ÖGfE-Schmidt: Jugendliche nachhaltig in Politik einbeziehen, EU-Dialog via Social Media verstärken

Über zwei Drittel bereit, an den EU-Wahlen teilzunehmen - knapp ein Fünftel fühlt sich nicht vertreten - Jugend-Umfrage

Wien (OTS) - "In einem knappen halben Jahr sind auch die dann 16-jährigen Österreicherinnen und Österreicher dazu aufgerufen, ihre Stimme bei den Wahlen zum Europäischen Parlament abzugeben. Höchste Zeit, mit der Jugend über europäische Entwicklungen ins Gespräch zu kommen", sagt Paul Schmidt, Leiter der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE), zum Ergebnis einer im Lauf des Jahres 2013 - im Rahmen der Wanderausstellung "Die EU und DU" - durchgeführten Umfrage an Österreichs Schulen.

Bekanntheit des EU-Parlaments

42 Prozent der befragten Jugendlichen geben an, zumindest 1 bis 2 Mal pro Woche über das EU- Parlament zu hören. 43 Prozent registrieren "seltener" Nachrichten über das EU-Parlament, 15 Prozent "nie". Befragte aus Berufsschulen geben häufiger an, "nie" vom EU-Parlament zu hören (23 Prozent) als Befragte aus AHS bzw. BHS (8 bzw. 4 Prozent).

"Jugendliche kommen mit dem Europäischen Parlament medial durchaus in Berührung. Allerdings zeigt unsere Umfrage auch, dass es vielen schwer fällt, "Europa" mit ihrem eigenen Leben direkt in Verbindung zu bringen", verweist Schmidt auf weitere Ergebnisse der Befragung.

Für die Mehrzahl der Jugendlichen fallen Entscheidungen, die sie persönlich betreffen, in erster Linie auf nationaler Ebene (59 Prozent), in zweiter auf regionaler/kommunaler (21 Prozent) und erst zuletzt auf EU-Ebene (15 Prozent).

"In den vergangenen Jahren hat sich die politische Entscheidungsfindung immer mehr auf die europäische Ebene verlagert. Die Wahrnehmung der Jugendlichen spiegelt das nicht wieder - ein Anzeichen, dass europäische Entscheidungen nur bedingt bekannt sind und als weit weg empfunden werden. Gerade im Vorfeld der EU-Wahlen sollte darauf reagiert werden."

Die Kluft zwischen nationaler und europäischer Ebene zeigt sich unter anderem auch bei der Frage der Interessensvertretung: 4 Prozent der Jugendlichen sehen ihre Anliegen durch die heimischen EU-Abgeordneten "voll", 27 Prozent "eher" vertreten. Dagegen fühlen sich 46 Prozent "eher weniger", 18 Prozent "gar nicht" vertreten. Je häufiger Jugendliche im Alltag jedoch vom Europäischen Parlament hören, desto stärker fühlen sie auch ihre Interessen wahrgenommen. Hohe Wahlbereitschaft

71 Prozent der Jugendlichen können sich - nach dem Besuch der Wanderausstellung und einer Diskussionsveranstaltung an ihrer Schule - vorstellen, an den Europawahlen im Mai 2014 teilzunehmen. 27 Prozent antworten, dass das für sie nicht in Frage kommt. Besonders stark ist die Wahlbereitschaft bei Befragten aus BHS (90 Prozent) und AHS (82 Prozent); seltener hingegen bei Berufsschülerinnen und -schülern (63 Prozent).

"In Meinungsumfragen wird die Bereitschaft, wählen zu gehen, oft höher angegeben, als dann tatsächlich der Fall. Bei den letzten Europawahlen im Jahr 2009 lag die Wahlbeteiligung der potentiellen Erstwähler jedoch im unterdurchschnittlichen Bereich", analysiert Schmidt. "Durch kontinuierlichen Dialog muss daher versucht werden, gerade die Jungen nachhaltig vom Sinn demokratischer Beteiligung zu überzeugen. Aus Erstwählern sollten letztlich überzeugte Stammwähler werden."

EU-Information in sozialen Netzwerken wenig attraktiv
Noch ist das Thema "EU im Web" für junge Menschen wenig attraktiv: 20 Prozent sagen, dass Meldungen und Beiträge zur EU in sozialen Netzwerken für sie interessant sind. 36 Prozent halten sie für uninteressant, 42 Prozent haben auf diesen noch nie EU-spezifische Meldungen gesehen.

"EU-Information und Social Media passen noch nicht wirklich zusammen. Dabei bilden soziale Netzwerke eine ganz wesentliche Kommunikations- und Informationsschiene für Jugendliche. Dem immer wichtiger werdenden Online-Dialog sollte daher auch in der europapolitischen Kommunikation verstärkt Rechnung getragen werden", so Schmidt abschließend.

Die ÖGfE verstärkt im Europawahljahr ihr Informations- und Dialogangebot für Jugendliche. Unter dem Motto "EUROPA was ist jetzt?" finden, gemeinsam mit den österreichischen Sozialpartnern, Schuldiskussionen an über 200 Standorten statt. Via www.facebook.com/wasistjetzt wird der Dialog auch online weiter intensiviert.

Die Umfrage wurde im Rahmen der Wanderausstellung "Die EU und DU" 2013 österreichweit durchgeführt. 1047 Schülerinnen und Schüler wurden schriftlich befragt: 16 Prozent 15 Jahre oder jünger, 65 Prozent 16 bis 18 Jahre und 19 Prozent 19 Jahre und älter; Überhang an Teilnehmerinnen (55 Prozent); alle Schultypen (25 Prozent AHS, 10 NMS, 19 BHS und 46 Berufsschule) einbezogen. Bundesländerverteilung in Prozent: Burgenland: 2, Kärnten: 1, Niederösterreich: 22, Oberösterreich: 12, Salzburg: 3, Steiermark: 11, Tirol: 1, Vorarlberg: 9, Wien: 39. Die Ausstellung "Die EU und DU" (www.die-eu-und-du.at) ist ein Projekt der ÖGfE, des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten und der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich. 2013 war sie in 36 Schulen zu sehen, 2800 Jugendliche nahmen an Diskussionsveranstaltungen teil.

In der Summe entspricht bei allen Fragen jeweils die Differenz auf 100 Prozent dem Anteil jener, die keine Angabe machten.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Paul Schmidt
Österreichische Gesellschaft für Europapolitik
Tel.: (+43-1)533 49 99
E-Mail: paul.schmidt@oegfe.at
www.oegfe.at

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