Prognose für 2014 und 2015: Aufschwung bleibt wegen Konsumschwäche flach

Wien (OTS/WIFO) - Frühindikatoren signalisieren für Österreich eine baldige Konjunkturbelebung. Diese wird vor allem durch Nachholinvestitionen und eine höhere Exportnachfrage aus wichtigen Zielländern wie Deutschland und den USA gestützt. Der Konsum bleibt wegen der mäßigen Lohnentwicklung, der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt und der Konsolidierung der öffentlichen Haushalte schwach, die Konjunkturdynamik daher eingeschränkt. Die Teuerung nimmt im Prognosezeitraum leicht ab, die Arbeitslosenquote erhöht sich 2014 noch.

2013 schwächte sich die Expansion der Weltwirtschaft zum dritten Mal in Folge ab. Die Zunahme des Welthandels war ebenfalls träge, nicht zuletzt da auf den Handel zwischen den krisengeschüttelten Euro-Ländern ein relativ großer Anteil davon entfällt. Mit der prognostizierten Konjunkturaufhellung expandiert das Handelsvolumen wieder stärker (2014 +5,0%, 2015 +6,5%), das Wachstum der Weltwirtschaft verstärkt sich schrittweise (2014 +3,6%, 2015 +4,0%).

Der österreichische Außenhandel profitiert von der Belebung auf wichtigen Zielmärkten, vor allem Deutschland, den USA und einigen Ländern Ostmitteleuropas. Laut WIFO-Konjunkturtest schätzen die heimischen Unternehmer die künftige Entwicklung zuletzt erheblich optimistischer ein. Der WIFO-Frühindikator deutet auf einen verhaltenen Aufschwung hin; nach der Aufhellung finanzwirtschaftlicher Indikatoren besserten sich zuletzt auch einige realwirtschaftliche Kennzahlen. Aufgrund der gebremsten Dynamik des privaten Konsums wird die Konjunkturbelebung allerdings nur verhalten ausfallen. Die Stagnation der Nettoreallöhne, die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt belasten die Kaufkraft der privaten Haushalte. Die Zunahme des Arbeitskräfteangebotes ist durch Sondereffekte wie strengere Regeln für den Pensionszugang und die Arbeitsmarktöffnung für Arbeitskräfte aus Bulgarien und Rumänien geprägt. Sie kann 2014 nicht vollständig durch die Zunahme der Beschäftigung absorbiert werden, die Arbeitslosenquote steigt daher auf 7,9% und verharrt 2015 auf diesem Niveau.

Die Entwicklung der öffentlichen Haushalte ist gekennzeichnet von Einmaleffekten (Versteigerungserlöse, Steuerabkommen mit der Schweiz und Liechtenstein, Kapitalzuschuss an Banken) und neuen Konsolidierungsmaßnahmen. Die vorliegende Prognose unterstellt Abgabenerhöhungen und Ausgabensenkungen von rund 2 Mrd. Euro im Jahr 2014 und 1 Mrd. Euro im Jahr 2015. Das durch den "Kassasturz" identifizierte zusätzliche Budgetdefizit würde aufgrund seiner Zusammensetzung nur schwach expansiv wirken; auch haben die unterstellten zusätzlichen Konsolidierungsmaßnahmen leicht restriktive Effekte. Diese vergleichsweise kleinen und gegenläufigen Impulse dürften einander ausgleichen. Nach lediglich +0,3% im Jahr 2013 dürfte das reale BIP 2014 und 2015 um jeweils 1,7% expandieren.

Im Euro-Raum besserte sich die Konjunktur zuletzt. Die restriktive Budgetpolitik und die geringe Inflation erschweren allerdings den Abbau der Verschuldung der privaten Haushalte und Unternehmen, die in einigen Ländern sehr hoch ist und teilweise weiter steigt. Dies belastet den privaten Konsum, die Investitionen und die Kreditvergabe. Die Leistungsbilanzdefizite der Peripherieländer könnten sich in einem Aufschwung wieder ausweiten, deren außenwirtschaftliche Verwundbarkeit bildet daher weiterhin ein Risiko.

Übersicht 1: Hauptergebnisse der Prognose - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/47087)

Die Notenbank der USA wird mit der Einschränkung der Anleihenkäufe eine geldpolitische Trendwende einleiten. Aufgrund der günstigen real- und finanzwirtschaftlichen Bedingungen wird die Konjunktur davon kaum beeinträchtigt werden. Die Budgetkonsolidierung im Jahr 2013 dämpfte die Konjunktur nicht übermäßig, da sie großteils einnahmenseitig erfolgte und die Verschuldung der privaten Haushalte zuvor bereits deutlich gesunken war. Wie die Erfahrungen vom Oktober 2013 vermuten lassen, dürfte das Schuldenlimit, das aktuell bis Mitte 2014 ausreicht, weiter angehoben werden, um die Refinanzierungserfordernisse des Staates zu decken.

Die Mehrwertsteuererhöhung 2014 wird Japan zwar aus der Deflation führen, gleichzeitig aber die Konjunktur dämpfen. Ein Anstieg der nominellen Löhne ist noch nicht absehbar. In Brasilien belasten erhöhte Importpreise und Zinssätze, in Indien auch Kapitalverkehrskontrollen die Konjunktur. China und Russland setzen den Übergang zu geringeren Potentialwachstumsraten fort.

Methodische Hinweise und Kurzglossar

Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im Text wird auf "saison- und arbeitstägig bereinigte Veränderungen" Bezug genommen.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ." beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen Methoden beruht.

Wachstumsüberhang

Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des vorangegangenen Jahres (t0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres (t1). Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres t1, wenn das BIP im Jahr t1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres t0 (in saisonbereinigten Zahlen) bleibt.

Durchschnittliche Veränderungsraten

Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate 2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte jene von 2009 auf 2010.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens angeführt.

Produzierender Bereich

Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D (Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren, Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich verwendet.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch http://www.statistik.at/ ).

Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2010) enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der Kerninflation einbezogen.

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund 1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer Investitionstätigkeit ( http://www.konjunkturtest.at/ ). Die Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen. Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und unselbständig Beschäftigten (gemessen in Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen, die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Definition der Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, sowie Präsenzdiener mit aufrechtem Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".

Rückfragen & Kontakt:

Rückfragen bitte am Donnerstag, dem 19. Dezember 2013, von 11 bis 16 Uhr, an Stefan Schiman, MSc, Tel. (1) 798 26 01/243, Stefan.Schiman@wifo.ac.at

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