• 13.12.2013, 19:00:36
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DER STANDARD - Kommentar: "Ein fatales Signal" von Alexandra Föderl-Schmid

Die ÖVP opfert aus innerparteilichen Gründen das Wissenschaftsministerium. (Ausgabe vom 14.12.2013)

Utl.: Die ÖVP opfert aus innerparteilichen Gründen das
Wissenschaftsministerium. (Ausgabe vom 14.12.2013) =

Wien (OTS) - Mag sein, dass in der ÖVP-Logik die Familie höheres
politisches Gewicht hat als die Wissenschaft. Von der Symbolik her
setzt die Auflösung des eigenständigen Wissenschaftsministeriums ein
fatales Signal: Dass die Politik den Universitäten nicht den Rang
einräumt, der ihnen in einem Land, das zu Recht stolz ist auf seine
Geistesgrößen, gebührt. Es ist ein Zeichen, dass Forschung und Lehre
in Österreich weder finanziell noch strukturell die Unterstützung
haben, die sie gemäß ihrer Bedeutung bei der Zukunftssicherung des
Landes haben sollten. Österreich hat keine Rohstoffe und muss daher
auf die Geisteskraft seiner Menschen setzen.
Die Ökonomisierung der Wissenschaften ist ein Thema, das viele auch
hierzulande umtreibt. In Zeiten des knapper werdenden Budgets steht
immer mehr der Nutzen im Vordergrund, Geisteswissenschaften werden an
den Rand gedrängt. In seinem Buch What Are Universities For zitiert
Cambridge-Professor Stefan Collini den Historiker David Wootton.
Dieser antwortet auf die Frage, warum es Institutionen wie
Universitäten im Allgemeinen und Studien wie Geschichte im Besonderen
bedarf: "Um der Vergangenheit einen Platz in unserer Gesellschaft zu
geben." Das lässt sich nur schwer messen.
Es klagen ohnehin immer mehr Universitätsbeschäftigte, dass
Unternehmen Studien bestellen, Professoren engagieren und ganze
Institute finanzieren, die in ihrem Sinne forschen. Das über
sogenannte Drittmittel finanzierte Personal an den österreichischen
Hochschulen hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf rund
8000 Personen laut jüngstem Universitätsbericht zugenommen.
Die ÖVP-Spitze mag sich der Tragweite der Entscheidung nicht bewusst
gewesen sein. Es hat den Anschein, dass rein aus Gründen der
Machtarithmetik das Wissenschaftsressort geopfert wurde: schlicht aus
dem Grund, weil Reinhold Mitterlehner für das Abtreten der Familien-
und Jugendkompetenzen an Neo-Ministerin Sophie Karmasin entschädigt
werden musste. Außerdem hat unter Spindelegger der ÖAAB parteiintern
zu viel Einfluss, sodass ein Wirtschaftsbündler aufgewertet werden
musste. Mitterlehner ist so zu einer Art Superminister erkoren
worden.
Der bisherige Wirtschaftsminister Mitterlehner tritt ein schweres
Erbe an, da der bisherige Amtsinhaber Karlheinz Töchterle als Rektor
auch die andere Seite des Wissenschaftsbetriebes kannte. An der
Besetzung der Uniräte wird erkennbar sein, ob sich die Regierung von
wirtschaftlichen Einflüssen leiten lässt oder auch freie Geister
zulässt.
Dass der bisherige Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle gegen
die Med-Fakultät in Linz Stellung bezogen hat, wird ein weiterer
Grund für seine rüde Ablöse gewesen sein. Der Oberösterreicher
Mitterlehner wird die Umsetzung sicherstellen, wie dies auch die
bisherige Finanzministerin Maria Fekter, ebenfalls
Oberösterreicherin, versprochen hat.
Die ÖVP führte humanistische Bildung als Hauptgrund für den Erhalt
der Gymnasien an. Dass just diese Partei den Altphilologen Töchterle
ablöst, zeigt, wie ernst man Bildungsbekenntnisse der ÖVP-Spitze
nehmen sollte.
Die SPÖ-Abgeordneten könnten bei der Abstimmung über die Neuordnung
der Ministerien ein Zeichen setzen. Bundespräsident Heinz Fischer
könnte gemäß dem Appell der Rektoren handeln: Das wäre auch ein
Signal.

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