Radiologie in Österreich: Nicht auf Kosten der Patienten sparen

FEEI warnt vor medizinischem Risiko durch Qualitätsminderung bei Geräten der Schnittbilddiagnostik. Niedergelassene Radiologen fordern adäquates Tarifmodell.

Wien (OTS) - Der FEEI - Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie fordert eine Qualitätssicherung im Bereich der Schnittbilddiagnostik (Institute für Magnetresonanz- und Computertomografie - MRT und CT). "Lebenswichtige, hochwertige Leistungen der Radiologen müssen in einem Sozialstaat wie Österreich weiter gewährleistet werden. Bessere Möglichkeiten in der Bilddiagnostik verbessern die Heilungschancen für Patienten drastisch. Investitionen in diesem Segment - vor allem bei niedergelassenen Schnittbildinstituten - sind daher unerlässlich", nimmt Dr. Manfred Müllner, stv. Geschäftsführer FEEI, Stellung zu den gescheiterten Honorarverhandlung zwischen Krankenkassen und Ärzten. "Es dürfen keine Konflikte auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden", fordert Müllner.

Medizinisches Risiko durch Tarifstreit

Im Tarifstreit mit den Krankenkassen wollten die rund 110 Institute für Schnittbilddiagnostik erreichen, dass die Kassen in diesem jahrelang vernachlässigten Bereich deutlich mehr investieren. Niedergelassene Radiologen fordern zudem, dass neue Leistungen bezahlt werden. Dazu zählt die zunehmend geforderte Sekundär- und Tertiärprävention wie etwa Mamma- und Prostata-MR, Low Dose Thorax CT, CT-Kolonographie oder Koronar-CT. "Wenn wir nicht deutlich in diesen Bereich investieren, fällt Österreich im medizinischen Standard im europäischen Durchschnitt weiter zurück. Dem aktuellen Gesundheits-Index European Health Consumer Index (EHCI) zufolge haben wir unseren Platz in den Top-Ten bei der Gesundheitsvorsorge bereits verloren, auch unsere Top-Platzierung in den OECD-Gerätezahlen haben wir seit 1995 verschlechtert und liegen heute eher abgeschlagen im unteren europäischen Mittelfeld", fasst Müllner zusammen. An erster Stelle rangieren die Niederlande.

Da keine Einigung zwischen den Kassen und Ärzten für die Zeit nach dem 31.12.2013 zustande gekommen ist, droht Patienten ab 1. Jänner 2014 ein vertragloser Zustand. Ein medizinisches Risiko kommt durch die überlangen Wartezeiten auf Patienten zu. 2009 lag die maximale Wartezeit für einen Termin bei zwei Wochen, Ende 2012 schnellte diese Zahl - je nach Bundesland - auf sechs bis neun Wochen hinauf. Derzeit müssen Patienten mit bis zu 90 Tagen Wartezeit für einen Untersuchungstermin rechnen. Dies minimiert die Chancen auf Früherkennung drastisch und hat somit ungeahnte Folgen für Krankheitsverläufe.

Sparkurs sorgt für schlechtere Versorgungslage

Der massive Sparkurs der Kassen hat Schnittbildinstitute im niedergelassenen Bereich in wirtschaftliche Bedrängnis gebracht. Denn die hohen Investitionen, die nötig sind, um Neuanschaffungen zu tätigen wie auch die Modernisierung und Instandhaltung bereits gekaufter Geräte zu sichern, müssen durch die Behandlungshonorare eingenommen werden. Im Gegensatz zu den öffentlichen Krankenhäusern werden Defizite hier nicht durch den Steuerzahler abgedeckt. Die Institute müssen positiv bilanzieren, um von den Banken weiterhin finanziert zu werden.

Gute Diagnostik verbessert jedoch nicht nur die Qualität der medizinischen Behandlung. Präzise und verlässliche Untersuchungsgeräte sorgen dafür, dass Diagnosen genauer und damit entscheidend früher gestellt werden können. Aufwändige Nachfolgeuntersuchungen werden in Folge weniger und Fachärzte sind schneller in der Lage, die richtigen therapeutischen Maßnahmen zu treffen. Durch das derzeitige Tarifmodell ist es den Instituten allerdings nicht mehr möglich, in höherpreisige State of the art-Geräte zu investieren bzw. bereits angeschaffte Geräte umfassend zu warten. Fehlende Investitionen verhindern mittelfristig, dass Bilddiagnostik-Institute einen Betrieb auf hohem Qualitätsniveau dauerhaft garantieren können. Die Versorgungslage der Bevölkerung würde sich dadurch noch weiter verschlechtern.

Ertragslage der Institute dramatisch verschlechtert

Der FEEI registriert seit 2008 ein deutlich geändertes Investitionsverhalten der österreichischen Bilddiagnostik-Institute:
Während bis dahin nach relativ kurzer Nutzungsdauer Neugeräte mit allen aktuellen Optionen von den Betreibern angeschafft wurden, unterbleiben seit damals Investition weitgehend völlig. Ersatzbeschaffungen erfolgen so spät wie möglich und erst, wenn für die Wartung der Geräte seitens der Lieferfirmen keine Ersatzteilgarantie mehr abgegeben werden kann oder die Geräte nicht mehr reparabel sind. Daraus schließen die Mitgliedsfirmen des FEEI, dass sich die Ertragslage der Institute dramatisch verschlechtert hat.

Österreich verhält sich derzeit bei der Investition in CT- und MRT-Geräte nicht so, wie es von einer hochentwickelten Volkswirtschaft zu erwarten wäre. Aktuell geht man im FEEI davon aus, dass die Investitionssumme in 2013 um ca. 30% hinter jener der Vorjahre liegt. Dieser Spardruck ist im Sinne einer modernen und strahlenschonenden Schnittbilddiagnostik kontraproduktiv.

Der FEEI befürwortet im Rahmen des derzeitigen Tarifkonflikts der Institute die Tarife so zu gestalten, dass eine kontinuierliche Verbesserung der Geräteausstattung ermöglicht wird. Dies ist zum einen die Grundlage, auch zukünftig die diagnostische Qualität zu steigern. Zum anderen sind neue Geräte - und damit strahlenarme MRT-und CT-Systeme - wesentlich für die kontinuierliche Absenkung der Gesamtdosisbelastung.

Über die Sparte Medizintechnik - Bildgebende Diagnostik des FEEI

Die Sparte Medizintechnik - Bildgebende Diagnostik ist ein Teil des FEEI - Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie. Das Forum versammelt die wichtigsten Hersteller und Importeure bildgebender Medizingeräte. Dazu zählen Siemens AG Österreich, Philips Medical Systems Austria, GE Healthcare, Toshiba Medical Systems, Agfa HealthCare, Carestream Health und Fujifilm Medical SystemsZiel des Forums ist, die wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder zu fördern und marktwirtschaftlichen Wettbewerb sicherzustellen. Dazu zählen unter anderem gemeinsame Marketingaktivitäten und die Erörterung zukünftiger und anstehender Gesetzesinitiativen.Das europäische und österreichische Kartellrecht zielen darauf ab, wirksamen Wettbewerb im Markt sicherzustellen. Das Bekenntnis zur Einhaltung der kartellrechtlichen Vorschriften ist ein wesentlicher Teil der Mitgliedschaft in der Sparte Medizintechnik.

Über den FEEI - Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie

Der FEEI - Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie vertritt in Österreich die Interessen von 270 Unternehmen der österreichischen Elektro- und Elektronikindustrie mit knapp 60.000 Beschäftigten und einem Produktionswert von 12,7 Milliarden Euro (Stand 2012). Gemeinsam mit seinen Netzwerkpartnern - dazu gehören u. a. die Fachhochschule Technikum Wien, das Forum Mobilkommunikation (FMK), das UFH, das Umweltforum Starterbatterien (UFS), der Verband Alternativer Telekom-Netzbetreiber (VAT) und der Verband der Bahnindustrie (bahnindustrie.at) - ist es das oberste Ziel, die maßgeblichen rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mitzugestalten, um die Position der österreichischen Elektro- und Elektronikindustrie im weltweit geführten Standortwettbewerb zu stärken.
http://www.feei.at/

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Isabelle-Nadine Müller
FEEI Kommunikation

FEEI Management-Service GmbH
Mariahilfer Straße 37-39, 1060 Wien
Tel.: +43/1/588 39-61, Fax: +43/1/586 69 71
Mobil: +43/664/619 25 07
mueller@feei.at, www.feei.at/kommunikation

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | FEE0001