• 18.12.2013, 20:27:59
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Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 19. Dezember 2013; Leitartikel von Peter Nindler: "Eine schöne Bescherung"

Innsbruck (OTS) - Utl: Die Tiroler Volkspartei würde für ihre
Profilierung sowohl den intellektuellen Karlheinz Töchterle als auch
den wortgewaltigen Wirtschaftsbündler Franz Hörl benötigen. Weil sich
das nicht ausgeht, steckt sie jetzt in einem Dilemma.

Eine schöne Bescherung! So hat sich die Tiroler Volkspartei das
ausklingende Jahr sicher nicht vorgestellt. Es rumort, obwohl man
weiterhin in der Bundesregierung mit einem Minister vertreten ist.
Doch die ÖVP steckt in einem Dilemma, weil nach der Regierungsbildung
im Bund mehrere Glutnester glosen und sich erst die Parteiliebe zum
neuen Landwirtschaftsminister finden muss. Zu sehr war man bis zum
Schluss auf Karlheinz Töchterle als Wissenschaftsminister fixiert.
Parteichef und Landeshauptmann Günther Platter kann seinen von der
Bundespartei derart abmontierten Vorzeigeminister jetzt nicht auch
noch fallen lassen. Schließlich hat er ihn geholt und sich in
Töchterles hervorragenden Imagewerten mitgesonnt. Der ehemalige
Rektor der Innsbrucker Universität ist außerdem ein wichtiges
Bindeglied zu den urbanen bürgerlichen Kreisen, die sich in den
vergangenen Jahren zusehends von der Tiroler VP abgewendet haben.
Dass der parteifreie Töchterle eigentlich als Minister und nicht als
einfacher Nationalrat vorgesehen war, muss der Landeshauptmann
notgedrungen schlucken. Auch deshalb, weil nach Töchterles
bundespolitischer Einsparung die (medialen) Lobeshymnen für den
Stubaier nicht abreißen wollen.
Bei Mandaten und Parlamentssitzen geht es politisch jedoch ums
Eingemachte. Und so bleibt der ehemalige Wissenschaftsminister im
Hohen Haus und Seilbahnsprecher Franz Hörl im Zillertal. Der
Wirtschaftsbündler wurde nicht nur Opfer von Töchterles Popularität
und dessen Lust auf Politikverlängerung trotz Verlusts des
Ministeramts, sondern auch von den mageren Zugewinnen der Tiroler ÖVP
bei der Nationalratswahl. Ein zweites Landeslistenmandat ging sich
einfach nicht aus.
Platter würde deshalb den wortgewaltigen und gar nicht
schwarz-grün angehauchten Seilbahner lieber auf einem Mandat unter
Kontrolle halten, als sich künftig mit dessen außerparlamentarischen
Kraftanstrengungen herumzuschlagen. Denn Hörl verkörpert in der ÖVP
die Vorrangthese für die Wirtschaft und den innerparteilichen
"Rettungsanker" für Frächter, Unternehmer und Touristiker, die mit
den Grünen lieber auf Kriegspfad sind, denn in einer Regierung
sitzen. Und ein interner Reibebaum tut gut, um die eigenen Konturen
immer wieder einmal zu schärfen.
Offensichtlich ist LH Günther Platter in diese Situation
hineingestolpert, weil er keinen Plan "B" für den Tag "X" hatte. So
hilft ihm jetzt nur eine altbekannte Strategie: der politische
Spagat.

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