• 27.01.2014, 22:00:33
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Olympia-Touristen sind keine zu finden", von Florian Madl

Ausgabe vom 28. Jänner 2014

Utl.: Ausgabe vom 28. Jänner 2014 =

Innsbruck (OTS) - Das größte österreichische Olympia-Team bei
Winterspielen wartet mit einigen hoffnungsvollen Sportlern auf. Die
werden zwar nicht alle im Spitzenfeld zu finden sein, aber
möglicherweise stellt Sotschi eine Initialzündung dar.

Bei den Sommerspielen 2012 in London mussten sich österreichische
Sportler von Sportminister Norbert Darabos das Attribut
"Olympia-Tourist" verpassen lassen. Das dürfte bei den Winterspielen
2014 in Sotschi (RUS) nicht passieren: Einerseits versprüht die
subtropische Schwarzmeerküste nicht das gleiche Flair wie die hippe
Millionen-Metropole, Reisevergnügen stellen der lange Flug und das
bescheidene Shopping-Erlebnis wohl auch keines dar. Zudem dürfte
Darabos Nachfolger Gerald Klug dazugelernt haben: Bei ohnehin
emotionsgeladenen Großereignissen geht Feuerlöschen vor Brandlegen.
Vor allem dann, wenn man im Sinne seiner Sportler eine Reise antritt
und diese nach Kräften zu unterstützen gedenkt.
Und zu guter Letzt dürfte man auch auf Seiten des
Sportministeriums zur Einsicht gelangt sein, dass bisweilen auch der
Weg das Ziel sein kann. Mit der ÖOC-Nominierung des jungen
Viererbob-Teams wurde ein Prozess eingeleitet, der eines Tages
durchaus zu Edelmetall führen kann. Nur passiert das eher nicht heute
(also 2014), sondern wohl morgen (2018) oder übermorgen (2022). Wer
sich zu Olympischen Jugendspielen bekennt und sich den
Anti-Dopingkampf auf die Fahnen schreibt, darf von einem Teenager
nicht verlangen, das Podest schon bei seinem Debüt zu erklimmen.
In Österreichs Olympia-Team findet sich mit dem 15-jährigen
Freestyler Marco Ladner ein weiterer Mann mit Perspektive, den der
Auftritt in Sotschi für weitere sportliche Herausforderungen stählen
sollte. Und sollte jemals eine Diskussion darüber aufkommen,
inwieweit Ausgaben im hohen vierstelligen Bereich für einen 20. Platz
bei Olympischen Spielen zu rechtfertigen seien: Diese Frage ließe
sich auch bei all jenen Kiebitzen stellen, die demnächst regelmäßig
im Österreich-Haus von Sotschi anzutreffen sind und deren genauere
Funktion sich nicht jedem Beobachter erschließt.
Aus der Sicht der Tirol Werbung und des Österreichischen Olympischen
Komitees eignen sich Olympische Spiele und Alpine
Ski-Weltmeisterschaften als Plattform, um die Wintersportaffinität
des Landes zu untermauern und den Tourismus anzukurbeln. Als
Gütesiegel fungieren sympathische und im besten Fall erfolgreiche
Sportler, die diesem Anspruch Authentizität verleihen. Österreich ist
in Sotschi nicht durch Olympia-Touristen vertreten. Zumindest nicht
durch solche, die dort Sport treiben.

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