• 09.01.2014, 09:48:39
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70 Prozent der Kokain-Proben sind mit einem Wurmmittel verunreinigt

Wien (OTS) - Ein alarmierendes Ergebnis: In über 70 Prozent der
Proben, die in der Vergangenheit als Kokain verkauft wurden, ist
neben dem Suchtmittel auch ein für den Menschen gefährliches
Wurmmittel aus der Tiermedizin enthalten. Diese
gesundheitsgefährdende Praxis von Dealern wurde nun am Zentrum für
Physiologie und Pharmakologie der MedUni Wien untersucht.

Wer glaubt, es bei Kokain mit einer "reinen" Substanz zu tun zu
haben, liegt fast immer falsch. Denn mehr als 90 Prozent des auf der
Straße verkauften Kokains ist mit unterschiedlichen Streckmitteln
versetzt. Und immerhin fast drei Viertel wird mit Levimasol - einem
für den Menschen gesundheitsgefährdenden Wurmmittel für Pferde und
andere Paarhufer - gestreckt.

Während die Dealer beim "Strecken" eines Suchtgifts nur den Profit
steigern wollen, wird durch Zugabe des Tiermedikaments Levamisol noch
ein weiterer Effekt erreicht: Nach der Aufnahme wird Levamisol im
Körper zu Aminorex verstoffwechselt. Diese ebenfalls schwer
gesundheitsschädliche Substanz zeigt eine starke amphetaminartige
Wirkung bei den DrogenkonsumentInnen. Die Dealer machen sich damit
ein Phänomen zunutze, das bereits aus dem Pferde-Rennsport bekannt
war.

Diese Erkenntnisse sind die wichtigsten Eckdaten einer Studie, die
soeben in einem "Special issue" des Top-Journals "Neurochemistry
International" veröffentlicht wurde. Beteiligt waren ForscherInnen
der MedUni Wien vom Zentrum für Physiologie und Pharmakologie des
Instituts für Pharmakologie (Leitung: Harald Sitte) in Zusammenarbeit
mit dem Drogenprojekt "checkit!" am Klinischen Institut für
Labormedizin KILM (wissenschaftliche Leitung: Rainer Schmid/MedUni
Wien) und einer Forschungsgruppe der Universität Wien (Leitung:
Gerhard Ecker).

Ausgangspunkt der Studie waren die laufenden Untersuchungen von
Suchtmitteln durch die Wiener Informations- und Beratungsstelle
"checkit!". Sie stellte in den vergangenen Jahren laufend massive
Beimengungen von Levimasol fest und initiierte deshalb die Studie.

Studie widerlegt bisherige wissenschaftliche Annahme

"Das Spannende ist, dass hier erstmals zwei komplett unterschiedliche
Substanzklassen gemeinsam vorkommen, von denen die Wissenschaft
bisher annahm, dass sie einander wegen ihrer gegensätzlichen
Wirkungen für den Suchtmittelmissbrauch ausschließen würden", so
Harald Sitte von der MedUni Wien. Weshalb dies bei der gleichzeitiger
Einnahme von Kokain und Levimasol doch nicht so ist, konnten die
verantwortlichen ForscherInnen Tina Hofmaier und Oliver Kudlacek
ebenfalls klären: Die Wirkung von Aminorex - dem sogenannten
Metaboliten von Levamisol - setzt dann ein, wenn die von Kokain
bereits abklingt. Dadurch verlängert sich für den Konsumenten der von
Kokain erwartete Effekt.

Prävention und Aufklärung sind ein wirksamer Schutz

Die Studie bestätigt einmal mehr, dass in Drogen häufig nicht oder
nicht nur das drinnen ist, was sich Drogenkonsumenten erwarten.
Wissenschaftlich geklärt sind die genauen Mechanismen und Wirkungen
vieler Substanzkombinationen bisher allerdings nur ansatzweise. Klar
ist jedoch, dass Drogen-Cocktails in der Regel noch gefährlicher sind
als die einzelnen Substanzen. Sitte: "Auch deshalb sind Prävention
und Aufklärung im Zusammenhang mit dem missbräuchlichen Konsum von
Suchtmitteln so wichtig."

Service: Neurochemistry International

"Aminorex, a metabolite of the cocaine adulterant levamisole, exerts
amphetamine like actions at monoamine transporters." Tina Hofmaier,
Anton Luf, Amir Seddik, Thomas Stockner, Marion Holy, Michael
Freissmuth, Gerhard F. Ecker, Rainer Schmid, Harald H. Sitte, Oliver
Kudlacek. Neurochemistry International (2013),
http://dx.doi.org/10.1016/j.neuint.2013.11.010.

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