• 24.01.2014, 10:02:54
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Ärztekammer: Kinder- und Jugendpsychiatrie ist Mangelfach

Expertin begrüßt öffentliche Diskussion - bereits fünf Prozent der Kinder depressiv

Utl.: Expertin begrüßt öffentliche Diskussion - bereits fünf Prozent
der Kinder depressiv =

Wien (OTS) - Es sei begrüßenswert, dass eine öffentliche Diskussion
über die psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung von
Kindern und Jugendlichen stattfinde und das Mangelfach Kinder- und
Jugendpsychiatrie in den Fokus der Öffentlichkeit rücke. Das sagte
die Obfrau der Bundesfachgruppe Kinder- und Jugendpsychiatrie in der
Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Charlotte Hartl, am Freitag in
einer Aussendung. Hartl reagierte damit auf die vom Team Stronach
losgetretene Debatte um die Verschreibung von Antidepressiva bei
Kindern und Jugendlichen und betonte, dass psychische Erkrankungen in
jedem Alter ernst zu nehmen seien und von Experten behandelt werden
müssten. "Eine psychische Krankheit verschwindet nicht einfach
wieder. Sie muss auf mehreren Ebenen behandelt werden; das bedeutet,
dass wir Fachärztinnen und -ärzte mit anderen Gesundheitsberufen
zusammenarbeiten müssen, etwa mit den Psychotherapeuten. Medikamente
alleine richten meist nicht viel aus, wenn man sich nicht auch die
Ursache des Problems vornimmt", sagte Hartl.

Generell ortet die Expertin enormen Verbesserungsbedarf, was die
Versorgung betrifft. Hartl: "Das Fach der Kinder- und
Jugendpsychiatrie steckt noch in den Kinderschuhen und ist noch nicht
einmal zehn Jahre alt, die Versorgung ist entsprechend mager. Wir
weisen seit Jahren darauf hin, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrie
in Österreich ein Mangelfach ist und dringend mehr Ausbildungsstellen
benötigt werden. Obwohl es in jüngster Zeit bundesweit graduelle
Verbesserungen gegeben hat und der Politik die Problematik durchaus
bewusst ist, ist noch viel zu tun." Mehr Betreuungsplätze in
Rehabilitationseinrichtungen wären ein guter Anfang, mehr Kassenärzte
ebenfalls. "Es kann nicht sein, dass Eltern, die unter der
psychischen Krankheit ihres Kindes ebenso leiden wie das Kind selbst,
für die Behandlungskosten privat aufkommen müssen. Wir brauchen
schlicht und ergreifend in allen Bundesländern Kassenplanstellen, im
Burgenland, in Salzburg und der Steiermark haben wir noch keine
einzige", forderte Hartl.

Die aktuelle Diskussion könne zur Enttabuisierung beitragen. Kinder
und Jugendliche litten nämlich öfter an psychischen Erkrankungen, als
gemeinhin angenommen. So seien rund fünf Prozent aller Kinder bereits
depressiv, "darüber kann man nicht einfach den Mantel des Schweigens
breiten", so die Expertin. Das Problem bestehe nicht darin, dass
Kindern und Jugendlichen Antidepressiva verschrieben würden; kein
Arzt werde leichtfertig ein Rezept ausstellen, wenn es nicht
unbedingt erforderlich sei. Das Problem sei vielmehr, dass psychische
Erkrankungen noch immer ein Tabuthema seien, und das quer durch alle
Altersgruppen. Die Expertin mahnte abschließend zum behutsamen Umgang
mit diesem sensiblen Thema: "Es hilft niemandem, wenn kranke Kinder
und Jugendliche für populistische Zwecke instrumentalisiert werden."
(slv)

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