• 19.12.2013, 11:00:34
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  • OTS0088 OTW0088

Prognose für 2014 und 2015: Aufschwung bleibt wegen Konsumschwäche flach

Wien (OTS/WIFO) - Frühindikatoren signalisieren für Österreich eine
baldige Konjunkturbelebung. Diese wird vor allem durch
Nachholinvestitionen und eine höhere Exportnachfrage aus wichtigen
Zielländern wie Deutschland und den USA gestützt. Der Konsum bleibt
wegen der mäßigen Lohnentwicklung, der angespannten Lage auf dem
Arbeitsmarkt und der Konsolidierung der öffentlichen Haushalte
schwach, die Konjunkturdynamik daher eingeschränkt. Die Teuerung
nimmt im Prognosezeitraum leicht ab, die Arbeitslosenquote erhöht
sich 2014 noch.

2013 schwächte sich die Expansion der Weltwirtschaft zum dritten
Mal in Folge ab. Die Zunahme des Welthandels war ebenfalls träge,
nicht zuletzt da auf den Handel zwischen den krisengeschüttelten
Euro-Ländern ein relativ großer Anteil davon entfällt. Mit der
prognostizierten Konjunkturaufhellung expandiert das Handelsvolumen
wieder stärker (2014 +5,0%, 2015 +6,5%), das Wachstum der
Weltwirtschaft verstärkt sich schrittweise (2014 +3,6%, 2015 +4,0%).

Der österreichische Außenhandel profitiert von der Belebung auf
wichtigen Zielmärkten, vor allem Deutschland, den USA und einigen
Ländern Ostmitteleuropas. Laut WIFO-Konjunkturtest schätzen die
heimischen Unternehmer die künftige Entwicklung zuletzt erheblich
optimistischer ein. Der WIFO-Frühindikator deutet auf einen
verhaltenen Aufschwung hin; nach der Aufhellung
finanzwirtschaftlicher Indikatoren besserten sich zuletzt auch einige
realwirtschaftliche Kennzahlen. Aufgrund der gebremsten Dynamik des
privaten Konsums wird die Konjunkturbelebung allerdings nur verhalten
ausfallen. Die Stagnation der Nettoreallöhne, die Konsolidierung der
öffentlichen Haushalte und die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt
belasten die Kaufkraft der privaten Haushalte. Die Zunahme des
Arbeitskräfteangebotes ist durch Sondereffekte wie strengere Regeln
für den Pensionszugang und die Arbeitsmarktöffnung für Arbeitskräfte
aus Bulgarien und Rumänien geprägt. Sie kann 2014 nicht vollständig
durch die Zunahme der Beschäftigung absorbiert werden, die
Arbeitslosenquote steigt daher auf 7,9% und verharrt 2015 auf diesem
Niveau.

Die Entwicklung der öffentlichen Haushalte ist gekennzeichnet von
Einmaleffekten (Versteigerungserlöse, Steuerabkommen mit der Schweiz
und Liechtenstein, Kapitalzuschuss an Banken) und neuen
Konsolidierungsmaßnahmen. Die vorliegende Prognose unterstellt
Abgabenerhöhungen und Ausgabensenkungen von rund 2 Mrd. Euro im Jahr
2014 und 1 Mrd. Euro im Jahr 2015. Das durch den "Kassasturz"
identifizierte zusätzliche Budgetdefizit würde aufgrund seiner
Zusammensetzung nur schwach expansiv wirken; auch haben die
unterstellten zusätzlichen Konsolidierungsmaßnahmen leicht
restriktive Effekte. Diese vergleichsweise kleinen und gegenläufigen
Impulse dürften einander ausgleichen. Nach lediglich +0,3% im Jahr
2013 dürfte das reale BIP 2014 und 2015 um jeweils 1,7% expandieren.

Im Euro-Raum besserte sich die Konjunktur zuletzt. Die restriktive
Budgetpolitik und die geringe Inflation erschweren allerdings den
Abbau der Verschuldung der privaten Haushalte und Unternehmen, die in
einigen Ländern sehr hoch ist und teilweise weiter steigt. Dies
belastet den privaten Konsum, die Investitionen und die
Kreditvergabe. Die Leistungsbilanzdefizite der Peripherieländer
könnten sich in einem Aufschwung wieder ausweiten, deren
außenwirtschaftliche Verwundbarkeit bildet daher weiterhin ein
Risiko.

Übersicht 1: Hauptergebnisse der Prognose - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/47087)

Die Notenbank der USA wird mit der Einschränkung der Anleihenkäufe
eine geldpolitische Trendwende einleiten. Aufgrund der günstigen
real- und finanzwirtschaftlichen Bedingungen wird die Konjunktur
davon kaum beeinträchtigt werden. Die Budgetkonsolidierung im Jahr
2013 dämpfte die Konjunktur nicht übermäßig, da sie großteils
einnahmenseitig erfolgte und die Verschuldung der privaten Haushalte
zuvor bereits deutlich gesunken war. Wie die Erfahrungen vom Oktober
2013 vermuten lassen, dürfte das Schuldenlimit, das aktuell bis Mitte
2014 ausreicht, weiter angehoben werden, um die
Refinanzierungserfordernisse des Staates zu decken.

Die Mehrwertsteuererhöhung 2014 wird Japan zwar aus der Deflation
führen, gleichzeitig aber die Konjunktur dämpfen. Ein Anstieg der
nominellen Löhne ist noch nicht absehbar. In Brasilien belasten
erhöhte Importpreise und Zinssätze, in Indien auch
Kapitalverkehrskontrollen die Konjunktur. China und Russland setzen
den Übergang zu geringeren Potentialwachstumsraten fort.

Methodische Hinweise und Kurzglossar

Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Text wird auf "saison- und arbeitstägig bereinigte Veränderungen"
Bezug genommen.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.

Wachstumsüberhang

Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im
unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des
vorangegangenen Jahres (t0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres
(t1). Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres t1,
wenn das BIP im Jahr t1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres t0
(in saisonbereinigten Zahlen) bleibt.

Durchschnittliche Veränderungsraten

Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der
Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate
2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte
jene von 2009 auf 2010.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.

Produzierender Bereich

Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D
(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,
Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich
verwendet.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch
http://www.statistik.at/ ).

Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht
eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die
Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete
Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im
österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2010)
enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der
Kerninflation einbezogen.

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit ( http://www.konjunkturtest.at/ ). Die
Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem
der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Definition der Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld
beziehen, sowie Präsenzdiener mit aufrechtem
Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die
Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".

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