• 04.01.2014, 07:00:33
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Ärztekammer: Elektronische Spielerei verkürzt keine Wartezeiten

Unzureichende Kapazitäten bei strahlentherapeutischer Krebstherapie

Utl.: Unzureichende Kapazitäten bei strahlentherapeutischer
Krebstherapie =

Wien (OTS) - Die desaströsen Wartezeiten in den Spitälern
Ostösterreichs dürften nicht den Leistungserbringern im
Gesundheitswesen angelastet werden, sondern seien Ursache falscher
Schwerpunktsetzung. Besonders betroffen sei die Strahlentherapie;
hier sei die Situation prekär. Mehr Transparenz werde jedenfalls
nicht zu einer Verkürzung der Wartezeiten beitragen, denn nicht
digitale Listen würden Krebs heilen, sondern Ärzte und
Linearbeschleuniger, sagte der Obmann der Bundesfachgruppe
Strahlentherapie in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Robert
Hawliczek, am Samstag in einer Aussendung.

"Es ist naiv zu glauben, dass online abrufbare Listen die Wartezeiten
verkürzen werden, wenn gleichzeitig an allen Ecken und Enden gespart
wird. Nicht Faulheit und Korruption, sondern simple Ressourcenmängel
sind ihre Ursache. Es braucht Therapiekapazitäten, um Patientinnen
und Patienten zeitgerecht behandeln zu können. Die Verantwortung für
die jetzigen Zustände auf die Leistungsträger im Gesundheitswesen
abzuwälzen ist unethisch", betonte Hawliczek. Derzeit würden in
Ostösterreich Hochvoltgeräte für die radioonkologische Behandlung
fehlen. Rund 120 Millionen Euro wären notwendig, um die Geräte zu
kaufen und zu betreiben. "Wenn wir 130 Millionen Euro für ELGA
verschleudern können, sollten wir eigentlich auch Geld für solch
wichtige Projekte haben", kritisierte der Experte. Die Erstellung
transparenter Wartelisten bzw. damit verknüpfter internetbasierter
Anmeldesysteme sei lediglich ein weiteres IT-Projekt, das Millionen
kosten würde, aber definitiv nichts bringe. "Das Geld, das für dieses
Projekt ausgegeben wird, fehlt uns dann in der Versorgung noch
zusätzlich", zeigte Hawliczek auf.

Die Folge fehlender Therapiegeräte seien lange Wartezeiten, die für
Krebskranke unter Umständen lebensgefährlich sein können. Daran würde
sich auch durch transparente Listen nichts ändern. "In Wien werden
mit Ausnahme des AKH alle Betten für Strahlentherapiepatienten
wegrationalisiert, die stationär behandelt werden müssen.
Gleichzeitig müssen die Wiener Spitäler Patientinnen und Patienten
aus Niederösterreich betreuen, weil es in Niederösterreich nur fünf
Hochvoltgeräte gibt. Entsprechend lange müssen die Patienten auf
einen Therapieplatz warten", sagte Hawliczek. Der im Vorjahr erhobene
Vorwurf, Privatpatienten würden zu Lasten der Kassenpatienten
bevorzugt, sei absurd. "Der Anteil der Privatpatienten in der
Strahlentherapie liegt bei drei Prozent. Wie das zu längeren
Wartezeiten führen soll, ist ein mathematisches Rätsel", so der
Experte.

Rein kosmetische Maßnahmen seien sinnlos und nicht zielführend. "Wir
brauchen mehr Ressourcen, damit wir unsere Patientinnen und Patienten
nach westeuropäischen Standards behandeln können. Alles andere ist
zweitrangig" sagte Hawliczek abschließend. (slv)

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