US-Papierindustrie leidet unter explodierenden Gaspreisen

Biomasse-Verband: Kritik der Papierindustrie an Ökostromgesetz ist ungerechtfertigt

Wien (OTS) - Die Gaspreise sind in den USA in zwei Jahren um 150 Prozent gestiegen - trotz Fracking-Aktivitäten. Nach Berichten mehrerer US-Zeitungen schockiert dies energieintensive Unternehmenszweige, wie z.B. die US-Papierindustrie. Es erfolgen bereits Produktionsrücknahmen und Personalkürzungen. Zudem schreiben seit fünf Jahren die meisten Unternehmen, die im Fracking-Bereich in den USA tätig sind, nur Verluste. Diese betrugen bei den größten Betreibern gemäß einer Studie von S&P Capital IQ allein im Jahr 2012 in Summe rund 50 Milliarden US-Dollar. Es könnte demnach zu einer "Frackingblase", ähnlich der Immobilienblase, kommen. Die Investitionen ausländischer Firmen in den USA, etwa für weitere Bohrrechte, sind ebenfalls eingebrochen, auf 3,4 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich dazu betrug der Höchststand vor einigen Jahren noch 30 Milliarden US-Dollar, berichtet Energieexperte Werner Zittel von der Ludwig-Bölkow Stiftung. Auch die heimische Papierindustrie betreibt eine energieintensive Reststoffverwertung, die sich vornehmlich auf Importe fossiler Energieträger stützt. Etwa fünf Prozent der in Österreich eingesetzten Energie werden dafür benötigt, da für die Verarbeitung von einem Kubikmeter Holz zu Papier, Pappe und Zellstoff in etwa der Energiegehalt von 220 Kubikmeter Erdgas nötig ist. Das ist mehr Energie als im Holz selbst steckt. Das Beispiel USA zeigt deutlich auf, dass Fracking langfristig keine Option ist und erneuerbare Energien der einzige Ausweg sind.

Kommissionsvorschlag unakzeptabel

"Derzeit wird von der EU-Kommission Industriepolitik gegen den Willen der Bevölkerung gemacht, man öffnet der Atomenergie Tür und Tor und versucht, mit dem Schreckgespenst der Deindustrialisierung die Energiewende zu verteufeln", zeigt sich Dr. Horst Jauschnegg, Vorsitzender des Österreichischen Biomasse-Verbandes, entrüstet. Die Entwicklungen in den USA zeigen deutlich, dass die Gier nach billigen Rohstoffen auf Dauer nicht zu befriedigen ist. Das Europäische Parlament muss sich entscheiden, ob es wie die Europäische Kommission in Zukunft Politik für Energiekonzerne oder für die Bevölkerung machen will. Die Stimmung ist eindeutig: 80 Prozent der Österreicher sprechen sich für die Energiewende aus. Nur 12 Prozent sind der Meinung, dass wir bei Öl, Kohle und Erdgas bleiben sollen. "Unsere Forderungen für die künftige Energie- und Klimapolitik der EU liegen bei 45 Prozent erneuerbarer Energien bis 2030, 30 Prozent Energieverbrauchsreduktion gegenüber 2005 und eine CO2-Einsparung von 55 Prozent gegenüber 1990", erklärt Jauschnegg. "Das von der Kommission vorgeschlagene 27 Prozent-Ziel bis 2030 ist eine Farce. Noch vor wenigen Monaten hat die EU ein Erneuerbaren-Ziel von 30 Prozent bis 2020 in die Waagschale bei den weltweiten Klimaschutzverhandlungen geworfen."

Biomasse-Branche erfüllt strengste Effizienzkriterien

Das Ökostromgesetz sieht nur einen moderaten Ausbau der Biomasse, mit Fokus auf kleine dezentrale Anlagen mit Wärmenutzung, vor. Das bestehende Ökostromgesetz garantiert, dass nur mehr jene Anlagen einen Fördervertrag erhalten, die strengste Effizienzkriterien erfüllen und eine praktisch ganzjährige Nutzung der Abwärme nachweisen können. Ähnliches gilt für Bestandsanlagen, die einen Nachfolgetarif wollen. Mit der Verordnung der Einspeisetarife für 2014 und 2015 hat das Wirtschaftsministerium stabile Rahmenbedingungen geschaffen, die vor allem eine Weiterentwicklung von dezentralen Anlagenkonzepten ermöglichen. "In den Anlagen der Papier- und Plattenindustrie - den derzeit größten Kritikern des Ökostromgesetzes - stecken hunderte Millionen Euro an Fördergeldern, die Industrie profitiert von niedrigen Stromkosten sowie von Millionen Euro an Erdgasabgabenrückvergütung. Hier von Wettbewerbsverzerrungen zu sprechen, ist zynischer Industrielobbyismus", erklärt Jauschnegg.

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