Institut für Molekulare Biotechnologie - Kurzprofil
Das IMBA ist ein international anerkanntes Forschungsinstitut mit dem
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RNA-Interferenz und Epigenetik, ebenso wie an unmittelbaren
medizinischen Fragestellungen aus den Gebieten Onkologie,
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